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HAWIK IV - woher kommen Prozentwerte?


 
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diorella




Anmeldungsdatum: 27.01.2010
Beiträge: 97

BeitragVerfasst am: 15.06.2010, 08:43
BeitragTitel: HAWIK IV - woher kommen Prozentwerte?
Antworten mit Zitat

Hallo,
weil bei unserem letzten Lehrergespräch nach dem HAWIK IV und einem IQ von knapp 140 eine Lehrerin Skepsis geäussert hat, möchte ich hier auch mal nachhaken.
Der testende Psychologe hat im Gespräch einige der gestellten Fragen (und Antworten) meines Sohnes gezeigt, um den Lehrern einen Einblick zu geben. Bei einer Frage kam dann von der einen Lehrerin: 'Diese Frage könnten 80 % der Klasse so beantworten, das sagt meiner Meinung nach nichts über höhere Intelligenz aus'.

So, und hier stellte ich mir dann auch die Frage: woher weiss man, dass die Kinder wirklich mit so hohem Prozentrang so intelligent sind im Verhältnis zu Gleichaltrigen? Es werden doch nur auffällige Kinder getestet, niemals aber alle oder so viele, dass man da eine Aussage über das Verhältnis hb und 'normal intelligent' oder 'unterdurchschnittlich intelligent' machen kann.

Weiß jemand von euch, wie diese Einstufungen zustande kommen bzw. wie sicher sie sind?

Freu mich auf Antworten von euch
liebe Grüße bis dahin
diorella
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ripley



Geschlecht: Geschlecht:weiblich
Anmeldungsdatum: 15.05.2010
Beiträge: 912
Wohnort: RLP

BeitragVerfasst am: 15.06.2010, 09:38
BeitragTitel:
Antworten mit Zitat

Ha! Mein Thema! (War mal während des Studiums Testtheorie-Tutorin)


Deine erste Frage: Es mag durchaus sein, dass große Teile der gleichaltrigen Population einer bestimmten Gesellschaft bestimmte EINZELNE Fragen genauso korrekt beantworten können wie Dein Sohn. Das ist aber nicht relevant, solange sie nicht die GESAMTheit der Fragen aus dem HAWIK oder zumindest aus einem der Teilbereiche genausogut oder besser beantworten können.
(Analogie: Es mag sein, dass du die 1-Million-Frage bei Wer wird Millionär beantworten könntest, das nützt Dir aber nix, wenn du nicht alle 15 beantworten kannst ...)
Es sind ja immer eine ganze Reihe von Aufgaben, aus denen dann Summenwerte gebildet werden, die DANN in die Relation zur Referenzpopulation gesetzt werden.


Zu Deiner zweiten Frage. Ich hole ein bisschen aus, ja?

Nein, es werden keineswegs nur "auffällige" Kinder getestet. Wer einen psychologischen Test entwickelt, muss diesen, lang bevor er in der "Realität" Anwendung findet, mit einem sehr umfangreichen testtheoretischen (mathematisch-statistischen) Werkzeuggkasten auf Herz und Nieren prüfen.

Er muss nachweisen ...
a) Dass der Test das misst, was er messen soll - Validität (zum Beispiel, indem man die Testergebnisse einer bestimmten Personengruppe aus diesem Test mit denen aus einem anderen Test oder einem realen Kriterium vergleicht, der/das für DIESELBE Personengrupe erhoben/erfasst wurde)
b) Dass der Test ZUVERLÄSSG misst, was er messen soll, als relativ unbeeinflusst ist von (vorrangig statistischen) Messfehlern und Störeinflüssen - Reliabilität
c) Dass die Testergebnisse unabhängig von der Person des Untersuchenden erhoben werden können - Objektivität
Ein Rorschach-Test z.B., also dieses Tintenklecks-Dingen, ist stark abhängig davon, WIE der Untersucher die Antworten bewertet, eine Mutiple-Choice Aufgabe, die etwa das Ergebnis aus 23 x 7 abfragt, ist viel objektiver (klar: beide "messen" völlig verschiedene Dinge)

Gut, um einen Test, gerade einen HAWIK, soweit zu validieren, dass er von Diagnostikern tatsächlich angewendet wird, wird er zunächst in allen möglichen Altersstufen, Gesellschaften und Gesellschaftsschichten, in "unauffälligen" und "auffälligen" Stichproben - meist parallel zu anderen IQ-Tests, u.a. auch den Vorgänger-HAWIKs - angewendet und es wird geguckt, inwieweit die Ergebnisse kompatibel sind mit dem, was man bisher über diese Stichproben weiß bzw. mit den Ergebnissen der anderen Tests.
Einzelfragen, die schwammig, ungenau etc. sind, werden währenddessen herausgenommen, verändert, woanders hinsortiert etc. Und dann wieder in die Validierung gegeben.

