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Michael123
Anmeldungsdatum: 19.02.2007 Beiträge: 39
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Verfasst am: 04.09.2008, 11:32
Titel: Frust mit Klasse 5 Gesamtschule |
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Hallo,
seit langer Zeit war bei uns alles still. Unser Leon (9) hatte eine Klasse übersprungen und den Sprung auch ohne Probleme hinbekommen. Seine Rechtschreibung hinkte aber spürbar hinterher.
Weil sie von einer "individuellen" Förderung sprachen, haben wir ihn an der Gesamtschule angemeldet. Dort meinte man, dass sie hochbegabte Kinder besonders betreuen würden.
Aber jetzt nach ein paar Wochen erste Anrufe und Gespräche mit Lehrern.
"Leon stört den Unterricht und wurde an einen Einzeltisch gesetzt."
"In der Pause hat Leon ein Kind geboxt (welches vorher ihn geboxt hatte)."
"Leon zieht sich von der Klasse zurück und nimmt am Sozialleben nicht teil."
Der Lehrer sagte uns, dass die Förderung hochbegabter kinder jetzt doch nicht stattfinden wird (Stunden gestrichen!) und außerdem seien Leons Noten ja nicht so doll (Leon hat 4 GS Jahre in 2 1/2 Jahren gemacht). Er erwarte bessere Noten. Seiner Meinung nach ist das Wort Hochbegabung ohne Aussage, wenn die Noten nicht stimmen.
Da Leon der Kleinste in der Klasse ist und mittlerweile frustriert ist über die nicht funktionierenden Sozialkontakte, außerdem wie erschlagen ist von der Größe der Schule und der Dauer des Schultages, hat er wieder Bauchschmerzen und Kopfschmerzen usw.
Wir sind momentan emotional am Boden zerstört und haben keine Hoffnung, dass dieser Lehrer uns irgendwie weiterhelfen wird.
Gab es bei Euren "Anpassungsphasen" beim Übergang? Wie geht Ihr um mit dem Klischee, dass hochbegabte Kinder super Noten haben müssen?
Ich habe im Moment Angst, dass unser Leon (und wir) am Schulsystem zerbricht und jegliches Potential eigentlich nur ein Hindernis darstellt. Das Kollegium an der Schule besteht aus 50 Lehrern und keiner hat Ahnung von der Thematik??
Von gefrusteten Eltern
Michael |
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lycer

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 20.06.2006 Beiträge: 167 Wohnort: NRW
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Verfasst am: 04.09.2008, 12:04
Titel: |
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Hallo Michael,
habe mich gerade mal durch deine Postings gelesen, ihr habt ja einen ganz schönen Kampf hinter euch.
Wir haben auch immer Höhen und Tiefen mit J. er war auch nur 2,5 Jahre auf der GS, seine Leistungen sind nachdem er die 5. Klasse in Mathe trotz 1 im Zeugnis aus Gründen die die Schule betrifft wiederholen musste stark abgefallen.
Heute ist es ein Auf und Ab, am Anfang der 7. Klasse stand er in Latein auf 5, am Ende des Schuljahres auf 2, so ist es in vielen Fächern, es ist absolut unabschätzbar, was er macht oder leistet.
Zu seiner Größe, J. ist von Natur aus klein, dazu ist er 1,5 bis 2 Jahre jünger als die Klassenkameraden, er steht immer alleine da, hat wenig Freunde, wird auch ab und an geärgert, reagiert dann aggressiv und wird aus schulischen Aktivitäten ausgeschlossen, die Schule erwartet bei einem hb Kind tatsächlich Leistung, kein Lehrer geht auf J. ein, wir müssen alles von Zuhause aus puschen, ihm Mut machen und versuchen ihn dazu zu bringen, dass er Leistung bringt, die er absolut in der Lage ist zu bringen.
Oft steht man alleine da, sie wollen funktioniernde Kinder egal ob hb oder nicht, das interessiert keinen, es gibt sicher auch Lehrer die diesen Kindern helfen und sie verstehen, aber das ist eher selten und wenn, dann hat man oft nur kurz das Glück, diesen Lehrer zu erwischen.
