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Ima
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 21.03.2007 Beiträge: 1471 Wohnort: Berlin
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Verfasst am: 12.06.2009, 17:58
Titel: "Mein Kind first" |
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Hier ein etwas polemischer (nun ja, Spiegel halt) Artikel, zu dem ich doch gern mal eure Meinungen lesen/hören wollen würde... Bin zwar nicht mit allem einverstanden, was da steht, finde jedoch, dass an der Thematik schon was dran ist... vllt betrifft es aber auch mehr die "Großstädter" unter uns...
http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,627628,00.html _________________ Ima |
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NinaHH Sponsor 2010/2011
Anmeldungsdatum: 24.01.2007 Beiträge: 1033 Wohnort: Hamburg
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Verfasst am: 12.06.2009, 23:53
Titel: |
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Ich halte sonst nicht viel vom Spiegel, aber den Artikel finde ich mal richtig gut.
Hier in Hamburg erlebe ich es ja hautnah mit, wie die Eltern blocken.
Endlich mal wird ein marodes Schulsystem (25% aller Hamburger Kinder erreichen nicht einmal einen mittleren Hauptschulabschluss!) mal in einem großen Wurf überarbeitet, schon kommen aus allen Ecken die Bewahrer des absolut verstaubten status quo.
Zum einen wollen sie nicht, dass ihre Kinder bis Klasse mit "den anderen" länger zusammen lernen müssen, zum anderen wollen sie aber auch selbst entscheiden, ob ihr Kind aufs Gymnasium gehen darf (wo es dann ggf. andere ausbremst...). [Ich kann auch polemisch ]
Ich habe auch meine Bedenken und finde auch, an der einen oder anderen Ecke kann nochmal nachgedacht werden.
Aber an sich finde ich es großartig, dass hier endlich mal Geld für die Bildung in die Hand genommen wird und neue Ideen umgesetzt werden. Und selbst wenn man egoistisch denkt: ich glaube auch für das eigene Kind ist es nicht gut, in einer Gesellschaft groß zu werden, in der ein Viertel der Menschen überhaupt keine vernünftige Perspektive hat.
Es gibt hier bestimmt auch einige, die anderer Meinung sind - ich freue mich auf eine rege Diskussion!
Liebe Grüße von Nina |
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Moffi Sponsor 2010/2011
Anmeldungsdatum: 29.03.2005 Beiträge: 2070
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Verfasst am: 13.06.2009, 11:25
Titel: |
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Hallo,
ich kann mir nicht helfen - als erstes frage ich mich bei sowas immer, wo wohl die Kinder der Journalisten in die Schule gehen, die da so hämisch über "Mittelstandseltern" schreiben, bzw. die Kinder der zitierten "Bildungsforscher".... Ob die ihre Kinder wohl alle auf Gesamtschulen in Problemstadtvierteln schicken, um ihre Ideale zu verwirklichen...? Oder sollen das etwa nur die anderen machen?
Solche Artikel ärgern mich einfach nur. Dass Eltern das Beste für Ihre Kinder wollen ist halt eine menschliche Grundkonstante - und sicher nicht das Hauptproblem unseres Bildungssystems!
Die "Mittelstandseltern" (die übrigens diejenigen sind, die durch häuslichen Einsatz das ganze System derzeit am Laufe halten!) sind doch nicht per se "gegen Ausländer" bzw. "gegen Unterschichtkinder" - nur weil sie nicht daran glauben, dass durch eine hastig zusammengeschusterte, weitgehend kostenneutrale "Reform" irgendetwas besser wird! (Wobei ich mich in Hamburg natürlich nicht auskenne, vielleicht ist die Reform dort wirklich toll durchdacht und es fließen gigantische Mittel, keine Ahnung...)
