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Verhaltensauffälligkeiten im Sozialkontakt u. unterfordert?


 
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daikiri



Geschlecht: Geschlecht:weiblich
Anmeldungsdatum: 21.03.2008
Beiträge: 29

BeitragVerfasst am: 23.03.2008, 00:21
BeitragTitel: Verhaltensauffälligkeiten im Sozialkontakt u. unterfordert?
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Ich gehöre eigentlich nicht hierher, denn bei meinem Sohn (wird im Juni 4) gibt es bisher keine Anzeichen für eine Hb, er ist zwar sprachlich sehr fit und er kann sich Dinge gut merken (mit 2,5 hat er komplette Bilderbuchtexte auswendig vorgetragen und momentan übt er sich an Buchstaben), aber ansonsten hat er keine ungewöhnlichen Fähigkeiten vorzuweisen.
Ich bin hier gelandet, weil ich in einem anderen Forum über die Übersensibilität meines Sohnes in bestimmten Bereichen geschrieben habe und Bigbird hat mir dann diesen Link gegeben - nun entwickelt mein Sohn im sozialen Bereich einige Auffälligkeiten, aus denen ich nicht ganz schlau werde und da ich im Zusammenhang mit Hb (allerdings auch mit ADHS oder Autismus) immer wieder auf Parallelen stoße, dachte ich, ich schildere hier mal, was mir auffällt, vielleicht kommt es jemandem bekannt vor.
Julius war schon immer sehr geräuschempfindlich und im Alter von 1,5-2 Jahren hat sich gezeigt, dass er sehr schnell gestresst reagiert, wenn mehr als 2 Kinder um ihn rum sind - er fing dann an zu hauen und nach spätestens 2 Std. ist er regelrecht zusammengebrochen, war nur noch am Heulen und völlig fertig mit den Nerven.
Die Hauphase war dann mal mehr mal weniger ausgeprägt, inzwischen ist es allerdings so, dass es im Kiga, in den er seit september geht, sehr schwierig geworden ist, es ist quasi immer eine Person auf ihn abgestellt, weil er bei Kleinigkeiten sofort zuschlägt und überhaupt sehr wild und grob sein kann - inzwischen wird er deswegen von anderen Kindern gemobbt.
Wir hatten das Problem schonmal in einer Spielgruppe und ich hatte immer den Verdacht, dass der Geräuschpegel und die Masse an Reizen, die auf ihn einstürmt, ihn überfordern und seine Aggressivität (und dass er selbst sehr laut wird) seine Art ist, damit umzugehen.
Besonders schlimm ist es in Situationen wie beim Anziehen in der Garderobe oder wenn alle gemeinsam zum Klo geschickt werden, da schlägt er regelrecht um sich, weil ihm das Gedränge zuviel wird.
Inzwischen ist es auch so, dass er sogar auf fremde Kinder, z.B. auf dem Spielplatz, schon als erste Kontaktaufnahme schlagend losgeht, ich hab immer den Eindruck, er kann das Verhalten anderer Kinder nicht richtig einschätzen, er wirkt bei seinen Angriffen, wenn sie nicht als Reaktion kommen sondern von ihm initiiert sind auch meistens nicht bösartig oder so, sondern als hätte er da irgendwas falsch verstanden, vielleicht denkt er das wäre eine Art von Kontaktaufnahme, die in ordnung ist.
Ich bin irgendwann mit ihm zu einer Ergotherapeutin, weil ich wissen wollte was dahinter steckt, inzwischen hat sie mir eine Entwicklungsverzögerung im motorischen Bereich und in der Körperwahrnehmung bestätigt, was natürlich Auslöser für vieles sein kann.
Sie meinte außerdem, er wäre beim Spielen (er spielt übrigens ausschließlich Rollenspiele) stark an einem "Plan" orientiert, in den er sich nicht reinreden lässt, deshalb flippt er auch schnell aus, wenn ein anderes Kind nicht das macht, was er von ihm will.
Außerdem trägt er eine Brille, weil er stark weitsichtig ist, vermutlich ist er von daher also auch in der Wahrnehmung beeinträchtigt.
Durch sein Aussehen (Brille, ziemlich groß für sein Alter) und seine Sprachfähigkeiten wird er aber meistens überschätzt (er wird oft für ein Schulkind gehalten), was wahrscheinlich noch mehr Druck verursacht.
Was mich nun v.a. zuhause und auch an der Kiga-Situation stutzig macht: die Probleme tauchen nur in der Freispielzeit auf, sobald Stuhlkreis ist und er gefordert wird, ist er superkooperativ, das ist auch in der Einzelsituation mit Erwachsenen so.
Jetzt frag ich mich, ob er vielleicht einfach unterfordert ist, denn zuhause haben wir ohne "Programm" (und mit stimmgewaltiger kleiner Schwester rolleys ) dieselben Probleme, er ist momentan nur noch am ausrasten und widersetzt sich allem und jedem.
Konsequenzen haben bei ihm noch nie etwas bewirkt, auch etwas, das mich stutzig macht, mir kommt es oft so vor als würde bei ihm nicht ankommen was man ihm damit klarmachen will, dass er z.B. die kleine Schwester nicht treten darf und nicht mehr dabei sein kann, wenn er es nicht lässt, ich hatte noch nie den eindruck dass da irgendein Lerneffekt eintritt (mal ganz abgesehen von der Frage, ob solche Konsequenzen dazu geeignet sind Wink).
Vielleicht hat ja hier jemand eine Idee, wie man damit umgehen kann und welche Anregungen man zuhause geben kann, dafür wäre ich sehr dankbar, ich bin zugegebenermaßen sehr schlecht im Programm machen zuhause und da ich Julius voraussichtlich aus dem Kiga nehmen werde (wir sind sowieso umgezogen und er wird ab Sept. evtl. in einen Integrationskiga gehen), muss ich mir was einfallen lassen.
Vor allem aber würde mich interessieren, ob ihr solche Verhaltensauffälligkeiten von euren Kindern kennt.

