azalee
Anmeldungsdatum: 07.06.2005 Beiträge: 99 Wohnort: Main-Tauber-Kreis
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Verfasst am: 17.06.2009, 19:44
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Hi,
Hier schwirren Ausdrücke wie "Schulversuch" und "Reformpädagogik" durch die Luft, sodass ich mir direkt die Jahre nach der 68er "Revolution" vorstelle.
Wenn man eine "neue" Schule möchte, sollte man an 2 Punkten ansetzen:
Nr 1, die Klassenstärke drastisch zu verringern, idealerweise auf 20 - 24 Schüler.
Und Nr 2 überhaupt wissen, WELCHE Inhalte man der jungen Generation nahebringen will / muss. Was nützt das ganze Methodik-Geplänkel, wenn man gar nicht weiß, was man die Didaktik vernachlässigt (per definitionem ist Didaktik die Selektion der Inhalte, die Methodik die Vermittlung von Inhalten, wird leider immer durcheinandergeschmissen)
Nr 1 ist ein pragmatisch-finanzielles Problem, das man sicher in absehbarer Zeit lösen könnte, so man denn wollte, Nr. 2 ist da schon schwieriger, weil es Fragen aufwirft, die ganz stark an die Substanz einer Gesellschaft gehen.
Wo soll Schule hinführen? Sollen die Kinder viel wissen? Sollen sie fit fürs Studium gemacht werden? Wenn ja, für welche Studiengänge? Sollen sie brave Arbeitnehmer werden? Sollen sie schon für einzelne Berufe spezialisiert die Schule verlassen, so wie sich das viele Unternehmer wünschen? Sollen sie Spaß am lebenslangen Lernen haben? Soll man eigenständiges Denken fördern, auch wenn andere Inhalte dabei auf der Strecke bleiben? Und dann soll man auch noch die ideale Lösung für jeden einzelnen Schüler finden? Sollen alle Schüler das gleiche lernen, oder bevorzugen wir "Arbeitsteilung" wie in einem Ameisenstaat , oder in "Brave New World"? Ist unsere Gesellschaft vielleicht so komplex, dass wir gar nicht mehr anders können, wenn wir langfristig gut überleben wollen?
Da wage ich mal zu behaupten, dass wir gesamtgesellschaftlich nicht so schnell zu einem Konsens gelangen. Falls darüber jemals auf breiter Ebene (z.B. mit Philosophen, Soziologen, Wirtschaftlern, Ethnologen, Psychologen, Pädagogen, Politikern u.a.) diskutiert werden sollte.
In der Zwischenzeit bleibt uns nichts anderes übrig, als unter dem Diktat des Rotstiftes die traditionellen Inhalte weiter zu unterrichten. Vielleicht würde sich ja auch rausstellen, das sie gar nicht so verkehrt sind. Außerdem brauchen wir uns dabei keinen unbequemen Fragen zu stellen.
JA, ich habe es gemerkt, ich bin vom ursprünglichen Posting doch ein klein wenig abgekommen ... Aber als L interessiert mich diese Thematik logischerweise ungemein.
Ich persönlich fand die kleine traditionelle GS meiner Tochter gar nicht so verkehrt, und bekomme auch keine Bauchschmerzen, wenn sie ab September auf "mein" normales Gym geht.
Dem Nürnberger Trichter sind schon viele Menschen aufgesessen. Bis der nachweislich funktioniert, hilft halt nur selber lernen. Blöderweise ist das ziemlich anstrengend.  _________________ Liebe Grüße azalee
mit Elfe (*3/00) und Troll (*5/06) |
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