Besonders lustig finde ich, dass es jetzt angeblich auch die Eltern sind, die moderne Unterrichtsmethoden verhindern. Die Lehrer können über die altmodische Idee des Frontalunterrichts eigentlich nur noch lachen???? Ich habe gar nicht gewusst, dass die Eltern soviel Macht haben - bei uns findet fast überall reiner Frontalunterricht statt... und das nur wegen den Eltern, obwohl die Lehrer längst erkannt haben, dass das nix ist... Toll!
lG
Karin |
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NinaHH Sponsor 2010/2011
Anmeldungsdatum: 24.01.2007 Beiträge: 1033 Wohnort: Hamburg
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Verfasst am: 13.06.2009, 11:44
Titel: |
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| Zitat: |
| Besonders lustig finde ich, dass es jetzt angeblich auch die Eltern sind, die moderne Unterrichtsmethoden verhindern. |
Hallo Moffi, du hast natürlich recht, dass das so völlig überzogen ist. Aber in unserer Klasse haben doch allen Ernstes sich Mütter beschwert, dass die Schüler nicht alle dieselben Hausaufgaben aufbekommen, man könne ja gar nicht mehr bei anderen Eltern nachfragen, was das eigene Kind aufhat.
Und auch in Hamburg ist natürlich nicht alles Gold und gigantische Mittel sind auch nicht da. Aber man kann doch nicht nur dann etwas ändern, wenn der Erfolg 100%ig abgesichert ist - also entweder Schlaraffenland oder alles bleibt wie es ist!? Ein bisschen weniger panisches Festhalten am Bestehenden wäre schon ganz hilfreich - inhaltliche Kritik ist ja sinnvoll, aber nicht als Total-Blockade.
LG von Nina
P.S. Vielleicht ist es aber wirklich auch, wie Ima sagt, ein spezielles Großstadtphänomen |
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azalee
Anmeldungsdatum: 07.06.2005 Beiträge: 99 Wohnort: Main-Tauber-Kreis
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Verfasst am: 13.06.2009, 13:15
Titel: |
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Hi,
jetzt bringe ich mal die Schüler ins Spiel:
"Moderne" Lehrmethoden sind vielen Schülern zu unbequem! Da muss man ja selber aktiv werden statt nur von der Tafel abzuschreiben, genau das (und NUR das) zu lernen, und dann in der Arbeit exakt wiederzugeben!
Gruppenarbeit oder Stationenlernen oder was auch immer wird GELEGENTLICH gerne gemacht, aber bitte nicht jedes Mal. Diese Haltung ist nicht sozialen Schichten festmachbar - Unsere OS-Kids sind genauso viel oder wenig denkfaul wie ihre finanziell schwächeren Mitschüler.
Aber auch ich als Lehrer bräuchte dann mehr Zeit, um denselben Lehrstoff "durchzukriegen". Denn entdeckendes Lernen in Reinkultur benötigt sehr viel mehr Zeit. Die Frage ist, hebt z.B. Stationenlernen "nur" die Motivation, oder bleiben auch die Inhalte länger haften? Und wer sagt mir als Lehrer, WELCHE Inhalte sich die Kids erarbeitet haben? Abdriften und etwas ganz anderes erarbeiten mag ja ganz schön sein, aber im Hinblick auf eine benotete Lernzielkontrolle mit nachvollziehbaren Bewertungskriterien wäre das nicht so gut.
Da der schöne Gedanke, dass die Stärkeren voller Zufriedenheit den Schwächeren helfen nun mal nicht der Realität entspricht - warum sollen sich eigentlich die Stärkeren nicht nach ihrem Bedarf weiterbilden? - müsste man die Schularten intern oder extern noch stärker differenzieren, um für alle Schüler eine befriedigende Lernsituation zu schaffen.
Alle - Schüler wie Eltern - wollen gute Noten! Ob die Noten aufgrund von Wissen oder trotz Nichtwissens zustande kommen, ist beiden Teilen egal. Auch darin sind sich alle Schichten schön einig. Man geht auf die Schule, um das Abi möglichst gut zu machen, und NICHT, um etwas zu lernen. Von daher ist eine Diskussion um effektive Lehrmethoden ein Luftgespinst von Lehrern und Didaktikern, oder?
Ich denke, die Mischung macht's. Ich mag mich auch nicht immer anstrengen, sondern manchmal nur einfach schnell eine Info holen.
Die Abschaffung von GK und LK in der OS ist m.E. genau der falsche Weg, wenn man junge Erwachsene zu eigenständigem Lernen, Denken und Arbeiten anleiten will. _________________ Liebe Grüße azalee
mit Elfe (*3/00) und Troll (*5/06) |
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grünergeist Quiz-Gewinnerin

Anmeldungsdatum: 21.05.2005 Beiträge: 2644
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Verfasst am: 14.06.2009, 21:22
Titel: |
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Die berliner Schulexperimente, ohne irgendwo auch mal Geld reinzustecken,sind eine Zumutung für die Kinder und Eltern wehren sich dagegen. Das finde ich richtig.