LG

Doro
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Moffi
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Anmeldungsdatum: 29.03.2005
Beiträge: 2070

BeitragVerfasst am: 23.03.2008, 17:37
BeitragTitel:
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Hallo Doro,
ich glaube, die Unterforderung ist im Moment nicht Eurer größtes Problem - Dein Sohn braucht wohl erst mal dingend Hilfe im sozialen Bereich. Ein Integrationskindergarten ist sicher das Richtige für Euch, daran habe ich beim Lesen Deines Berichts sofort gedacht! Hat er denn einen Platz als Integrationskind? Integrationsgruppen sind ja in der Regel kleiner, so dass das Ganze für ihn vielleicht überschaubarer ist.

In der Integrationsgruppe meiner Tochter war auch ein Kind, das Kontakt zu anderen Kindern zuerst einmal nur durch Schlagen, Schubsen etc. aufgenommen hat. Die Erzieherinnen haben einerseits versucht, ihm diesbezüglich andere Möglichkeiten zu zeigen, andererseits aber auch den anderen Kindern erklärt, was in dem aggressiven Jungen vorgeht und ihnen vermittelt, wie sie mit dessen Aggressionen umgehen können (laut und bestimmt "Nein" sagen), so dass es nicht sofort zu dieser Ausgrenzungsproblematik gekommen ist....

Konkrete Tipps kann ich Dir leider keine geben. Meine große Tochter ist für Konsequenzen auch völlig unempfänglich, damit habe ich noch nie was bei ihr erreicht... Was die Aggressivität zu Hause angeht: Sicher spielt dabei die Eifersucht auf die kleine Schwester eine Rolle. Hast Du denn die Möglichkeit, regelmäßig mit ihm alleine etwas zu unternehmen?

Hast du schon mit dem Kinderarzt über die Probleme Deines Sohnes gesprochen?

LG,
Karin
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scout




Anmeldungsdatum: 02.03.2005
Beiträge: 1774
Wohnort: ba-wü

BeitragVerfasst am: 23.03.2008, 20:52
BeitragTitel:
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hi doro,

ich schließe mich moffis einschätzung an und halte das nicht primär für eine unterforderung.

er ist eher überfordert mit dem chaos, das andere kinder um ihn herum machen, und zwar im kindergarten wie auch zu hause mit der kleinen schwester, die seine empfindliches akustisches sensorium sicher oft völlig überfordert.

mein tipp wäre: wendet euch an den kinderarzt und fragt mal gezielt nach anzeichen für ads und geeigneten testverfahren. bei kigakindern sind da häufig die spz-einrichtungen zuständig, denn die haben psychologen, heilpädagogen und andere therapeuten unter einem dach vereint.

