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jenny Administrator

Anmeldungsdatum: 02.03.2005 Beiträge: 5112 Wohnort: Krefeld
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Verfasst am: 14.12.2009, 11:09
Titel: Umgang mit "schwierigen" Kindern... |
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Wie in vielen anderen Kindergärten , gibt es auch bei uns schonmal so ein auffälliges Kind dazwischen. Gerne nimmt unsere Leiterin Kinder die schon recht früh einen ADS-Stempel bekommen haben, damit die im Wald zum einen ihre motorische Unruhe ausleben können und zum andern auch ein Stück weit zu sich selbst finden. Das bekommt den meisten dieser Kinder auch sehr gut, ohne, dass sie der ganzen Gruppe zur Last fallen würden.
Seit Sommer haben wir wieder so einen Kandidaten. Das Kind hat eine üble Vorgeschichte, ist wohl als Baby aus seiner Familie rausgeholt und adoptiert worden...
Es ist nun so, dass dieses Kind die anderen ganz massiv bedroht und attackiert, es gab schon Schaufeln, Hammer, Harke, Pfosten und Stöcke auf Kopf und die meisten Kinder machen einen Riesenbogen um diesen Jungen. Die Eltern sind inzwischen leicht aufgebracht, weil es immer wieder zu recht gefährlichen Situationen und eben auch Verletzungen kommt, die noch viel schlimmer hätten ausgehen können. Die 5/6-jährigen haben inzwischen regelrecht Angst vor diesem 3-jährigen Knirps...
Die Mutter des Jungen sieht sich beinahe genötigt einen Elternabend mit ihrem Sohn als Thema abzuhalten und würde das wohl auch machen.
Mich würde interessieren, wie an euren Kindergärten mit solch extremen Kindern umgegangen wird, was gibt es für Sanktionen, wo beginnt man an der Problematik zu arbeiten?
Nach dem was ich gehört habe, fällt das Elternhaus zumindest auf den ersten Blick als Ursache raus, Mutter erzieht nach Lehrbuch absolut pädagogisch und konsequent . Es ist wahrscheinlich ganz viel genetischer Pool mit dem die Eltern da zu kämpfen haben und wir alle leiden irgendwie mit..
Also, erzählt mal, was wird oder auch wurde bei euch mit Schlägern, Tretern, Spuckern, Beißern so angestellt?
Danke und Gruß,
jenny _________________ Niveau ist keine Gesichtscreme und Stil nicht der obere Teil des Besens......
Geduld ist die Kunst, nur langsam wütend zu werden.
jenny |
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Olsa
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 25.08.2009 Beiträge: 189 Wohnort: NRW
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Verfasst am: 14.12.2009, 11:51
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Hallo Jenny,
wer weiß, was dieser arme Kerl in seinem kurzen Leben schon aushalten musste ... .
Das soll jetzt keine Entschuldigung sein, sondern eher die Überlegung, dass der Junge Hilfe und vor allem ganz viel Liebe und gute Vorbilder braucht, und man ganz behutsam, aber bestimmt mit der Situation umgehen sollte. Und ich denke, dass er bestimmt kein hoffnungsloser Fall ist, da er das große Glück hat, liebevolle Eltern zu finden, die ihn in dieser Sache ja offensichtich unterstützen wollen.
Soviel ich weiß, haben Adoptiveltern Betreuer, die solche Situationen doch kennen müssten und vielleicht Tipps geben könnten.
Bei uns im Kindergarten werden solche Kinder dann immer aus der Situation rausgenommen und müssen in der Nähe der Erzieherin bleiben.
Das wollen sie natürlich nicht, sie möchten lieber mit ihren Freunden spielen, aber es ist eine logische Konsequenz. Kind gefährdet die anderen, also muss es bei der Erzieherin bleiben, damit diese es im Auge hat. Das dürfte auch ein 3jähriger verstehen, oder?