Die Mittelstandseltern, die ihre Kinder auf Kosten aller anderen zum Ziel bringen wollen haben wir am eigenen Leib erlebt.
Das sind zwei Problematiken, die in dem Spiegelartikel unzulässig vermischt werden.Darum finde ich ihn überflüssig. _________________ Falls Freiheit überhaupt irgend etwas bedeutet, dann bedeutet sie das Recht darauf, den Leuten das zu sagen, was sie nicht hören wollen. [George Orwell]
grünergeist |
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azalee
Anmeldungsdatum: 07.06.2005 Beiträge: 99 Wohnort: Main-Tauber-Kreis
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Verfasst am: 14.06.2009, 22:22
Titel: @grünergeist |
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hallo,
was machen sie denn in Berlin mit den Kids? Seid Ihr davon betroffen?
Müssten die nicht aufgrund ihrer hervorragenden Universitätsdidaktiker ziemlich gute Ideen haben? _________________ Liebe Grüße azalee
mit Elfe (*3/00) und Troll (*5/06) |
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grünergeist Quiz-Gewinnerin

Anmeldungsdatum: 21.05.2005 Beiträge: 2644
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Verfasst am: 15.06.2009, 09:51
Titel: |
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Hier experimentiert die Politik immer munter über die Schulen hinweg, die nicht gefragt werden und keine Mittel kriegen, und so die "Reformen" entsprechend schlecht und nach dem Minimalprinzip umsetzen.
http://www.tagesspiegel.de/berlin/familie/schule/Schulreform-Berlin-Sekundarschule-Gymnasium;art295,2820938
http://www.tagesspiegel.de/berlin/Landespolitik-Schulreform-Bildung;art124,2804486
Mein Geistlein hat es schon erwischt mit JüL, wo sie jeden Lerneifer verloren hat.. Wenn sie es schafft, trotz des Chaos in der Vierten, wo drei verschiedene JüL-Dritte Klassen mit unterschiedlichem Stand mit einer neuen Lehrerin zusammengeworfen werden, im ersten Halbjahr Einsen zu bekommen, entgeht sie vielleicht dem Sekundar-Chaos. Die grundständigen Schulen sollen aber auch beschnitten werden, also sie kann auch Pech haben.
Die einzige richtige Einsicht, die die Politik aus ihrer Schulpolitik zieht, ist, daß die Schulen zu schlecht sind für Hochbegabte: die einzige "Förderung" auf die ein hochbegabtes Kind Anspruch hat, besteht darin die Schule möglichst schnell zu durchlaufen, um dann - auf Kosten der Eltern natürlich - was angemesseneres zu machen, falls es das dann ohne Lebenserfahrung und solide Bildung kann.
Das Experimentieren war im übrigen schon immer so, ich gehöre zu einem Jahrgang, der in der Schule nicht rechnen gelernt hat, weil damals Mengenlehre modern war. In der dritten Klasse stellte dann ein neuer Lehrer fest, daß wir die Grundrechenarten nicht kennen und machte dann einen Schnellkurs. Das habe ich auch nie wieder aufgeholt. _________________ Falls Freiheit überhaupt irgend etwas bedeutet, dann bedeutet sie das Recht darauf, den Leuten das zu sagen, was sie nicht hören wollen. [George Orwell]
grünergeist |
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Idefix
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 23.09.2005 Beiträge: 473 Wohnort: Wien
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Verfasst am: 15.06.2009, 11:08
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Ich bin ja aus Österreich und wir haben hier ein zweigliedriges Schulsystem bestehend aus Gymnasium und Hauptschule. Habe die Artikel mit großem Interesse gelesen. Klingt so, als wolle man auch in Deutschland mit festem Willen und das Schulsystem total umkrempeln.
Bei uns heißt das neueste Experiment "Neue Mittelschule". Sie wird im Herbst gestartet.
Hier ein Link für Interessierte:
http://www.neuemittelschule.at/die_neue_mittelschule/paedagogische_konzepte/individualisierung_video.html
Wie das ganze wirklich funktionieren soll, ist mir nach wie vor ein Rätsel. Die Lehrer, die an diesen Schulen unterrichten, haben keine spezielle Ausbildung für diese Art von Unterricht.