es spricht einiges dafür, dass er reize nicht filtern kann. er ist schnell reizüberflutet durch andere kinder, regiert dann hilflos abwehrend und kann nicht anders als zu versuchen, sich die anderen kinder von der pelle zu halten.

in nicht ganz so krasser form kenne ich das von meinem großen sohn (10). auch er war immer gestresst und wehrte andere kinder und wildes gewusel immer ab. richtig aggressiv war er allerdings nicht, er hatte sein eigenes verhlten immerhin so unter kontrolle, dass er nicht um sich schlug. aber er konnte sich auch nicht auf die anderen kinder einlassen und positive dinge für sich aus den kontakten mit ihnen ziehen. ihm waren sie einfach zu viel, zu laut, zu wild, zu chaotisch.

ich vermute, dein sohn braucht viele geschützte räume, klare regeln und rückzugsräume, öfter mal ne auszeit oder auch ausschließliche elternzeit nur für ihn. im kiga haben diese empfindlichen kinder keine rückzugsräume, bzw nur bei geführten aktvitäten wie stuhlkreis und ruhigen vorlesezeiten. beim freien spielen sind sie dem altergemäßen normalen chaos der anderen kinder schutzlos ausgeliefert und völlig reizüberflutet und gestresst.

es ist möglich, dass dein sohn - genau wie meiner - gleichzeitig über- und unterfordert ist. der kopf ist teilweise unterfordert, aber was ihn eigentlich belastet, ist die überforderung mit reizen, die für seine empfindliche wahrnehmung zu viel ist. und da muss man zuerst ansetzen, denn das macht die probleme.

abhärten kann man solche kinder in dem frühen alter nicht. schlimmer noch: je mehr situationen sie erleben, in denen der stress sie zwingt, sich aggressiv und hilflos zu fühlen, desto fester bildet sich in ihnen die überzeugung, nichts zu können, ein versager zu sein, nicht dazu zu gehören, in einer feindlichen welt zu leben, der sie schutzlos und hilflos ausgeliefert sind.

sorgt für rückzugsräume, führt ihn langsam an die ihn überfordernden reizsituationen heran, in denen er häufig abstürzt. zeig ihm, wie er sich einer situation entziehen kann, ohne um sich zu schlagen, verabredet ein notsignal, wenn er überfordert ist und auszurasten droht. könnt ihr die situation zu hause mit der kleinen schwester entschärfen? die kinder zeitweise auf beide eltern verteilen, sodass er da auch mal zur ruhe kommen kann?

nimm seine wahrnehmungsprobleme ernst. das lässt sich NICHT mit unterforderung allein erklären, finde ich. vielleicht gibt es bei euch vor ort ansprechpartner zum thema ads, ne elterngruppe oder einen versierten kinderarzt oder ein spz? ich denke, da würdet ihr gut aufgehoben sein, selbst wenn sich zeigen sollte, dass es das nicht ist. aber die wahrscheinlichkeit ist schon hoch, und es sollte auch eine gute differentialdiagnostik angestrebt werden, wenn ihr bedenken habt wegen autistischer tendenzen. die können möglicherweise auch eine vermeidungsstrategie bei ads sein. aber die abklärung gehört definitiv in versierte profihände.

die kinder lernen mit der zeit, besser klarzukommen mit anderen kindern. allerdings isses nach deinem bericht bei eruem sohn schon ziemlich krass ausgeprägt, die soziale überforderung ziemlich deutlich. das wird sich wohl nicht so einfach auswachsen. und je länger ihr wartet, desto geringer wird sein selbstwertgefühl.

ich spreche leider aus erfahrung, wie du vielleicht merkst. unser sohn hat die kurve gerade noch gekriegt, aber genaugenommen erst durch die diagnose ads, als wir wussten, wie das alles zusammenpasste.

den kopf füttern, falls es zusätzlich eine unterforderung auf kognitiver ebene gibt, könnt und solltet ihr natürlich auch tun. aber im vordergrund steht im moment die überforderung mit der soziaqlen situation im kiga und zu hause.

gruz
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scout


Zuletzt bearbeitet von scout am 23.03.2008, 20:55, insgesamt einmal bearbeitet
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daikiri