Ich kann aus meiner Erfahrung sagen, wir versuchen unseren Kindern von Zuhause aus zu helfen, ihnen beizustehen und zu erklären und verstehen, wenn sie über Ungerechtigkeiten schimpfen. _________________ LG Nicole
lycer
F. 01.95 8. Klasse
J. 04.96 8. Klasse
M. 12.02 3.Klasse
M. 05.05 Kiga |
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UBI

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 19.03.2007 Beiträge: 270
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Verfasst am: 04.09.2008, 12:45
Titel: |
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| Zitat: |
| Da Leon der Kleinste in der Klasse ist und mittlerweile frustriert ist über die nicht funktionierenden Sozialkontakte, außerdem wie erschlagen ist von der Größe der Schule und der Dauer des Schultages, hat er wieder Bauchschmerzen und Kopfschmerzen usw. |
Ich hätte euch ja wirklich gewünscht, dass euch das erspart bleibt. Auf jeden Fall braucht euer Sohn euren Rückhalt und da ist es auf keinen Fall hilfreich, wenn ihr als Eltern am Schulsystem zerbrecht. Das Schuljahr ist erst wenige Wochen alt. Versucht zunächst einmal, euren Sohn sozial auf die Schiene zu bekommen. Wen kann er mal einladen? Will überhaupt ein Kind etwas mit ihm zu tun haben? Kennt ihr andere Eltern? Die Begabungsförderung halte ich zunächst einmal für zweitrangig unter diesen Voraussetzungen. Viele Lehrer erwarten hohe Leistungen von HBs und sicher die auf weiterführenden Schulen noch mehr als die an Grundschulen. Deshalb ist es ja für Underachiever so schwer, Fuß zu fassen.
Treibt euren Sohn nicht in einen frühen Schulwechsel. Davon hat er in letzter Zeit bereits sehr viele gehabt. Andererseits, müsst ihr abwägen, wann die Schule ihm wirklich schadet. Wenn ihr selber schon so durch den Wind seid, dann braucht ihr da professionelle Hilfe. Und notfalls wiederholt er das 5. Schuljahr dann an einer anderen Schule und fängt in einer altersmäßig besser passenden Gruppe noch mal neu an.
Ich wünsche euch Kraft für gute Entscheidungen. Und schaut genau, was eure und was die Interessen eures Kindes sind.
Gruß
Ubi _________________ Ubi mit C. (Sommer 99)
Jeder nach seinen Möglichkeiten! |
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Michael123
Anmeldungsdatum: 19.02.2007 Beiträge: 39
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Verfasst am: 04.09.2008, 13:53
Titel: |
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Vielen Dank für Eure Antworten.
Es tut gut, wenn jemand mit einem klaren Blick ein wenig den Wind aus den Segeln nimmt. Wir haben ihn halt heute (nach dem Gespräch mit KL) auf dem Schulhof erlebt und wir waren tot traurig. Er hing nicht bei den Kinder aus seiner Klasse sondern versuchte plumpe Kontaktaufnahme zu den Kindern aus der 8 und 9. Die wollen mit dem Knirps natürlich nix zu tun haben (obwohl ihn zwei von denen ganz nett finden). Für ihn ist Freundschaft zwar ein hohes Gut, aber von sich aus Kontakte zu Gleichaltrigen pflegen will er nicht. Ihn da so herum irren zu sehen auf dem Schulhof hat uns halt einen Stich versetzt. Wir haben ihn nachher darauf angesprochen, und er scheint damit ganz gut leben zu können. Von irgendeinem Leidensdruck hat er nicht gesprochen.
Als Anzeichen für Probleme sehen wir halt auch, dass er mind. einmal am Tag den KL anspricht wegen Kopf- oder Bauchschmerzen. Hinzu kommt, dass er ein super empfindliches Gehör hat. Wenn er Musikunterricht hat oder andere Veranstaltungen bei denen es lauter wird, dann leidet er richtig. Das hat er aber zu Hause auch. Wenn ich die Musik lauter mache (ja, ich höre laute Musik....) dann bekommt er sofort ein Problem. Der Ohrenarzt sagt, da kann man nix machen außer Desensibilisierung.
Seine Noten sind uns im Moment vollkommen egal, wir wollen ihn nur glücklich erleben.
Da sitzt er nun, hochbegabt, hat viele tolle Ideen, aber die Kinder seiner Klasse nehmen ihn nicht ernst und das frustet ihn zusätzlich.