Wir haben für uns beschlossen, nicht Teil diese Experiments zu sein und haben Mini an einem Gymnasium angemeldet.
Wie es wirklich in den Neuen Mittelschulen laufen wird, wird sich erst in den nächsten Jahren herausstellen.
LG Idefix _________________ Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt. (Albert Einstein)
Idefix |
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Firenze
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 20.11.2007 Beiträge: 165
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Verfasst am: 15.06.2009, 12:04
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Hallo ihr Lieben,
Nun gut, die Eltern sind also mal wieder schuld - schön, wie sauber die klugen Journalisten das herausgearbeitet haben!
...Kann es nicht sein, dass Eltern allmählich keine Lust mehr auf immer neue Schulexperimente haben, die sich im Nachhinein als oftmals sehr unausgegoren und halbherzig herausgestellt haben und für viele Kinder mehr Nach- als Vorteile mit sich brachten (z.B. G ?
...Kann es nicht sein, dass hinter dem kritisierten "Abgrenzen nach unten" einfach Ängste stecken, die nicht zuletzt auch dank der vielen negativen Medienberichte über Schulen mit hohem Migrantenanteil geschürt wurden? Eltern wollen sich nicht abgrenzen, sondern vor allem meistens nur das Beste für ihre Kinder - ist das so verwunderlich?
Vielleicht ist die Schule a la Feuerzangenbowle auch die Schulform, die die Schüler noch mit sicheren und grundlegenden Fähigkeiten verlassen haben (und zwar in allen Schulformen) und erscheint daher in einer Zeit mit immer neuen Versuchen und immer mehr Kindern denen diese Fähigkeiten am Ende ihrer Schulzeit fehlen als eine Art "sicherer Halt" - Wobei diese Schule in ihrer Reinkultur wohl niemand wirklich zurückwünscht.
Hier in Rheinland-Pfalz wird auch gerade wieder an der Schule im großen herumversucht - wobei mir eigentlich schon die "kleinen" Neuerungen innerhalb der einzelnen Unterrichtsfächer reichen. Am Wochenende habe ich mal wieder beispielsweise kopfschüttelnd über den Mathebüchern beider Kinder gesessen und mich gefragt, wie eigentlich noch Sicherheit und Routine bei der Bewältigung simpelster Aufgaben entstehen soll, wenn so chaotisch unterrichtet wird. Die Ergebnisse der letzten Tests und Klassenarbeiten - und ich meine damit den Klassenschnitt - sprachen denn auch Bände!
Die Schule muss anders werden um ihren Aufgaben auch in Zukunft gerecht zu werden - aber bitte vorher denken und nicht nur immer wieder neue billige halbherzige Scheinlösungen mit der Brechstange durchsetzen.
Liebe Grüße von
Firenze |
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morlis

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 21.04.2008 Beiträge: 485 Wohnort: BaWü
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Verfasst am: 15.06.2009, 12:29
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Ich sehe das ähnlich. Ich bin es auch leid, meine Kinder für sämtliche neuen Projekte und Versuche zur Verfügung zu stellen.
Erst Recht, wenn die Abkehr vom Frontalunterricht nur im Umstellen der Tische und Stühle besteht. Da haben dann die Kinder Pech, die sich ständig umdrehen müssen oder zur Seite schauen um die Lehrkraft und Tafel einsehen zu können. Sitzen auf den falschen Möbeln und verdrehen sich auch noch - kein Wunder dass da nur Unruhe rein kommt.
Abgrenzen nach "unten" - ja, vielleicht schon. Allerdings ist "unten" relativ. Warum sollte ich mein Kind weiterhin ausbremsen lassen, wenn es endlich die Grundschule mit Kuschelecke und Garderobenbildchen (wie im Kindergarten) überstanden hat?