Außerdem darf man nicht vergessen, sich ihm gegenüber respektvoll, vorurteilfrei und freundlich zu verhalten, woher soll er es sonst lernen? Ihn zB auch, wenn er nicht schlägt, freundlich ist usw, dafür lobt und mit Aufmerksamkeit belohnt.
Ich denke, es ist ganz wichtig, dass er sich durch sein Verhalten nicht selbst zum Aussenseiter macht, denn dann wird es noch schwieriger für ihn, aus dier Misere rauszukommen.
Das sind so meine spontanen Gedanken dazu, aber letztendlich müssen die Erzieher und Eltern den richtigen Weg für sich und den Jungen suchen...
Liebe Grüße _________________ Olsa |
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Online Sponsor 2010/2011
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 07.07.2008 Beiträge: 763 Wohnort: Sachsen
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Verfasst am: 14.12.2009, 11:56
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Deine Schilderungen lässt mich erinnern an einen Jungen aus Quasselstrippes Kiga.
Der Junge kam mit 3 1/2 (?) Jahren und hatte die tollsten Schimpfwörter parat. Durch Erzählungen meines Kindes weiß ich auch von Handgreiflichkeiten - nicht unserem Kind gegenüber aber sonst eben.
Auch dieser Junge ist adoptiert, die "neuen" Eltern sehr liebevoll und megageduldig.
Am Ende der Kigazeit war es immer noch ein wilder Junge, aber er hat seine Aggressionen zunehmend unter Kontrolle. Die Erzieherinnen sind liebevoll aber konsequent mit dem Jungen umgegangen. Sie haben oft und viel mit ihm geredet und ihm sein Verhalten aufgezeigt. Von Strafmassnahmen gegen ihn habe ich nichts mitbekommen.
Mir hat sehr geholfen, dass die Eltern mir erzählt haben, dass der Junge hochbegabt ist und mir einen kleinen Einblick in dessen Lebensgeschichte gegeben haben. Dadurch habe ich immer Verständnis für den Jungen, die Eltern und auch die Erzieher gehebt. Auch wenn es nicht immer leicht war.
Gegen Ende der Kigazeit unserer Tochter, haben die beiden sogar miteinander öfter friedlich gespielt. _________________ LG Anja
"Die beste Zeit, einen Baum zu pflanzen, war vor zwanzig Jahren. Die nächstbeste Zeit ist jetzt." - Aus Uganda |
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joeymc Sponsor 2010/2011

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 17.09.2009 Beiträge: 1539 Wohnort: Hessen
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Verfasst am: 14.12.2009, 20:46
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Bei uns kann man für ganz schwere Fälle stunden oder auch Tageweise Integrationshelfer über den sozialtherapeutischen Drehpunkt bekommen, dann muss aber irgendein Förderbedarf festgestellt sein. Ansonsten haben wir eine i-Gruppe im KiGa, mit einer zusätzlichen Erzieherin, die such schon mal ein anderes schwieriges Kind mitbetreut.
LG
Joey _________________ veni, lusi, fugi
(Ich kam, scherzte und floh - mein Sohn Nr 1 (mit damals 13) über die Schule ) |
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luna Sponsor 2010/2011

Anmeldungsdatum: 16.08.2005 Beiträge: 473 Wohnort: Südostbayern
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Verfasst am: 14.12.2009, 22:26
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Hallo,
ist zwar nicht im Kindergarten, aber eine ähnliche Geschichte.
Wir haben einen ähnlichen Jungen hier im Dorf, Hexlein ging mit ihm in die gleiche Grundschulklasse.
Auch dieser Junge ist adoptiert (soweit mir bekannt als Baby aus Bosnien, wo seine Familie umgekommen ist), seine Adoptiveltern sind nett, aufgeschlossen, geben sich Mühe, es gibt auch noch einen jüngeren, ebenfalls adoptierten Bruder. Am hiesigen Umfeld kann es eigentlich nicht liegen, es gibt einen integrativen Kindergarten und die Grundschule ist eigentlich recht friedlich - bis auf Einzelfälle wie ihn, J.