Geschlecht: Geschlecht:weiblich
Anmeldungsdatum: 21.03.2008
Beiträge: 29

BeitragVerfasst am: 23.03.2008, 20:55
BeitragTitel:
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Liebe Karin,
ich wollte für Julius eigentlich einen Regelplatz in der I-Gruppe, weil er grundsätzlich ja nicht großartig beeinträchtigt ist und selbst die Ergo hält einen Integrationsplatz für nicht notwendig, weil er sprachlich so fit ist und eine enorme Auffassungsgabe hat - da aber kein Regelplatz frei wird, habe ich mich für einen I-Platz beworben und hoffe nun sehr, dass wir den bekommen, es werden aber nur zwei frei und da es sicher Kinder mit größerem Bedarf gibt, hab ich nicht allzuviel Hoffnung. traurig
Mir geht es auch in erster Linie um die kleinere Gruppe und den daraus folgenden besseren Betreuungsschlüssel, denn ich denke schon, dass da der Knackpunkt liegt.
Ich denke sein Verhalten resultiert aus einer Überforderung bzgl. Geräuschpegel und Reizverarbeitung, auf die Sache mit der Unterforderung bin ich halt deshalb gekommen, weil es bei "Programm" so ganz anders ist mit ihm...
Zuhause spielt Eifersucht sicher ein Thema, wobei ich denke Mina nervt ihn einfach durch ihre Lautstärke und weil er nie in Ruhe etwas machen kann - Zeit nur zu zweit ist leider nur sehr selten möglich und ich fürchte daran wird sich so schnell nichts ändern.
Dem KiA hab ich damals als das in der Spielgruppe so eskaliert ist erzählt und der hat mir dann die Überweisung für die Ergo gegeben, die auch wirklich sehr gut ist und ihre Diagnose hat auch bestätigt, was ich immer schon vermutet hatte, dass nämlich etwas anderes hinter seinem Verhalten steckt als einfach ein Erziehungsfehler oder ein soziales Problem, nur hab ich immer noch das Gefühl, dass da noch was anderes im Busch ist.

LG

Doro
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daikiri



Geschlecht: Geschlecht:weiblich
Anmeldungsdatum: 21.03.2008
Beiträge: 29

BeitragVerfasst am: 23.03.2008, 21:10
BeitragTitel:
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Scout, was du schreibst klingt für mich sehr schlüssig!
ADHS war damals auch mein erster Gedanke, als die Ergo gleich nach der ersten Stunde gewisse Auffälligkeiten bestätigt hat...
Nur bin ich davon dann erstmal wieder abgekommen, weil es mir widersprüchlich erschien, dass er sich in der Einzelsituation und bei festem Programm so gut konzentrieren kann.
Aber es stimmt schon, er ist auch dann sehr schnell ablenkbar und sobald andere Kinder mit im Spiel sind spielt die Überforderung aufgrund seiner Übersensibilitäten eine Rolle.
Zuhause ist er natürlich sozusagen dauerabgelenkt durch Mina - seit ihrer Geburt muss es daheim eh die Hölle für ihn sein, sie war quasi ein Schreikind, hat viel und v.a. sehr intensiv geschrien und im ersten halben Jahr war ich von ihr 24 Std. dauerbelegt, weil sie sich kaum mal ablegen ließ...und auch jetzt noch ist sie sehr fordernd und laut und v.a. läss sie sich nicht fremdbetreuen, deshalb hab ich sie auch den ganzen Tag zuhause und kann mich nur schwer auf Julius konzentrieren traurig
Wenn du sagst, dass man solche kinder nicht abhärten kann, bestätigt das voll und ganz meine Einschätzung, deshalb möchte ich ihn auch aus dem jetzigen Kiga nehmen, die haben dort nämlich leider weder das Personal (chronisch unterbesetzt), noch den Willen, darauf entsprechend einzugehen - nur hat Julius zuhause ja auch keine Ruhe, das ist es, was mir die größten Sorgen bereitet.
Wenn ich es schaffe den Tag über so viel wie möglich mit den Kindern unterwegs zu sein, dann läuft es einigermaßen, nur ist das ja auch nicht das, was man unter Ruhe und Geordnetheit versteht.
Ich bin da wirklich in einem Dilemma.

