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keks
Anmeldungsdatum: 21.10.2009 Beiträge: 9
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Verfasst am: 26.03.2010, 00:03
Titel: Impulskontrolle, Frustrationstoleranz |
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Hallo an alle!
Ich muss mal hier mein Herz ausschütten. Mein Sohn J. (7 Jahre) ist hochsensibel und so lange ich denken kann auch auf ganz bestimmte Art anders als die anderen Kinder. Er zeigt fast alle hier so oft beschriebenen Eigenarten. Besonders schlimm ist es im sensorischen/emotionalen Bereich. Kognitiv ist er durchaus super und ich und sogar die Lehrerin vermutet sogar eine Hochbegabung.
Ich möchte hier mal einen markanten Vorfall schildern, der sich öfter mal wiederholt und ich habe das Gefühl mein Sohn leidet dann schon sehr darunter.
Es ist heute in der Schule passiert. J. spielt Fussball in der Pause mit einem Klassenkameraden. Dann muss er irgendwie hingefallen sein.
Er hat gebrüllt wie am Spiess. Das ist ja noch normal. Aber so richtig weh getan hat er sich nicht. Die Lehrerin hat mir das so beschrieben.
Er sei ganz aufgelöst gewesen, weil seine Hose dreckig war. Dann hat er sich die dreckige Hose im Affekt heruntergezogen und hat gemeint er sei blind (weil er wohl irgend ein Hindernis nicht gesehen hatte und darüber gestolpert ist) Er muss wohl ziemlich lange so gebrüllt haben. Anschließend ist er reingegangen und hat mit dem Kopf gegen die Wand
geschlagen. Er hat sich da total reingesteigert. Solche Szenen sind immer superpeinlich. Er scheint dann so in Rage zu sein und sich nicht beruhigen zu können. Grund seiner ganzen Aufregung ist dann das "Versagensgefühl", er hat offensichtlich einen hohen Anspruch an sich selbst und ist sein strengster Kritiker. Da hilft auch kein Trost: "Ist doch nicht so schlimm". Das macht es dann manchmal noch schlimmer. Er sagt dann von sich er sei dumm o.ä. Ich stehe oft nur hilflos daneben. Dazu kommt dann das Schamgefühl gegenüber allen anderen Kindern, die ihn dann fragen, was denn los gewesen ist. Heute habe ich ihm vorgeschlagen, dass wir Sachen zum Umziehen in der Schule lassen, dann kann er sich beim nächsten Mal wenn er spielt und dreckig macht umziehen. Das fand er irgendwie toll. Aber warum ist das denn immer so heftig??? Ich weiss ja, dass er ziemlich pingelig ist, war er schon als kleines Kind. Kleckern ging gar nicht etc. Die Lehrerin hat nun aufgrund dieser sonderbaren Aufführungen den Verdacht auf Asperger ausgesprochen. Da habe ich aber schon alles durchgelesen und kann vieles total ausschließen. Wer kann mich denn mal trösten?? Gibt es denn eine Möglichkeit das mittelfristig in den Griff zu bekommen?? Ich bin zur Zeit so ratlos. Mein Sohn verliert dadurch ja an Selbstvertrauen. Ich bin sehr traurig darüber. Wer kann mich verstehen. Habt ihr Tipps ??? Ich würde mich sehr freuen!
Lieber Gruss Keks |
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joeymc Sponsor 2010/2011

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 17.09.2009 Beiträge: 1539 Wohnort: Hessen
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Verfasst am: 26.03.2010, 07:29
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Lieber keks,
wenn es dich tröstet: ich habe 2 solche Exemplare, Kopf gegen die Wand schlagen etc. aus offenbar nichtigen Anlässen. "ich bin dumm" ist Standard bei Nr2, und es wird jetzt bei ihm erst langsam besser. Nr 1 hatte den letzten schlimmen Anfall in die Richtung in Klasse 7, da gab es dann ein derartiges Trara von Seiten der Schule, dass er es seit dem im Griff hat - oder es ist sowieso eine Sache der Entwicklung.
Bei Nr 1 und 2 ist es definitiv kein Asperger, 2 war dann wegen Depressionen in Behandlung, was aber nur z.T. was gebracht hat.
Ich habe die Hoffnung, dass der Umbau in der Pubertät und die ständige Unterstützung durch uns Eltern und die Lehrer bis zum Erwachsenenalter das Problem in den Griff bekommt. Meine beiden Großen sind auch immer extrem gestresst von Lärm und größeren Menschen/Kindermengen, da ist die Haut dann dünn und die Nerven liegen blank.
Helfen kann ich dir nicht wirklich, aber du bist nicht allein!
Ich wünsche dir (und mir )Kraft und Geduld!
LG
Joey _________________ veni, lusi, fugi
(Ich kam, scherzte und floh - mein Sohn Nr 1 (mit damals 13) über die Schule )
Zuletzt bearbeitet von joeymc am 03.04.2010, 08:54, insgesamt einmal bearbeitet |
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scout

Anmeldungsdatum: 02.03.2005 Beiträge: 1774 Wohnort: ba-wü
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Verfasst am: 26.03.2010, 10:18
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hallo keks,
klar hilft es ihm nicht, wenn man sein problem in dem moment herunterzuspielen versucht. für ihn IST es ein riesenproblem, und der verlust der kontrolle ist für ihn schlimm.
am einfachsten wäre es, man könnte ihn in dieser situation möglichst umgehend in eine ruhige umgebung bringen, wo er wieder runter kommen kann, ohne dass leute auf ihn einreden oder gar ihn auslachen können.