Tut mir leid Euch so "zuzumüllen", aber direkt nach solchen Gesprächen tue ich mich immer schwer entspannt zu sein. in einer Woche ist das anders.
Danke für das Zuhören.  |
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Tar-Miriel Sponsor 2010/2011

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 02.03.2005 Beiträge: 5260 Wohnort: Südhessen
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Verfasst am: 04.09.2008, 15:07
Titel: |
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Hallo Michael,
ich weiß wie schwer es ist, solche Gespräche führen zu müssen, haben wir im letzten Schuljahr auch mehrfach gehabt.
Die 5. Klasse ist für jedes Kind eine gewaltige Umstellung. Unser Großer wechselte letztes Jahr auch auf die weiterführende Schule (Gymn.), kannte kein Kind in der Klasse und auch allein im Bus. Für einen Jungen, der nicht so leicht Freundschaften schließt, ist das schon eine Herausforderung. Auch haben wir es so erlebt, dass die Jungs erst mal ihre Rangordnung festgelegt haben, die ersten Monate ging es recht rauh zu und mein Sensibelchen klinkte sich da aus und kickte in der Pause mit den Jungs der Parallelklasse. Es ging unter den Jungs schon herzhaft zur Sache und letztendlich haben der Klassenlehrer und wir Eltern es in den Griff bekommen. Es sind nur 10 Jungs in der Klasse, aber die haben sich im wahrsten Sinne des Wortes zusammengerauft. Sie haben es sogar geschafft gegen die uneinigen Mädels ihren Kandidaten als stellvertretenden Klassensprecher durchzubringen.
Ich denke nicht jedes Kind ist gleich mittendrin, mein Großer gehört auch nicht dazu, da muss man den Kids einfach Zeit geben und die Gelegenheit sich auch mal außerhalb der Schule kennenzulernen.
Das war eine Baustelle, die uns die erste Hälfte der 5. Klasse begleitete, eine zweite, nämlich heftiges Wegträumen im Unterricht mündete in einer ADS-Diagnostik mit Bestätigung dieses Verdachts. 6-7 Stunden Frontalunterricht bei 30 Kids in der Klasse, enges Klassenzimmer und eine gewisse Unruhe in der Klasse haben immer wieder zum Rückzug in die eigene Welt geführt. Gerade bei einem lärmempfindlichen Kind kann es da echt kritisch werden. Langeweile gab es bestimmt auch (z. B. in Mathe), aber der Rückzug häufte sich irgendwann auch in Lieblingsfächern (Erdkunde, Naturwissenschaften) mit entsprechenden Noten, die dann wiederum frustrierten.
So langsam habe ich jetzt in der 6. Klasse den Eindruck, dass er angekommen ist. Die Klassengemeinschaft, die in der 5. Klasse teilweise explosiv war, hat sich gefunden, ein größerer, heller Klassenraum und ein Platz vorne helfen ihm wirklich.
Lass Deinem Sohn etwas Zeit, lass der Klasse Zeit, sich zusammenzuraufen und schau genau hin, ob das Problem in Unterforderung wegen Langeweile oder Überforderung wegen Geräuschkulisse, Unruhe etc. liegt. Wenn es eine Kombination wie bei uns ist, ist es echt schwierig. Schau auch genau, in welchen Fächern die Probleme auftreten, das gibt vielleicht auch Hinweise.
Wir haben mit unserem Großen das Glück, dass er höchstens dadurch stört, dass es ihm manchmal schwerfällt still zu sitzen. Es waren aber auch einfach Lehrergespräche nötig, um den Lehrern zu erklären, wie er tickt, weil da ganz schnell Missverständnisse aufkommen. Auch musste er, der eine chaotische GS-Klasse hinter sich hatte, sich erst mal an die neuen Strukturen und Regeln gewöhnen. Das fiel anfangs nicht immer leicht. Eine kurze Schilderung der GS-Situation wirkte da oft Wunder und erklärte die ein oder andere Verhaltensweise. Es ist aber ein mühsames Geschäft, keine Frage. Es gibt einfach Kinder, die brauchen länger um wirklich anzukommen.
Ich drücke ganz fest die Daumen, dass Euer Sohn seinen Platz in der Klasse findet und bald von den anderen auch akzeptiert wird.