LG

Doro
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scout




Anmeldungsdatum: 02.03.2005
Beiträge: 1774
Wohnort: ba-wü

BeitragVerfasst am: 23.03.2008, 21:28
BeitragTitel:
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hi doro,

es steht mir natürlich nicht zu, deinen sohn zum ads-ler zu stempeln. aber was du beschreibst ist so ähnlich dem, was wir mit unserem sohn erlebt haben, dass ich dir da nur mut machen kann, eine gescheite diagnostik anzustreben, um nicht unnötig zeit zu verlieren.

dass er in der einzelsituation ganz gut funktioniert, passt im übrigen genau ins ads-bild. da gibt es ja klare ansprechpartner, eine eindeutige beschäftigung und einen idealerweise aufmerksamen gesdprächspartner, der auf ihn eingeht und überforderung vermeidet.

im vordergrund von ads steht im übrigen nach meiner erfahrung mit unserem sohn nicht die aufmerksamkeitsschwäche, sondern die reizverarbeitungsstörung, die ständige überforderung mit (von uns nicht-adslern) als normal empfundenen reizsituationen. aufmerksam können sie gut sein, wenn es sie interessiert, auch wenn drumherum der bär tobt. aber wehe, wenn es sie nicht interessiert oder die anforderungen unklar sind. dann dringt das drumherum mit macht in die wahrnehmung ein und zieht alle kraft ab von der eigentlichen tätigkeit.

wenn du ein schreikind hast, dann kann ich mir vorstellen, wie sehr ihr alle - und besonders dein sohn - unter dem stress leidet. und bevor er seine wut und enttäuschung an der kleinen schwester abreagiert, müsst ihr da für möglichst viel entspannung sorgen, notfalls ihn aus der situation zeitweise heraus nehmen und ihn vor dem akustischen totalabsturz bewahren. die überforderung mit lärm und geräuschen war bei unserem filius auch ganz krass. laute und fetzige musik konnte ihn zu einem heulenden häufchen elend machen, lautes gelächter oder gepolter zu tode erschrecken. im kindertgarten war die gefahr von lauten geräuschen immer präsent, da war es für ihn am schlimmsten. zum glück hat zu ihm keiner gesagt: stell dich bloß nicht so an. aber es war schon schrecklich für ihn, ständig in dieser gefahr des absturzes zu sein.

gruz
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Wohnort: BW

BeitragVerfasst am: 23.03.2008, 22:22
BeitragTitel:
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Hallo Doro,
vielleicht habe ich das überlesen: wie alt ist die kleine Schwester? Es muss sich doch eine Möglichkeit finden lassen, auf "Exklusivzeit" mit Mama für den Großen! Ohne geht doch wirklich nicht- finde ich jedenfalls!

Habe hier einen inzwischen 9-jährigen zu bieten, der auch so furchtbar geräusch- und chaosempfindlich war und allergisch (mit weinen) reagierte, wenn ihm andere Kinder zu Nahe kamen. Allerdings führte das in der Öffentlichkeit zum Rückzug , Zuhause bewarf er gezielt Besucherkinder mit Bauklötzen(mit 2Jahren!),bis sie gehen wollten.
Der Kleine war auch ein Schreibaby- es war der Alptraum des Großen. Er weinte immer wie wild mit traurig . Ich erklärte ihm ,dass dem Baby was weh tut und es ihn damit nicht ärgern will. Darauf lief er mit 2 1/2 sich die Ohren zuhaltend durch das Wohnzimmer (wenn der Kleine zu furchtbar schrie) und sagte vor sich hin: "Das Baby ist lieb! Das Baby ist lieb!"

Er hat gelernt, sich zumindest meistens dann zu konzentrieren,wenn es darauf ankommt. Aber es hat lange gedauert- und es war eine gute und konsequente Lehrerin nun in der 3.Klasse nötig...dafür hatte er eine lange Odysee durch Kindergarten mit Erzieherinnen ohne jegliches Verständnis und 2 Jahre Grundschule hinter sich traurig Ach ja- und mangelnder Hirnanspruch ist und war immer "tödlich" !

Ja- ADS-Tests haben wir auch hinter uns: "grenzwertig". Wir sind vorgewarnt, wenn es später mit anderen Lehrern oder in einer anderen Klasse doch wieder schlechter werden sollte. Gut möglich,dass er gerade dank sehr guter KL viel kompensiert...

