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tinkerbelle

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 31.01.2008 Beiträge: 159 Wohnort: NDS
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Verfasst am: 16.04.2008, 17:42
Titel: Wird es einfacher? |
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Als ich bei Sohn1 anfing mit dem Thema HB auseinander zu setzen, begegnete mir in der Fachliteratur immer wieder Sohn2. Aber auch hier dauerte es lange bis ich geschaltet habe und zu der Erkenntnis gelangt bin, dass Sohn2 wohl auch HB ist.
Es ist nicht so, dass er ein Frühstarter ist und mit seinen knapp 5 Jahren schon lesen und schreiben kann. Er wirkt im Ggsatz zu seinem älteren Bruder in dem Alter eher unkonzentriert bzw. als höre er nicht richtig zu, wenn man ihm was erklärt. Aber trotzdem bleibt alles hängen (auch wenn man es in dem Moment nicht glaubt), denn er kann es später wieder hervorkramen.
Wenn er was macht und es läuft unterwegs was schief, dreht er quasi das Rad zurück und fängt wieder von vorne an (z. B. mittags nach dem Kiga; ich erinnere zu Hause angekommen ihn seine Tasche aus dem Auto mitzunehmen. Da er sie aber gerade in dem Moment sich gegriffen hat, rastet er aus, steigt wieder ins Auto in seinen Sitz und steigt wieder neu aus). Er hat sehr früh mit diesem Verhaltensmuster angefangen - zwischenzeitlich haben wir schon den Verdacht gehabt, dass er autistisch veranlagt sei. Er hat früh angefangen mit Wutanfällen und dann auch immer heftig - teilweise stundenlanges Schreien und nix half. Mittlerweile sind die Wutanfälle nicht mehr so heftig. Er beruhigt sich schon schneller. Es gibt mal bessere und mal schlechtere Phasen, aber nach wie vor jeder Mittag ist ein Drahtseilakt mit ihm. Im KiGa ist er bestens gelaunt und vollkommen angepasst (wobei das "angepasst" jetzt nicht negativ ist... er fühlt sich sehr wohl dort, geht gerne hin, spielt mit den Kindern und ist sehr beliebt) - aber mittags fällt alles von ihm ab. Da hat man das Gefühl sich die Zähne an ihm auszubeißen. Das passt zu HB... vormittags ist er hochkonzentriert und zu Hause geht dann nix mehr.
Wenn er was macht, macht er es richtig oder gar nicht. Und wenn er was macht, dann weil er es will, am besten war es seine eigene Idee.
Er hat "erst" mit zwei Jahren angefangen zu sprechen - aber als er anfing, dann richtig. Er war über 3 als er trocken wurde - dann aber gleich richtig und auch sofort nachts - es ist (nachts) nie ein "Unfall" passiert.
Auf ihn passt das Sprichwort "Ein Mann, ein Wort". Er steht zu dem was er sagt. Für ihn sind Grenzen und Strukturen sehr wichtig. Er kommt auch mit Veränderungen klar, aber man sollte ihn wenn möglich vorbereiten. Er hat einen sehr starken Gleichberechtigungssinn - kenn ich schon von meinem Großen - aber bei Sohn2 ist es nochmal 5x so ausgeprägt. Er beschäftigt sich viel mit dem Thema Leben und Tod und hat so viele Fragen, auf die wir selber die Antworten nicht wissen. Es wird zunehmend schwierig mit ihm zu argumentieren, weil er jedes einzelne Wort was man ausspricht prüft.
Auf der einen Seite ist er total lieb und charmant, ihm fliegen alle Herzen zu mit seiner offenen Art, er kann alle um seinen Finger wickeln, er kuschelt gerne usw... und dann kann er von jetzt auf gleich steil gehen und nix geht mehr. Da kommt man auch nicht mehr zu ihm durch... nix hilft: weder auf ihn zugehen, von ihm weggehen, ignorieren, in den Arm nehmen - nix! Da ist man manchmal nur fertig, wenn wieder eine heftige Phase ist, da man keine Geduld mehr hat.