Liebe Grüße
Tar-Miriel _________________ "Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht." - Aus Sambia
Tar-Miriel |
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Michael123
Anmeldungsdatum: 19.02.2007 Beiträge: 39
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Verfasst am: 26.09.2008, 10:05
Titel: Gespräch mit Pädagogin |
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Es gibt ein Institut für Begabtenförderung in unserer Nähe. Die Dame hat Leon getestet und heute ein Gespräch mit dem Klassenlehrer gehabt. Der KL sieht Leon nur negativ. Er sei übersensibel (im negativen Sinne), unorganisiert, emotional fehl an der Weiterführenden Schule, das Springen sei ein Fehler gewesen, Leon zeigt keine Leistung usw. Er bedauert Leon und denkt, dass wir als Eltern uns auf Kosten unseres Kindes profilieren wollten. Hochbegabung interessiert ihn nicht und er meint, dass sich eine "Minderbegabung ja auch ähnlich äußere". Er achtet auf jeden Pups, den Leon lässt und ich bereue, dass wir beim Gespräch zum Schulwechsel das Wort Hochbegabung überhaupt erwähnt habe. Der KL sucht un nach Hinweisen, dass Leon nicht hochbegabt ist, aus welchen Gründen auch immer. Trotz allem betont er, dass er Leon gut leiden kann.
Mir hat das Gespräch einfach nur einen Stich versetzt. Es ist doch Klasse 5, wieso machen die dort einen solchen Stress? Wieso können die ihn nicht erst mal ankommen lassen. Sollen wir drauf hoffen, dass er sitzen bleibt und ein neuer KL ein anderes Bild mitbringt? Der Gedanke, dass Leon jetzt bis Klasse 10 mit einem Stigma herum rennt, ist nicht wirklich prickelnd. Wir könnten jetzt ein Coaching in Anspruch nehmen, in welchem Leon das Lernen lernt und Struktur für seinen Schulalltag bekommt. Aber bei 87,-€ die Stunde? Übernehmen Jugendämter solche Kosten oder verweisen diese auf die Schulpsychologischen Beratungsstellen (dort arbeitet ein Psychologe, der von HB auch keine Ahnung hat)?
Frust, Kummer und Elend...wir habe sogar drüber nachgedacht, ob nicht Medikamente Leons Alltag positiv beeinflussen könnten. Vielleicht liegt ja ADS vor und Ritalin könnte eine Alternative sein. Wichtig für uns, dass es Leon gut geht.
Ich danke Euch für´s Zuhören.
Vom Niederrhein
Michael |
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lycer

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 20.06.2006 Beiträge: 167 Wohnort: NRW
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Verfasst am: 26.09.2008, 11:16
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puh, nein jetzt fangt bloß nicht an eueren sohn in medikamenten zu ersticken, es muss ja ein problem vorhanden sein, das müsst ihr finden. seid ihr in psychologischer behandlung, wir haben solche phasen immer mit guten psychologen zusammen überstanden.
sind gerade jetzt wieder mitten in so einer.
mein sohn ist auch der genaile chaot, vergisst auf dem weg in sein zimmer was er da sollte oder wollte, ist in der gs mit puschen zur schule gegangen, oder hat seinen schulranzen zuhause gelassen.
oder vor einer woche seine englischarbeit in den schulranzen gesteckt, anstatt abzugeben.
sucht euch hilfe, aber denkt nicht daran, ihn mit ritalin zu behandeln, das sollte sicher ganz genau durchdacht sein. _________________ LG Nicole
lycer
F. 01.95 8. Klasse
J. 04.96 8. Klasse
M. 12.02 3.Klasse
M. 05.05 Kiga |
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Michael123
Anmeldungsdatum: 19.02.2007 Beiträge: 39
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Verfasst am: 26.09.2008, 11:32
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Hallo Lycer,
danke für Deine Antwort. Ich habe bisher immer laut geschrien, wenn meine Frau das Thema ADS angesprochen hat. "Nur weil mein Kind nicht in die Erwartungen der Umwelt passt, soll ich es mit Psychopharmaka behandeln?"
Nur an Tagen wie heute bin ich recht frustriert. Leon erzählt aus der Schule immer nur die tollen Sachen. Entweder bekommt er nichts von dem mit, was der Lehrer beschreibt oder er erzählt uns nichts davon. Die zweite Variante finde ich beunruhigender.