Es geht auch nicht ums Festhalten an Bestehendem (was besteht denn auch momentan?), eher geht es darum, dass neue Konzepte vorher ordentlich ausgearbeitet werden und die Lehrer auch entsprechend geschult werden bevor man versucht, Neues an den Kindern auszuprobieren. Und dann muss auch nicht in jedem Schuljahr ein neues Konzept kommen.  |
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Ima
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 21.03.2007 Beiträge: 1471 Wohnort: Berlin
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Verfasst am: 15.06.2009, 14:55
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Nun ja, zuallererst sollte man nicht vergessen, dass der Artikel eine "Abrechnung" sein soll, natürlich polarisiert er (und provoziert dadurch)... und ja, auch ich frage mich, wo der Journalist selber seine Kinder (sofern er denn welche hat) hinschickt...
Natürlich will man an erster Stelle das beste für das eigene Kind und da die aktuelle Bildungssituation wirklich nicht optimal ist, kommt das Das-beste-fürs-Kind-wollen einem Das-Kind-schützen-wollen gleich, das führt nun mal dazu, d. die Eltern, die die Möglichkeiten haben, schauen, d. die Bedingungen so halbwegs stimmen. Das ist ja auch ihr gutes Recht.
Ich wohne im Problembezirk Berlin-Neukölln und ja, ich gebe zu, d. es mir wichtig war, d. mein Kind auf eine Schule kommt, in der die Lehrer nicht nur Schadensbegrenzung betreiben (was man ihnen nicht vorwerfen kann, nein, eigentlich gebührt ihnen Respekt und Mitleid bei den miserable Arbeitsbedingungen), sondern eben auch fördern können. Ob diese „Schadensbegrenzung“ mit hohen Migranten- oder Unterschichtenanteil o.so zu tun hatte, das ist/war für mich ohne Belang (gehöre mit meinem Punk-/Linken-Hintergrund selber nicht wirklich zur „Norm“). Bei uns war nun einfach ziemlich klar, d. mein nun mal nicht ganz 0815-Kind auf einer Regel-GS wohl nicht klar kommt und es führte in unserem Fall dazu, d. ich (mit Unterstützung des ersten Psy, der sich mein Kind anschauen durfte) vor Gericht gezogen bin, um das Kind auf die Schule zu kriegen, auf der er besser aufgehoben wäre... Angesichts der Schwierigkeiten, die Sohnemann in seiner definitiv guten GS hat, bin ich froh, d. ich diesen aggressiven Schritt gegangen bin, in einer "normalen" Schule wäre es wohl noch schlimmer gewesen...
Was mich an dem Artikel (und insgesamt sowieso) nervt, ist d. es fast so rüberkommt, als ob die Eltern an erster Stelle verantwortlich für die miserable Schulsituation wären; Schuld ist meiner Meinung nach das Bildungssystem, bei dem die Gelder gekürzt und gekürzt werden (dafür gibt´s Millionen für die Abwrackprämie), in der 30+ Kids in einer Klasse hausen und die Lehrer (vor allem, wn da ein o. mehr Kids sind, die aus dem Rahmen fallen) dementsprechend überfordert sind (Ich bzw mein Kind liefert dafür echt den Beweis)...
Aber das es diese blockierenden Eltern gibt, da ist einfach was dran!
Ich kann schon ein bisschen verstehen, d. es nervt, von Reform zu Reform geschubst zu werden, so d. man den Überblick verliert und dementsprechend schwer über den Tellerrand schauen kann, weil man nur noch damit beschäftigt ist, zu schauen, d. das eigene Schäfchen äh Kind ins Trockene kommt... ABER, und ich denke das ist eines der Hauptvorwürfe dieses polemischen Artikels: Über den eigenen Tellerrand schauen, das sollte man trotzdem und das vergessen so viele. JEDES Kind hat ein Recht auf solide Bildung, es kann doch nicht sein, d. dies vom Portemonnaie oder der Ausdauer oder des Wissens oder wasauchimmer der Eltern abhängt...
Das aktuelle Schulsystem ist so dermaßen suboptimal, die meisten Hauptschulen (Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel) sind ein Fluch für jedes Kind, d. dort landet bzw. dort abgeschoben wird; ich finde die Bestrebungen dahingehend, sie abzuschaffen und dafür auf Gesamtschulen zu bauen, gut...