das mit dem asperger wäre ne möglichkeit, es muss aber nicht gleich so heftig sein. habt ihr denn vorher auch schonmal den verdacht gehabt, dass er viel zuwenig kontakt mit menschen - auch mit euch eltern und geschwistern - aufnehmen kann? bezieht sich die überempfindlichkeit in dieser extrtemen form auch auf viele andere ganz normale situationen?
eine derartig übersteigerte reizempfindlichkeit könnte auch ein hinweis auf ads sein. wurde da mal was vermutet oder untersucht?
wegleugnen hilft ihm nicht. aber ihr könntet mit ihm üben, solche standardsituationen durchzuspielen bevor sie passieren. vielleicht hat er selbst ne idee, was ihm in dieser lage helfen könnte und was er dann brauchen würde. der manchmal wohlgemeinte, aber meist doch herzlos klingende hinweis "stell dich doch nicht so an wegen diesem pipifax" ist nicht hilfreich. kenn ich auch noch leider, denn wir haben auch so ein sensibelchen, allerdings nicht ganz so krass.
das mit den wechselklamotten ist ne gute idee. aber vielleicht lässt er sich auch auf spielerisches training ein, bei dem die sensorische integration von reizen geübt wird, die er als unangenehm empfindet. in der ergotherapie zb wird mit solchen kindern mit rasierschaum gespielt, damit sie lernen, was klebriges (aber nicht dreckiges) an den händen zu tolerieren. das ist nur ein beispiel.
wie war denn die kindergartenzeit? erzähl mal ein bisschen mehr.
gruß
scout _________________ 'It is our choices, Harry, that show what we truly are, far more than our abilities.' (Albus Dumbledore)
scout |
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jutta Sponsor
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 15.05.2005 Beiträge: 4602 Wohnort: NRW
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Verfasst am: 26.03.2010, 12:30
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Hallo keks,
ich kann einiges von dem, wie dein J. beschrieben wird, in meinem Napoleon wiederfinden. Außer dem Kopf vor die Wand schlagen, das hat er noch nie gemacht (oder doch? bin grad unsicher).
Er reagiert auch unangemessen in manchen Situationen, ich erinnere mich an einige "peinliche" Situationen im Kindergarten und auch jetzt in der Schule. In seiner Klasse ist er der Außenseiter, der durch merkwürdiges, unangebrachtes Verhalten auffällt.
Bei meinem Sohn ist bereits ein ADS diagnostiziert worden, durch seine Therapien (Ergo und Medikamente) ist es schon besser geworden, außerdem ist er ja auch älter geworden. Dennoch klären wir jetzt sein Verhalten weiter ab, denn es reicht nicht, sich auf sensibles, hochbegabtes Kerlchen mit ADS zu berufen. Irgendetwas ist da noch und so wenig ich eine weitere Diagnose möchte, so wichtig finde ich die Abklärung, damit ich mir keine Vorwürfe machen muss, etwas zu übersehen, zu ignorieren und nur mit "Alles wird gut, gib dem Kind Zeit" zu reagieren.
Es hilft wirklich nicht, die Empfindungen deines Sohnes herunter zu spielen. Damit bist du dann diejenige, die ihn auch nicht versteht. Ich fahre gut mit Verbalisieren der Gefühle (du hast dich verletzt, das ist dir unangenehm, du wolltest es nicht zerstören.... ich merke, dass du darunter leidest). Dann kommst du besser an ihn ran und kannst ihn auch beruhigen. Erst danach ist mein Sohn in der Lage, darüber zu reden. Ich habe vor langer Zeit akzeptiert, dass seine Empfindungen sehr viel stärker ausgeprägt sind und erlebt werden als es bei "normalen" Menschen der Fall ist. Badewasser darf auch nur lauwarm sein.
Denke noch einmal drüber nach, ob ihr nicht eine gute Diagnostik mit allem drum und dran versucht, inkl. IQ-Test. Dann bekommt ihr sicher viele Anregungen im Umgang mit ihm und Erklärungen für sein Verhalten, was den Lehrern und vor allem ihm auch altersgemäß erläutert werden kann.
Alles Gute
Jutta _________________ Lehre tut viel, aber Aufmunterung tut alles (Goethe)
Jutta
Einstein (3/93) und Napoleon (3/99) |
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mama antje
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 26.03.2010 Beiträge: 15 Wohnort: Land Brandenburg
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Verfasst am: 02.04.2010, 22:08
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Hallo,
helfen kann ich leider nicht - aber ich hätte eine Schulter zum Anlehnen parat. Mein Sohn ist genauso! Schon als Kleinkind ist er total ausgerastet, wenn er sich z.B. irgendwo gestoßen hat. Er fand das immer ungeheuerlich, wie sowas denn überhaupt passieren kann! Mein Gerede von "Zufall, Missgeschick, passiert eben" hat ihn nur noch wütender gemacht. Grundsätzlich hat er das schuldige Möbelstück oder was auch immer dann so heftig verdroschen, dass ich mich stets gefragt habe, warum ihm DAS jetzt nicht weh tut!!!
Wenn ich dazwischen gegangen bin und trösten oder gar pusten wollte, ist er auf mich los gegangen! Also hab ich gelernt, Abstand zu halten und zu warten, bis er sich ausgetobt hat.
Aber erklär das mal in der Schule ! *seufz*
Ich wünsche viel Kraft. Bin in Gedanken bei dir!
(Ach ja - Kopf gegen die Wand kenn ich auch. Ebenso "Ich bin sooo doof, ich bin der größte Versager der Welt ... usw.") _________________ Folge deiner Intuition - nicht der Vernunft. |
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