Du siehst, dein Großer ist kein Einzelfall ;) allein dieses Wissen tut ja schon irgendwie gut!


Grüßle Steffi
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daikiri



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Beiträge: 29

BeitragVerfasst am: 23.03.2008, 23:07
BeitragTitel:
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Die kleine Schwester ist 15 Monate alt und wie gesagt lässt sie sich bisher absolut nicht fremdbetreuen...natürlich kann ich am WE mit ihm etwas unternehmen, wenn der Papa sich um die Kleine kümmert, wir gehen jetzt auch 1x die Woche zum gemeinsamen Geigenspielen (sein Spezialinteresse, er ist aber auch genetisch vorbelastet ;) ), aber das Problem ist nicht allein die fordernde kleine Schwester, sondern mein Beruf - ich bin freie Übersetzerin und muss eigentlich jede freie Minute nutzen, um meine Arbeit zu schaffen, das sieht unter der Woche dann so aus, dass ich mich an die Arbeit setze, sobald mein Mann zur Tür reinkommt und übernimmt, ich hab so ja nicht mal mehr freie Zeit für mich selber, das macht es wirklich schwierig Julius Exklusivzeit zu verschaffen, denn wenn Mina z.B. mittags mal eine halbe Std. schläft, brauche ich selbst auch mal ein paar Minuten Auszeit (und die nur mit schlechtem Gewissen)... traurig
Am liebsten würde ich meinen Job an den Nagel hängen, um den Kindern da besser gerecht werden zu können, aber finanziell ist das leider nicht machbar.

LG

Doro
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BeitragVerfasst am: 24.03.2008, 09:54
BeitragTitel:
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Hallo Doro,
ich würde die Hoffnung auf den I-Platz noch nicht ganz aufgeben. Die Kindergärten sind gar nicht besonders darauf erpicht, als I-Kinder nur lauter "schwere Fälle" zu haben - das würde ja sehr viel Arbeit bedeuten. In unseren I-Gruppen war meistens nur ein deutlich behindertes oder beeinträchtigtes Kind, die anderen 4 I-Kinder waren vielleicht etwas entwicklungsverzögert oder hatten Schwierigkeiten im sozialen Bereich, fielen aber sonst nicht weiter auf.

Wie wäre es denn, wenn Du zu Deiner Entlastung für Deinen Sohn bis zum Herbst wenigstens stundenweise eine Tagesmutter o.ä. suchst, sie manchmal etwas mit ihm unternimmt?

LG
Karin
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Nepomuk-2



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Beiträge: 29
Wohnort: Niederrhein NRW

BeitragVerfasst am: 24.03.2008, 14:57
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Hallo Doro,

eine Ferndiagnose ist da sicher nicht möglich und auch nicht richtig. Aber das Verhalten deines Kindes erinnert mich sehr an meinen Aspie.

Du sollst dir ganz schnell einen Arzt oder ein SPZ suchen, die sich sowohl mit Asperger Autismus, ADS und HB auskennen. Denn die unterscheidung ist sehr schwierig.

Ich bin in einem anderm forum aktiv in dem es genau um diese Überschneidungen geht.

Mit welcher Begründung hast du den I-Platz beantragt?

Und denk mal darüber nach ob du dir Hilfe vom Jugendamt holen willst. In form einer Familienhilfe, die dir die Freiräume schafft, das du auch mal was mit deinem Sohn alleine machen kannst und auch mal Zeit für dich hast.