ERST DANN werden die Ergebnisse des neuen HAWIK von der Psychofuzzi-Gemeinschaft als hinreichend valide angesehen werden, ERST DANN wird er tatsächlich zu diagnostischen Zwecken eingesetzt.

Ist so ein bisschen wie im Automobilbau der Erlkönig, der ja auch erst unter allen möglichen und unmöglichen Situationen seine Fahrtüchtigkeit beweisen muss, ehe er in Serie geht und auf öffentlichen Straßen fährt.

Klarer?

Edit: Wenn Du magst, guck u.a. auch hier rein http://elib.suub.uni-bremen.de/diss/docs/00011510.pdf
(Ist aber ziemlich mathematisch und fachsprachlich, also für den Laien sicher kein Lesevergnügen)
_________________
LG
Ellen
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diorella




Anmeldungsdatum: 27.01.2010
Beiträge: 97

BeitragVerfasst am: 15.06.2010, 17:48
BeitragTitel:
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Das war ja ein 'Volltreffer' für mich, dass gerade du mir geantwortet hast!
Prima, damit kann ich was anfangen, evtl. sogar in Kopie der Lehrerin zeigen...
Also vielen herzlichen Dank an Dich und liebe Grüße
Diorella
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ripley



Geschlecht: Geschlecht:weiblich
Anmeldungsdatum: 15.05.2010
Beiträge: 912
Wohnort: RLP

BeitragVerfasst am: 15.06.2010, 19:49
BeitragTitel:
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Sei damit bitte vorsichtig!
Die Lehrerin hat natürlich nicht Psychologie studiert und kennt sich mit Testtheorie demenstprechend nicht aus. Das ist klar, geht auch aus ihren Anmerkungen hervor.

Wenn jetzt aber Du kommst und irgendwas von Dir gibst, was sie verstehen könnte (!) als: "Ätsch, Frau Lehrerin, da haben Sie aber Quatsch geredet / da haben Sie ja keine Ahnung von / da haben Sie das Wesen eines insgesamt seit 70 Jahren in vielen Ländern angewendeten und immer weiter entwickelten Testverfahrens nicht verstanden / etc." ...

... dann stimmt das zwar alles inhaltlich, kann aber ganz, ganz bös ins Auge gehen, nämlich dann, WENN sie es so versteht. (in meiner Erfahrung tun gerade Grundschullehrer das gerne ...) nein

Denn auch DU bist Laie (mehr noch als sie, sie wird vermutlich irgendwann einen simplen Psychologie-Schein gemacht haben, machen die meisten Pädagogen und denken dann, sie hätten dasselbe Wissen wie ein Dipl-Psych.) UND Du bist in gewisser Weise "Gegner", du willst nämlich, dass sie auf Dein Kind besser / adäquater eingeht.

Wenn Du Pech hast, wird sie richtig angenervt sein. Und dann wird ihr Ärger darüber dann keineswegs Dir gegenüber geäußert, sondern geht direkt auf Deinem Kind runter. Ich hatte dieses Pech schon. Und das war nicht witzig.


Ganz, ganz heißer Tipp: Schick euren Psychologen vor. Der ist ja qua Profession a) Experte, b) objektiv. Und wissen muss er das auch alles, das lernt man im Studium oft genug
_________________
LG
Ellen
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joeymc
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Beiträge: 1539
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BeitragVerfasst am: 16.06.2010, 07:22
BeitragTitel:
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@ripley
Zitat:
die meisten Pädagogen und denken dann, sie hätten dasselbe Wissen wie ein Dipl-Psych.)

Da muss ich kurz eine Lanze für die Pädagogen brechen: Die Lehrer-Gewerkschaften fordern schon seit Jahren eine bessere psychologische Ausbildung, und die Pädagogen, die ich kenne (nur so ungefähr 300 insgesamt, keine relevante Stichprobe ;) ) glauben das ganz bestimmt nicht.
Es gibt auch Lehrer, die offen sind für Neues!
LG
Joey
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(Ich kam, scherzte und floh - mein Sohn Nr 1 (mit damals 13) über die Schule und wech )
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diorella




Anmeldungsdatum: 27.01.2010
Beiträge: 97

BeitragVerfasst am: 16.06.2010, 08:25
BeitragTitel:
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hallo ellen,

natürlich bin ich vorsichtig, in meiner ersten freude über deine antwort habe ich das unüberlegt hingeschrieben. muss aber auch dazu sagen, dass ich die lehrerin aus kindertagen vom reiten kenne und wir per du natürlich eher solche sachen ansprechen können, als wenn das nicht so wäre..

jedenfalls hat sich gestern ohnehin ein gespräch mit ihr ergeben und das war auch ganz erfreulich, zumindest was so in aussicht steht. jetzt bleibt (mal wieder) abzuwarten, ob dem gesprochenen auch taten folgen und ob sich dadurch dann auch für junior was verändert.

dir nochmal danke und liebe grüsse
diorella
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Tags
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