Und wenn es darauf hinaus läuft, d. das Mittelschicht-/Oberschichtkind mit reichen oder auch nur intellektuell fähigen Eltern, also ein Kind, d. sowieso auf der Sonnenseite steht, mit sogenannten „Schmuddelkindern“ zusammensitzt und die Schule bzw das Bildungssystem darauf ausgerichtet wird, d. ALLE davon profitieren können, die schlauen, wie die weniger schlauen, die armen und reichen... Hey, dann bin ich auch zu einer gewissen chaotischen Einstiegszeit bereit... (Okay, ich weiß, davon sind wir weit entfernt, aber man darf ja noch träumen und hoffen, oder?)
Ich habe dieses Abgrenzen nach unten mehr oder weniger offensichtlich oft erlebt, sei es im Gespräch mit anderen Eltern, die sich klar und deutlich dementsprechend äußerten, oder durch konkrete Taten (Ich sage da nur Prenzlauer Berg-Grundschulen, das ist auch i.d. Presse nachzulesen) und das ist definitiv ungerecht, asozial, unfair den Kinder gegenüber, die nichts dafür können, d. ihre Eltern entweder nicht über die finanziellen Mittel und/oder über die "intellektuellen" Fähigkeiten verfügen oder auch nur die Kraft haben, um die Bildungsmöglichkeit ihrer Kinder zu optimieren.
Ich denke, es sind zwei an sich erstmal unterschiedliche Dinge: Das beste fürs Kind wollen und dementsprechend schauen, wo es am besten aufgehoben ist, und eben das Kind nach unten hin abzuschotten, abzugrenzen, auf d. es bloß nicht irgendwie von dem "Geruch von Armut, Unterschicht, Bildungsmangel, what ever" berührt wird... Ich habe es nicht selten erlebt, d. Eltern angehender Schulkinder mehr darauf achten, d. das Kind bloß nicht mit dem falschen Milieu zur Schule geht, als darauf zu schauen, ob der Unterricht, das Engagement, die Förderung der Lehrer gut ist; ergo, wie in dem Artikel erwähnt: Status zählt an erster Stelle, nicht die Bildungsmöglichkeiten an sich...
Ich glaube nicht, d. alle Eltern explizit ihre Kinder vor den möglichen negativen Einfluss eines unvorteilhaften Milieus "bewahren" wollen, aber es gibt trotzdem nicht wenige Eltern, die eine asoziale Haltung haben, voller Vorurteile ggüber Migranten, Unterschichten, Arbeitermilieu etc sind, davon kann ich ein Lied singen, auch wn es nicht wirklich vergleichbar ist mit der hier angesprochenen Thematik:
Ich selber war auf einer „Eliteschule“ und gehörte zu den sehr sehr wenigen dort, die extrem arm war; auf diese Schule kam ich aufgrund überragender Leistungen in der (franz.) GS und eben wegen meines Sprachenhintergrunds, und es kam einen kleinen Skandal gleich: keine schicken (Marken-)Klamotten (ich bin seitdem leichter Befürworter von Schuluniformen!), keine schicken Spielzeuge, keine tollen Urlaube, keine tolle Villa etc, was wurden meine Schwester und ich deswegen von einigen ganz ekligen Exemplaren verwöhnter sich für besseres haltenden Kids, aber auch einigen Lehrer, für die wir genau das -> „Schmuddelkinder“ waren, schikaniert, gemobbt, ausgelacht; und nicht selten wurden wir von den Eltern gezielt ausgegrenzt; zB hatte ich den Sprössling eines der reichsten Immobilienheinis in meiner Klasse, zu seinem Geb wurde das Museum f. Verkehr+Technik komplett angemietet, und auch wenn so einige Kids wollten, d. wir kommen, haben die Eltern darauf bestanden, d. wir NICHT kommen dürfen, Grund: Wir lebten im damals so verhasst-verpöhnten Kreuzberg (Bezirk der Linken, Anarchos und Ausländer)... (d. besagtes Museum in Kreuzberg ist, soll dabei nur am Rande erwähnt werden)... Ich weiß also aus eigener Erfahrung, was Ausgrenzung ist; und dabei hatte ich noch das Glück, keinen Migrantenhintergrund zu haben, und irgendwie hatte ich eine Art Exotenbonus, da die Armut, i. der ich aufgewachsen bin, nicht mit Herkunft aus Unterschicht, sondern mit der Tatsache zu tun hat, d. meine Mutter sich aus Protest von ihrer aristokratischen, sehr reichen, sehr elitenorientierten Familie abgegrenzt (und wg mir verstoßen wurde) hat... arm aber nicht bildungsarm, und eben nicht Unterschicht, aber auch nicht dazugehörend... immer dieser Stempel des „sonderbaren Schmuddelkindes“... schön war das nicht!