Wir waren mit Leon bei einer Kinder- und Jugendlichen Psychotherapeutin, die hat uns gesagt, dass Leon uns nur auf der Nase herumtanzen würde und eine behandlungsbedürftige Situation sähe sie nicht.
Das Gespräch mit dem KL erzeugt halt bei mir das Gefühl irgendetwas tun zu müssen. Nur was? So richtig berufen scheint sich bei dem Thema kaum jemand zu fühlen (es sei denn er bekommt 87,-€ pro Stunde). Alles in Allem fühlen meine Frau und ich uns allein gelassen mit der Situation.
Da bin ich um ein solches Forum natürlich froh. |
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Ima
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 21.03.2007 Beiträge: 1471 Wohnort: Berlin
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Verfasst am: 26.09.2008, 11:41
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Kurz und knapp:
Ich würde bei solch einem KL einen Klassenwechsel oder sogar einen Schulwechsel überlegen... Egal, wie sehr er Leon "mag", er scheint einfach nicht wirklich willends zu sein, d. Kind so zu nehmen, wie es ist bzw sich auf ihn einzustellen.
Was ADS bzw Medis angeht, da würde ich vorsichtig sein; Medis können eine wichtige und wirksame Hilfe sein, es gibt Kids (auch hb), die ohne definitiv nicht klarkommen... Wn ihr es genau wissen wollt, dann lasst euren Zwerg doch diesbezüglich untersuchen, dann habt ihr Gewissheit...
Medis zu geben, um das Kind "nur" ruhig zu stellen, ist Blödsinn und bekräftigt doch nur die Vorurteile und teils mangelhafte Information bzgl. ADS und dem Medikament. _________________ Ima |
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scout

Anmeldungsdatum: 02.03.2005 Beiträge: 1774 Wohnort: ba-wü
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Verfasst am: 26.09.2008, 11:45
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hi michael,
falls bei eurem sohn ein begründeter verdacht auf ads vorliegt (dafür sprechen seine überempfindlichkeit, seine kontaktprobleme, seine rechtschreibung, seine überforderung mit der großen schule und der umstellung auf die 5. klasse), dann geht hin und lasst es abklären.
nach meiner erfahrung nützt es bei kindern mit hb+ads wenig, ihnen nur die bei hb empfohlene akzeleration wie klassensprünge u.ä. zu bieten, denn ein ads-kind kann emotional und praktisch eher in seiner entwicklung hinter der eigentlichen altersstufe zurück sein und wäre dann in einer klassenstufe mit 2 jahre älteren hoffnungslos sozial überfordert.
von einem 5.klässler wird eigiges an organisation verlangt, an anpassungsfähigkeit, an selbstständigkeit ... und genau da haben kinder mit ads-ähnlichen problemen ihre hauptdefizite. helfen tut da nur viel geduld von eltern- und lehrerseite. er bräuchte von euch eine konkrete anleitung, wie er mit den gleichaltrigen umgehen und kontakt knüpfen kann . das lernen manche kinder nicht einfach so wie die "normalen" durch versuch und irrtum, denn sie sind in interaktionen mit anderen kids immer schnell überfordert und reagieren dann falsch. jeder misserfolg, den er diesbezüglich hat, verhindert den aufbau eines stabilen selbstwertgefühls.
die hilflosigkeit macht ihn noch ängstlicher und ungeschickter, sodass andere die unsicherheit auch merken und er deshalb nicht an die anderen ran kommt. man darf nicht den fehler machen, alle probleme auf unterforderung zu schieben. nach meiner erfahrung aus den elterngesprächskreisen für hb und für adhs habe ich den eindruck, dass ads bei hb-kindern viel mehr probleme macht als die hb. und diejenigen eltern, die lange zeit immer wieder im hb-kreis von problemen berichten, haben m.e. mindestens grenzgänger in richtung adhs, wollen das aber teils auch nicht wahr haben und murksen weiter mit akzeleration herum, bis dem kind die ganzen klassensprünge und schulwechsel um die ohren fliegen und gar nix mehr geht.