Tja, nun bin ich mir also recht sicher, dass er auch HB ist, wenn er auch ein ganz anderer Typ ist als Sohn1. Trotz seiner vermeintlichen Unkonzentriertheit und Leichtigkeit, schnappt er dennoch alles auf, hat ein phänomenales Gedächtnis und fängt nun an mit Zahlen bis 10 zu rechnen und sich für Buchstaben zu interessieren.
Jedenfalls war die HB-Erkenntnis bei Sohn1 (nach Verdauung des ersten Schocks und dem Auseinandersetzen mit dem Thema HB) für mich eine große Erleichterung, da sich vieles erklärt hat für mich. Jetzt bei Sohn2 ist diese Erkenntnis (im Moment jedenfalls) eine Belastung für mich.
Bisher habe ich immer gedacht, dass es mit der Zeit, wenn er älter wird, einfacher wird, die "Trotzphase", die zwar lang angehalten hat, irgendwann sich ausschleicht... Aber jetzt denke ich nur: oh Gott, das hört nie auf!
Meine Frage also an Euch, die auch Kinder haben mit viel Aggressionen bzw. schwierigen Charakterzügen: wird es irgendwann besser? Werden die Kinder ruhiger bzw. lernen sie mit dem "zu viel" besser umzugehen? _________________ lg,
tinkerbelle
Sohn1 (11/00, 1. Klasse)
Sohn2 (06/03, KiGa)
Sohn3 (05/06, bei Mama) |
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BigBird

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 05.10.2007 Beiträge: 701 Wohnort: Main-Kinzig-Kreis
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Verfasst am: 16.04.2008, 18:09
Titel: |
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Also bei mir selbst wurde es irgendwann besser - als ich schon erwachsen war
Aber mal ehrlich: Nicht nur hb Kinder sind manchmal schwierig.
Was das abholen mittags angeht: er ist dann müde, ausgelaugt, am Ende - und bei dir muß er sich nicht zusamenreißen, er weiß daß Du ihn trotzdem liebst. Sieh es als Liebeserklärung an. Und vielleicht kannst Du auch seine Kompensationsversuche als solche sehen, und ihm zugestehen. So findet er wenigstens eine Lösung. Ist ja auch blöd, wenn man was gesagt bekommt, was man grade selbst machen wollte. Meistens entschuldige ich mich in solchen Fällen bei meinen Kindern dafür, daß ich das nicht gemerkt habe. Manchmal kann es übrigens auch helfen, dem Kind beim Abholen was zu Esen und/oder zu trinken mitzubringen.
Viele Grüße,
Christine _________________ BigBird
D. 06/01, R. 12/02, T. 10/04
Mein Kreativblog |
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tinkerbelle

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 31.01.2008 Beiträge: 159 Wohnort: NDS
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Verfasst am: 16.04.2008, 19:01
Titel: |
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| BigBird hat folgendes geschrieben: |
Also bei mir selbst wurde es irgendwann besser - als ich schon erwachsen war
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Na, Du machst mir ja Mut
| BigBird hat folgendes geschrieben: |
Aber mal ehrlich: Nicht nur hb Kinder sind manchmal schwierig.
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Klar weiß ich das. Aber für mich wird einfach gerade immer deutlicher, dass das jetzt nicht einfach was "kindliches" ist, sondern tief in ihm drin. Ich weiß nun, er kann nicht anders. Aber irgendwie macht das für mich im Moment das Begreifen schwieriger.
Dieser ewige Drahtseilakt - kein Bock dadrauf! _________________ lg,
tinkerbelle
Sohn1 (11/00, 1. Klasse)
Sohn2 (06/03, KiGa)
Sohn3 (05/06, bei Mama)
Zuletzt bearbeitet von tinkerbelle am 18.04.2008, 14:08, insgesamt einmal bearbeitet |
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rodi
Anmeldungsdatum: 12.01.2007 Beiträge: 138
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Verfasst am: 16.04.2008, 19:42
Titel: Re: Wird es einfacher? |
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[quote="tinkerbelle"]wird es irgendwann besser? Werden die Kinder ruhiger bzw. lernen sie mit dem "zu viel" besser umzugehen?[/quote]
Vielleicht wirst Du einfach ruhiger und lernst mit dem "zu viel" besser umzugehen
Das könntest Du auch viel viel besser und direkter beeinflussen.