Was will ich damit sagen? Klar, ewige Reformen ohne sichtbares Resultat nerven, v.a. wenn man immer mehr Angst bekommt, d. diese Reformen nicht wirklich ausgefeilt sind und nur noch mehr Chaos und keine Veränderungen im positiven bewirken könnten, und es ist gut, da laut zu werden und zu protestieren... Nichtsdestotrotz SIND Reformen überfällig in einem Land, in dem wie in kaum einen anderen Land gute Bildung so abhängig vom sozialen Status ist wie in Deutschland (ja da sind sogar so einige Schwellenländer/Dritte-Welt-Länder besser dran)... und Veränderungen bringen immer einen gewissen Unsicherheitsfaktor mit sich... Die meisten sich beschwerenden Eltern sind nicht selten die, deren Kids es doch sowieso gut haben und die Angst haben, d. ihre armen Kinderchen könnten irgendwie „verseucht“ werden...
Klar, die Reformen sind oft unausgegoren und man hat allen Grund, sich darüber auszuregen... aber blockieren und „lieber beim alten“ bleiben, das ist auch nicht die Lösung! _________________ Ima |
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Moffi Sponsor 2010/2011
Anmeldungsdatum: 29.03.2005 Beiträge: 2070
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Verfasst am: 17.06.2009, 09:00
Titel: |
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Hallo Ima,
ich glaube eigentlich, dass die ganze Debatte Gesamtschule versus Dreigliedriges Schulsystem nicht den eigentlichen Kern trifft. Wenn die Schulen gut sind, ist es glaube ich egal, ob Einheitsschule oder nicht.
Außerdem glaube ich, dass reformpädagogische Ansätze nur funktionieren, wenn man sie wirklich ernst nimmt. Es ist eben kein Lernen nach Montessori, wenn man die Kinder ein paar Stunden in der Woche zu Freiarbeit verdonnert und ihnen ein paar hundsgewöhnliche Arbeitsblätter hinknallt, die sie dann in einer "frei" gewählten Reihenfolge ausfüllen dürfen. Das gleiche gilt für "Gruppenarbeit" oder "Stationenlernen"... Ich glaube aber (wenn ich mir so das Spieplatzgerede anhöre), dass weder die Eltern noch die Lehrer derzeit für eine wirklich reformierte Schule bereit sind. (Abgesehen davon, dass natürlich auch gar nicht alle Kinder mit einem freien Unterricht zurechtkommen.)
Wenn ich mit Reformen irgendwo ansetzen würde, dann eher bei der Auswahl und Ausbildung der Lehrer. Ich glaube, dass der Lehrerberuf bei uns einfach viel zu oft aus den falschen Gründen gewählt wird, und dass die Lehrer, vor allem Gymnasiallehrer, viel zu wenig pädagogische Ausbildung bekommen. Wenn man das ändern würde, und zudem mehr Geld ins System stecken würde, so dass die Klassen kleiner sind, und de Schulen nicht mehr mit Sperrmüll möbliert werden müssen, wäre vielleicht schon viel gewonnen, und man könnte sich kräftezehrenden Strukturreformen sparen, die nur Widerstand auf allen Seiten provozieren.
LG
Karin |
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Ima
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 21.03.2007 Beiträge: 1471 Wohnort: Berlin
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Verfasst am: 17.06.2009, 09:10
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| Moffi hat folgendes geschrieben: |
Wenn ich mit Reformen irgendwo ansetzen würde, dann eher bei der Auswahl und Ausbildung der Lehrer. Ich glaube, dass der Lehrerberuf bei uns einfach viel zu oft aus den falschen Gründen gewählt wird, und dass die Lehrer, vor allem Gymnasiallehrer, viel zu wenig pädagogische Ausbildung bekommen. |
Das unterschreib ich sofort!!!! _________________ Ima |
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Moffi Sponsor 2010/2011
Anmeldungsdatum: 29.03.2005 Beiträge: 2070
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Verfasst am: 17.06.2009, 13:38
Titel: |
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Leider hört niemand auf uns...  |
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