Den Umgang der Grundschule mit diesem Jungen, der bei negativen Erlebnissen leicht ausrastete, schlug und auch wenn er relativ friedlich war, am Tisch permanent Unruhe verbreitete, fand ich erschreckend hilflos. Pädagogische Helfer hat es in der Klasse nie gegeben. Nach einem schwereren Vorfall wurde J. für einige Tage vom Unterricht ausgeschlossen, ansonsten wurde oft gedroht, er dürfe bei anstehenden Ausflügen, Klassenfahrten oder Schullandheimaufenthalten nicht mitfahren - mitkommen durfte er dann allerdings "gnadenhalber" dann meist doch. Fragwürdig und dazu wirkungslos, das Ganze.
Jetzt ist er in der 6. Klasse der hiesigen Hauptschule. Den aktuellen Stand kenne ich deswegen nicht.
Ich finde seine Geschichte auch traurig, aber die Hilflosigkeit der Schule war erschreckend. _________________ Viele Grüße von
luna |
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June Sponsor

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 22.09.2007 Beiträge: 281 Wohnort: Schleswig-Holstein
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Verfasst am: 15.12.2009, 15:07
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Hallo Jenny,
ich möchte gerne auf zwei Dinge antworten:
1. Zu Deiner Annahme, dass die genetische Ausstattung des Kindes die größte Rolle spielen wird bei seinen Auffälligkeiten.
Da kann etwas Wahres dran sein, wenn man aber bedenkt, wie die Entwicklung eines Babies/Kleinkindes so vor sich geht, dann glaube ich bei solchen Kindern eher an eine frühkindliche Traumatisierung.
Das Kind ist als Baby aus seiner Familie herausgenommen worden. Das passiert nur in Notfällen, eine Adoption danach auch nur dann, wenn die Familie kein Interesse mehr an dem Kind hat.
Die Annahme liegt nahe, dass das Kind in frühester Kindheit die Erfahrungen von Vernachlässigung/Misshandlung/Missbrauch machen musste.
Die Bindungsforschung zeigt, dass die Erlebnisse, die wir in den ersten Monaten machen, extrem prägend für unser w eiteres Leben sind.
Ein solches Kind hat also nicht lernen dürfen, als Baby, dass seine Bedürfnisse angemessen befriedigt werden, dass es positiv gespiegelt wird, dass es angelacht und bestätigt und geliebt wird. Sondern es hat vielleicht Hunger, Verlassenheit, Frieren, körperliche Vernachlässigung, Schmerzen aushalten müssen.
Dann wurde es von den Eltern entfernt - d.h., die sowieso schon unzuverlässigen, trotzdem aber bisher einzigen Bezugspersonen, verschwinden plötzlich.
Je nach dem, in welchem Alter welche dieser Erfahrungen gemacht werden, kann das extrem prägend sein und jegliche Verhaltensauffälligkeit rechtfertigen.
2. Zum Umgang von Kindergarten/Schule mit solchen Kindern:
Wir hatten kurz im Kindergarten einen hochaggressiven Jungen, 1 Jahr älter als J.. Der wurde sofort von den Erzieherinnen sozusagen in 1:1 Betreuung übernommen. Sobald er ansatzweise aggressiv wurde, nahm eine Erzieherin ihn an die Hand und er musste erstmal bei ihr bleiben. Er wurde dann eingeschult, zunächst im Nachbarort, kam dann in eine erste Klasse unseres Ortes, bevor J. eingeschult wurde. Dort war er massiv auffällig, verletzte andere Kinder mit Bleistiften etc. Er kam für einige Monate in eine Kinder-Tagesklinik, wurde dort auch beschult und dann mit J. vor 1,5 Jahren wieder in der 1. Klasse eingeschult. Dort war es zunächst furchtbar. Die Jungen hatten alle Angst vor ihm, das Lernklima war sehr erschwert. Erst nach massiven Interventionen der Eltern kam es zu einer Maßnahme, die substantiell etwas brachte: Wenn er auffällig wurde (aggressiv o.a.) musste er sich in der Pause an eine Lehrkraft halten.