LG,rodi |
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tinkerbelle

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 31.01.2008 Beiträge: 159 Wohnort: NDS
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Verfasst am: 16.04.2008, 22:45
Titel: Re: Wird es einfacher? |
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| rodi hat folgendes geschrieben: |
Das könntest Du auch viel viel besser und direkter beeinflussen.
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Aber wie? Wir haben schon so viel versucht: vorher ankündigen, erklären wieso was wie läuft, nicht über seinen Kopf hinwegentscheiden. Mal läuft Kompromisse ganz gut. Mittags mir Zeit und Ruhe für ihn zu nehmen um Konfliktsituationen gar nicht erst aufkeimen zu lassen. Mal hab ich viel Geduld. Aber manchmal eben nicht. Genauso wie er hab ich dann Wut im Bauch.
Wir leben miteinander. Ich versuche ihn zu verstehen und gehe auf ihn ein. Nur weil er anders denkt und mehr Wahrnehmungen zu verarbeiten hat, gibt es ihm nicht alle Narrenfreiheit oder dass ich alles durchgehen lassen kann. Es gibt seine Seite - aber es gibt auch meine Seite, es gibt die Seite uns als Familie. Und so möchte ich auch, dass er versucht auf uns einzugehen. Ich kann und will sein Verhalten auch nicht alles auf HB schieben... denn Sohn1 ist überhaupt nicht so. Sohn2 ist halt ein ganz anderer Typ.
Und genauso wie ihm mal alles zu viel ist, ist es mir manchmal (vorallem im Moment) auch! _________________ lg,
tinkerbelle
Sohn1 (11/00, 1. Klasse)
Sohn2 (06/03, KiGa)
Sohn3 (05/06, bei Mama) |
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jutta Sponsor
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 15.05.2005 Beiträge: 4602 Wohnort: NRW
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Verfasst am: 17.04.2008, 19:46
Titel: |
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Hallo tinkerbell,
sehr, sehr vieles davon trifft/traf auf meinen Kleinsohn zu. Diese liebenswerte Art, argumentieren bis zum gehtnichtmehr, Verhaltenswiederholungen, klare Regeln einfordern, Wutausbrüche beim Abholen im Kiga usw.
Ich könnte fast alles übernehmen, was du geschrieben hast. Und daher kann ich deine Gefühle verstehen, sie dürften ähnlich wie meine sein. Oder wie meine gewesen sind. Denn es ist besser geworden.
Nachdem er seinen 5-Jahre-Entwicklungssprung hinter sich hatte (und der war nicht ohne, mit mehr Ausbrüchen, Trotz, Widerwillen u.m.), ging es plötzlich bergauf. Er wurde offener, konnte mit Abweichungen im Alltag immer besser umgehen (heißt, ich konnte Änderungen auch mit weniger Zeitvorlauf bekannt geben, ohne Schreiattacken auszulösen), wurde einfach zugänglicher.
Von daher kann ich dir ein wenig Trost spenden, denn dein Sohn ist ja auch bald da durch.
Kleinsohn ist immer noch er selbst, er mag immer noch gleiche Abläufe, aber das kennen wir ja, nicht wahr? Da kann man sich einstellen. Auch der Verdacht des leichten Autismus war bei uns, weil manche Dinge in bestimmten Reihenfolgen zu geschehen hatten, sonst war er total quer und musste von vorne anfangen. Wie ein dressierter Delfin, der den Anfang nicht hinkriegt und immer von vorne beginnt.... Aber auch das ist weniger bis kaum noch vorhanden.
Ich denke, ihr macht es gut und trotz der Zeiten, in denen man sich selbst nicht so im Griff hat, wird er merken, dass ihr euch viel Gedanken um sein Wohl macht. Das zählt. Ich habe eine sehr innige Beziehung zu meinem Sohn, trotz der Zurückschreierei meinerseits damals. Wir Mütter sind ja auch lernfähig.
Ich kann dir also Mut machen, es wird besser. Und ich drück euch die Daumen, dass er eine gute Schule besuchen kann, in der er sich selber weiterentwickeln kann und darf. Das macht nämlich auch viel aus, was das häusliche Zusammenleben angeht.
Alles Gute
Jutta _________________ Lehre tut viel, aber Aufmunterung tut alles (Goethe)
Jutta
Einstein (3/93) und Napoleon (3/99) |
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