bitte hab keine angst vor der diagnostik. wir wollten auch lange nicht da ran, weil unser kind eh schon so verunsichert war. aber nach der diagnose konnten wir ihm viel sinnvoller helfen. man darf den kopf nicht in den sand stecken. hb äußert sich bei adslern anders und muss auch anders begleitet werden als bei kindern ohne ads-probleme. ihr bräcuhtet einen erfahrenen ansprechpartner, der die unterschiede kennt und auch die kombination von beidem.
medikamente müssen ja nicht gleich sein, solange ein kind keinen leidensdruck hat. vielleicht bleibt euch ja genug zeit, sodass ich euch die daumen drück und hoffe, dass ihr ein wenig von dem focus auf seine hb abkommt und euch die ursachen für die probleme nochmal aus einem anderen winkel anguckt. in den ads-büchern findet sich übrigens auch einiges an tipps, die natürlich auch den grenzgängern oder nur vorübergehend angeschlagenen kindern helfen können.
also keine angst davor haben, euch kundig zu machen. ich tippe darauf, dass euer sohn im moment überfordert ist mit irgendwas und dass er eure hilfe braucht. möglichst gezielt! wenn psychologe, dann einer, der sich mit hb und ads auskennt und weiß, wann medikamente angezeigt sind und wann man zuerst mit gezieltem coaching dem kind helfen kann. spontane äußerungen, dass ihr ein kind "doch wohl nicht mit psychopharmaka vollstpfen wollt", könnt ihr getrost überhören. für schwer betroffene ads-ler sind diese medikamente ein segen, denn sie sind stoffwechseltechnisch gar nicht in der lage, sich zu "desensibilisieren" oder einfach so zu spuren wie normale kinder. einem diabetiker sagt man ja auch nicht, er soll sich einfach zusammenreißen.
alles gute für euch
scout _________________ 'It is our choices, Harry, that show what we truly are, far more than our abilities.' (Albus Dumbledore)
scout |
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Synkopia Sponsor 2010/2011

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 09.03.2007 Beiträge: 1496 Wohnort: Nord-Württemberg
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Verfasst am: 26.09.2008, 14:27
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Hallo Michael,
zu dem Aspekt Sozialkontakte, möchte ich mal nachfragen, wie das bei Eurem Sohn an der Schule mit AGs aussieht - an manchen Gesamtschulen ist da doch das Angebot sehr groß (weiß ich aber nur von der Verwandtschaft, bei uns gibt es keine Gesamtschulen). Unser Sohn, jetzt mit 11einhalb in der 7. Klasse, hatte auch noch letztes Jahr wenig Kontakt in der Klasse, hat aber andererseits in den AGs (in seinem Fall Schach und Rugby) einen kleinen Bekanntenkreis aus Schülerinnen und Schülern der Klassen darunter und darüber aufgebaut. Das gibt natürlich auch eine gewisse Selbstsicherheit innerhalb der eigenen Klasse. Mittlerweile verbringt er die Mittagspausen meist mit 2 Jungs aus seiner Klasse, die auch gerne Nintendo spielen - zum Glück bisher auch nur Spiele, die ab 6 freigegeben sind -, und ist gut integriert.
Allerdings hatten wir Glück mit der Klassenlehrerin, die sehr auf das soziale Miteinander in der Klasse geachtet hat. Da sieht's bei Euch dagegen wirklich schlecht aus.
Eure momentane Situation würde ich auf gar keinen Fall nur auf das Kind reduzieren, offensichtlich stimmt ja auch im schulischen Umfeld einiges nicht. Gibt es bei Euch eigentlich auch Beratungslehrer, an die man sich bei Problemen wenden kann?
Soweit ich mitbekommen haben, dauert es ziemlich lange, bis eine ADS festgestellt oder sicher ausgeschlossen wird (allein schon die Wartezeit auf den ersten Termin!). Solltet Ihr in dieser Richtung etwas unternehmen wollen, könnt ihr ja trotzdem die Situation für euer Kind nicht so belassen, wie sie jetzt ist. Kennt Ihr andere Eltern bzw. Kinder aus der Klasse?