Da J. nach dem ersten Halbjahr diese Klasse verließ, habe ich es nicht mehr hautnah mitbekommen, wie es weiterging, aber ich höre nicht mehr viel über diesen Jungen, irgendwie schaffen sie es wohl, ihn zu integrieren.
Eine Begleitung durchs JA hatte ich übrigens angeregt, wurde abgelehnt, wird aus Kostengründen nur noch bei ernsthaften Behinderungen genehmigt...
Tja, das dazu.
Die Erfahrungen mit diesem Jungen haben mir gezeigt, wie Theorie und Praxis sich unterscheiden können. Ich bin überzeugt, der Junge hat es sehr schwer zu Hause. Und habe Mitgefühl.
Und ich sehe meinen Schulanfänger-Sohn, der Angst hat in die Schule zu gehen, weil er nicht weiß, wie er sich gegen dieses Kind wehren soll... Zwei Sichtweisen, die nur schwer kompatibel sind, wenn es von der Schule aus so wenig Valenzen gibt.
Nachdenkliche Grüße
von June _________________ mit J. (11/01) auf dem Gymnasium und S. (6/05) in der Grundschule
June |
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Drachenkind
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 04.07.2008 Beiträge: 88 Wohnort: Berlin
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Verfasst am: 17.12.2009, 10:16
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Hallo,
ich hatte mal mit einer Familie zu tun, die ein als Baby schwer traumatisiertes Kind aufgenommen hat. Im KiGa gab es ähnliche Probleme wie Ihr sie hier beschreibt.
In diesem Fall war das JA sogar involviert, aber es gab dort zu viel Kompetenzgerangel und Profilierungsbedürfnisse der Zuständigen, weshalb ich gar kein gutes Bild von dieser Organisation habe. Trotz aller Angebote/Aufforderungen der Pflegeeltern wurden fast nie Hausbesuche/KiTa-Hospitationen gemacht.....
Ich kann nur June zustimmen: man muß die Geschichte dieses Kindes ernst nehmen und sich klar machen, daß eine so verletzte Seele eben lange zu kämpfen hat, oft lebenslang.
Tut mir nur einen Gefallen: laßt die Adoptiveltern nicht im Stich! In dem Fall, den ich kenne, waren die Eltern, die so Großes leisteten um dieses Kind zu retten, total isoliert. Die Bedürfnisse des Kindes wurden darüber hinaus von den Erzieherinnen der KiTa nicht nur ignoriert und ausschließlich als Störfaktor behandelt, die Eltern wurden schließlich sogar für ihren engagierten Einsatz angefeindet. Wohl aus Angst, die begleitende Therapie könnte ihre Arbeit anzweifeln, aber da kann ich nur spekulieren. Am Ende wurden das Kind und die Eltern so lange provoziert, bis sie schließlich das Kind aus der KiTa herausnehmen mußten. Ein unglaubliches Armutszeugnis, das mir bis heute stellvertretend für die Eltern und vor allem für das Kind wehtut. In einer idealen Welt hätten wir anderen Eltern uns wohl aufschwingen müssen, uns mit den Eltern solidarisch zeigen, die KiTa-Leitung oder besser die Kommune unter Druck setzen usw. Da haben wir aus heutiger Sicht versagt.
Zur Frage, was soll man mit solchen Kindern anstellen? Ich denke, hier hört der Bereich der normalen elterlichen und erzieherischen Betreuung auf und es beginnt der Bereich, in dem auf jeden Fall SEHR GUTE professionelle Hilfe herangeholt werden muß. Allerdings muß diese Hilfe natürlich in allen Bereichen nicht nur toleriert, sondern auch aktiv unterstützt werden. Bloß scheitert das eben oft an den Erwachsenen, die ihre Machtposition/ihr Erziehungskonzept/ihre heile Welt gefährdet sehen.
Ehrlich, mir kommt heute noch die K....ze hoch, wenn ich daran denke. |
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