LG

nepomuk
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daikiri



Geschlecht: Geschlecht:weiblich
Anmeldungsdatum: 21.03.2008
Beiträge: 29

BeitragVerfasst am: 24.03.2008, 21:30
BeitragTitel:
Antworten mit Zitat

Nepomuk, das Forum würde mich interessieren, kannst du mir den Link geben?
Den I-Platz hab ich mit der motorischen Entwicklungsverzögerung beantragt, bzw. lief das so ein bisschen von selbst, ich hatte bei der Anmeldung (damals noch für einen Regelplatz) ein bisschen von den Problemen erzählt und die hatten mich dann für die I-Gruppe vorgemerkt, als ich dann nochmal angerufen und von der vorläufigen Diagnose der Ergo berichtet habe, haben sie mich zu dem Schnuppertag für den I-Platz eingeladen.
Wegen weiterer Diagnostik, SPZ etc. bin ich mir halt noch sehr unsicher, ich hab Angst dass ich es übertreibe und Julius in eine Diagnostik-Schiene reinbringe, die ihm mehr schadet als nutzt, ich bin ja auch immer hin- und hergerissen ob an dem was ich so feststelle wirklich soviel dran ist (vielleicht lese ich einfach zuviel?) oder ob er einfach nur ein ganz normaler Junge mit ein paar kleinen Problemen ist, so sieht es mein Mann eher...
Es hat schon ewig gedauert bis ich mich zu dem Besuch bei der Ergo durchgerungen hatte, dass das gerechtfertigt war hat sich ja allerdings bestätigt.
Wie sah denn der Weg bis zur Diagnose bei euch aus?
Würde mich sehr freuen, wenn du mir dazu ein paar Details schildern könntest (gerne auch in dem anderen Forum, wenn dir das lieber ist)!

LG

Doro
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Brigitte
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Anmeldungsdatum: 01.07.2005
Beiträge: 974
Wohnort: Franken

BeitragVerfasst am: 25.03.2008, 13:55
BeitragTitel:
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Hallo Doro,

ich möchte mich da nepomuks posting anschließen: Es wäre vielleicht wirklich eine große Hilfe für euch und euren Sohn, wenn ihr da eine fundierte Diagnostik in einem SPZ o.ä. (ich weiss nicht, aus welchem Bundesland ihr seid) anstoßen würdet. Auch wir haben einen Sohn, bei dem nach langer und teils wirklich schlimmer "Odyssee" die Diagnose Hb/Asperger und ADHS gestellt wurde und wir nun dadurch gezielt an seinen Problemen arbeiten - aber auch mit seinen Schwierigkeiten umgehen können.
Ferndiagnosen kann man sicher nicht stellen - und gerade Asperger ist sehr vielschichtig .. es müssen nicht alle Merkmale der Diagnostik zutreffen und/oder nicht alle Symptome in gleicher Ausprägung. Da ist ein SPZ oder ein Psychologe wichtig, das/der in dem Bereich wirklich kompetent ist, weil gerade diese Diagnose nicht einfach zu stellen ist und auch durchaus übersehen werden kann.
Ich würde in eurer Situation eher die Gefahr sehen, dass ihr ohne die"diagnostische" Schiene auch wertvolle Zeit "verlieren" könntet, in der therapeutisch gearbeitet werden kann und auf seine speziellen Probleme im Bereich der sozialen Kompetenz eingegangen werden kann.
Sicher ist es auch uns nicht wirklich leicht gefallen - Psychologische Tagesklinik ... hat schon einen "Beigeschmack", den man nicht unbedingt ersehnt .. aber wir haben gesehen wie unser Sohn unter der damaligen Situation litt und dann auch wie ihm die Diagnostik und Therapie weiter geholfen hat - und das war/ist es wert.
Wie gesagt - es ist durchaus möglich, dass Asperger bei euch nicht diagnostiziert wird - aber egal ob ja oder nein, wisst ihr dann zumindest woran ihr seid (oder nicht). Es gibt ja im Wahrnehmungs-/Emotionalen Bereich auch andere Diagnosen - wichtig finde ich persönlich nur, dass man (als Eltern) weiss, warum das Kind so anders agiert und reagiert als "normale" Kinder.

Für eine Entlastung: Wäre es vielleicht möglich, eine ältere Schülerin oder Studentin zu finden, die stundenweise etwas mit eurer Tochter unternimmt? Bei uns im Einkaufszentrum z.B. hängen immer wieder mal Zettel, dass Mädchen (so 15-18 Jahre) gerne mit Babysitten/Betreuen ihr Taschengeld aufbessern. Wenn ihr da jemand nettes finden würdet, jemand, der auch verantwortlich ist (manche Mädchen machen z.B. extra Erste Hilfe Kurse oder so), oft sind das auch Mädchen, die Erzieherin oder ein Studium im Sozialen Bereich als Berufsziel haben ... und die z.B. 2 oder 3x die Woche 2 Stunden mit der Kleinen auf den Spielplatz oder Spazieren geht .. ??

Ich wünsche euch auf jeden Fall, dass ihr einen Weg findet, damit sich eure doch recht stressige Situation etwas entspannen kann.

LG - Brigitte
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Brigitte
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