Liebe Grüße _________________ Synkopia mit Tochter (*7/95), Sohn (*4/97), Tochter (*6/99) und Sohn (*9/04) |
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UBI

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 19.03.2007 Beiträge: 270
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Verfasst am: 26.09.2008, 18:17
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Hallo Michael,
ich finde es wichtig, dass dein Sohn zur Ruhe kommt. Keine neuen Termine, Psychologen, was auch immer. Lasst ihm Zeit, in der neuen Schule anzukommen. Es sind doch gerade mal Herbstferien. Wenn der Sprung ein Fehler war, so ist da jetzt im Moment eh nichts dran zu ändern. Man kann einem Kind auch signalisieren, dass es krank ist, wenn man ständig rotiert, sucht, therapiert. Versucht lieber, Kontakte zu seinen Klassenkameraden zu fördern oder sucht ein Hobby, wo er ganz ohne etwas leisten zu müssen, andere Kinder treffen kann.
Medikamentengabe darf nur nach einer Diagnosestellung durch einen Experten erfolgen. Eine gute Diagnostik ist das A und O. Persönlich würde ich mit einer Diagnose in Richtung ADS aber noch warten wollen, sonst hat er wieder Termine mit Ärzten und Psychologen.
Kommt auch selber zur Ruhe. Irgendwie wirken deine Postings gejagt und gehetzt sowie verzweifelt. Im schlimmsten Fall kann doch nur passieren, dass er die 5 wiederholt (wo dann auch immer) und dafür ist er jung genug. Gönnt euch schöne Dinge, Ausflüge oder was immer euch Spaß macht und lasst das Thema Schule nicht euren Alltag dominieren.
Gruß
Ubi _________________ Ubi mit C. (Sommer 99)
Jeder nach seinen Möglichkeiten! |
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oesb Sponsor 2010/2011

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 09.07.2007 Beiträge: 1535 Wohnort: Wankendorf
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Verfasst am: 27.09.2008, 10:54
Titel: |
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Hallo,
du fragst ziemlich am Anfang wie ich mit solchen Lehrern umgehe, die hb und gute Leistungen über einen Kamm scheren! Wenn sie zugänglich sind gebe ich ihnen das Buch Hochbegabte Kinder - ihre Eltern - ihre Lehrer! Sind sie es nicht, gibt es 2 Möglichkeiten!
a der Lehrer ist nicht wichtig unterrichtet nur ein Pupsfach und ist spätestens in 2 Jahren ausgewechselt, ich entwickle Strategien wie mein Kind diesen Clown ignorieren kann und sage meinem Kind auch ganz klar was ich von der Situation halte
b der Lehrer ist wichtig - da gibts nur eins schnapp dein Kind und lauf so schnell du kannst bis zu dem Punkt an dem du sicher sein kannst, das dieses Arschloch dein Kind nicht mehr erreicht. Schulwechsel ist genau hier angesagt! Geht das nicht dann zumindestens einen Klassenwechsel und diesen Lehrer ganz deutlich vom Kind wegreden beim Rektor! _________________ LG Oesb
mein Steckbrief
Bitte beachtet auch die Stammtischdaten für Hannover! Immer der erste Sonntag im ungeraden Monat!!! |
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UBI

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 19.03.2007 Beiträge: 270
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Verfasst am: 27.09.2008, 12:33
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| oesb hat folgendes geschrieben: |
| Schulwechsel ist genau hier angesagt! Geht das nicht dann zumindestens einen Klassenwechsel und diesen Lehrer ganz deutlich vom Kind wegreden beim Rektor! |
Ich weiß ja nicht. Das Kind hat so viele Wechsel der Bezugsgruppe hinter sich in den letzen Jahren, dass ich da vorsichtig sein würde. Die Frage ist ja auch, wie ist der nächste Lehrer drauf? Herabwürdigen eines Kindes geht natürlich gar nicht. Aber mehr Ruhe ist bestimmt nicht schlecht.
Gruß
Ubi _________________ Ubi mit C. (Sommer 99)
Jeder nach seinen Möglichkeiten! |
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oesb Sponsor 2010/2011

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 09.07.2007 Beiträge: 1535 Wohnort: Wankendorf
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Verfasst am: 27.09.2008, 16:59
Titel: |
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Hallo Ubi,
da mögen unsere Erfahrungen auseinander gehen! Ich habe gerade 3 Kinder aktuell aus solchen Situationen mit ihren Eltern genau mit dieser Maßnahme rausgeholt! Und allen 3 en geht es deutlich besser als vorher. _________________ LG Oesb
mein Steckbrief
Bitte beachtet auch die Stammtischdaten für Hannover! Immer der erste Sonntag im ungeraden Monat!!! |
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