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Soziales Verhalten


 
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jenny73



Geschlecht: Geschlecht:weiblich
Anmeldungsdatum: 09.03.2011
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BeitragVerfasst am: 21.11.2011, 22:05
BeitragTitel: Soziales Verhalten
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Hallo allerseits,

ich wollte euch mal eine Begebenheit aus der zweiten Klasse erzählen, die mir jetzt wieder in den Sinn kam. Mir erscheint dabei Leos Sozialverhalten nicht normal für einen Siebenjährigen.

"Emil" ist selbstverständlich ein Pseudonym.

Also, Emil ist ein Jahr von der Schule zurückgestellt worden, folglich seinen Klassenkameraden körperlich überlegen. In der Schule war er sehr schnell auffällig. Leo erzählte schon in der 1. Klasse, wie er im Unterricht die Beine auf den Tisch legte und nicht mitmachte. In der 2. Klasse hat er andere Kinder geschlagen, in ihre Hefte geschmiert usw. Klar, dass er schnell Außenseiter war.

Leo hat er gezwungen sein Freund zu sein. Er hat ihn im Treppenhaus festgehalten und gezwungen, mit ihm zu spielen und Streiche zu machen. Dadurch ist Leo mehrfach zu spät zum Unterricht gekommen. Wochenlang hat Leo das still ertragen. Als er so gezwungen über eine Stunde zu spät in den Hort kam, ist - zuerst im Hort und am selben Abend auch zu Hause - alles unter vielen Tränen aus Leo herausgebrochen.

Zwei Tage später konnte ich mit der KL darüber reden. Sie meinte, einerseits passe das ins Bild über Emil und wegen der vielen, teils schlimmen Vorfälle sei sie gerade drüber, einen Verweis zu schreiben. Andererseits war sie erstaunt, denn "gerade heute" haben Leo und Emil ganz locker und fröhlich in den Pausen zusammengehangen, so gar nicht gezwungen.

Ich habe mir erst mal einen Tag zum Info setzen lassen genehmigt, bevor ich Leo zur Rede gestellt habe. Da war der Verweis schon ausgesprochen. Leo hat sich über den Verweis gefreut, weil das ja die gerechte Strafe für Emil sei. Andererseits meinte er: "Der Emil braucht doch wirklich dringend einen Freund. Und wenn er sich dafür mich ausgesucht hat, dann mache ich das jetzt. Ich werde ihm helfen." surprise Wenn man die beiden ab diesem Tag zusammen gesehen hat, war da wirklich nichts von Zwang zu spüren.

Im nächsten halben Jahr hat Leo seine bis dahin stabilen Freundschaften für Emil geopfert. Die wollten alle nichts mit Emil zu tun haben. Der Emil hat sich zwar etwas zurückgenommen, sein Verhalten war aber noch lange nicht o.k.. Und Leo steckte nun oft mit drin. Nach eigener Aussage wollte er Emil "zum Besseren erziehen". Wenn es ihm nicht gelungen ist, etwas zu Verhindern, dann "musste ich als sein Freund halt den Unsinn mitmachen." Ich konnte Leo nicht überzeugen, dass er das nicht tun muss, dass ihm das schadet, dass er sich lieber an seine bisherigen Freunde halten soll...

Die ganze Affäre hat sich damit erledigt, dass Emil auf die Schule für Erziehungshilfe gewechselt ist - wo es nach Aussage seiner Mama gut laufen soll. Leo ist ohne Umstände wieder in seinen alten Freundeskreis aufgenommen worden.

Leo hat - als Opfer - erkannt, dass der Täter aus eigener Not heraus gehandelt hat und wollte ihm helfen. Schon das finde ich für einen Siebenjährigen nicht unbedingt normal, eine tolle empathische Leistung, die so mancher Erwachsene nicht schafft. Dazu hat er freiwillig das als Opfer für Emil erbracht, was dieser ihm zuerst aufzwingen wollte. In meinen Augen sozial bis zur Selbstaufgabe, was ich eindeutig negativ gesehen habe.

Aber wäre sein Ansatz nicht gut gewesen, wenn er etwas Unterstützung von den Erwachsenen (einschließlich mir) bekommen hätte? Ich stelle mir vor, bei der ganzen Klasse Verständnis zu wecken. Das z.B. die KL mit der ganzen Klasse besprochen hätte, wie Emils Situation war und wie man ihm helfen könnte, sein Verhalten zu ändern.

Neuerdings ist ein anderer Junge in die Außenseiterrolle gerutscht, warum weiß ich noch nicht. Diesmal hat Leo von sich aus die Initiative ergriffen und sich diesem Jungen zugewandt, weil er ihm helfen möchte. Diesmal verheimlicht er seinen Freunden dieses Engagement, weil er nicht will dass es ihm wieder so geht wie damals mit Emil. Folglich gab es wieder Probleme, weil die beiden mal eben aus dem Hort verschwunden sind. rolleys

So kam mir die Geschichte mit Emil wieder in den Sinn. Und jetzt frage ich mich:

Ist das eine Facette von Hochbegabung?

Sollte ich meinem zu sozialen Kind etwas mehr Egoismus beibringen? Wobei er ja gerade mit dem Verheimlichen versucht, auch seine eigenen Interessen zu wahren. Mein Bauchgefühl sagt mir, ihm muss irgendwie klar werden, dass er gerade in Sachen Freundschaften seine eigenen Interessen vorne an stellt. Schließlich hat sein Bemühen um die Außenseiter klare negative Konsequenzen: Verlust von Freundschaften bzw. die Angst darum, Ärger in Schule und Hort.

Oder sollte ich ihn eher in seinem Bemühen um die Außenseiter unterstützen? Gedanklich finde ich es ja echt gut, dass er sich so um andere kümmert. Er zeigt ein Verhalten, das man sonst so oft vermisst. Wäre schade, ihm das austreiben zu wollen. Wenn er sich damit doch nur nicht selbst schaden würde. traurig

Jenny
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Sigiruna
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BeitragVerfasst am: 22.11.2011, 10:59
BeitragTitel:
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Ich finde es toll, dass dein Sohn so sozial ist!!!!!! daumen Er schadet sich damit nicht selbst - jedenfalls nicht, wenn er nicht aus lauter Solidarität selbst zum Chaoten wird. Aber da Du Leo als sehr vernünftig und zuverlässig schilderst, hoffe ich, dass er nicht zu weit geht.

Die meisten Außenseiter sind Außenseiter, weil man sie nur deshalb, um bei seinem Freundeskreis gut angesehen zu sein, links liegen lässt. Wenn Eltern das auch noch unterstützen, wird es für das betroffene Kind ganz schlimm, wie hier schon oft genug nachzulesen.
Was ist, wenn Dein Kind, warum auch immer - es kann manchmal ganz schnell gehen, ohne dass man die Gründe dafür nachvollziehen kann, zum Außenseiter wird? Würdest Du diese Einstellung dann auch unterstützen?

Wichtig finde ich, wenn Leos Hilfeversuche für Außenseiter von Erwachsenen unterstützt werden. Daher meine Frage: Habt Ihr Emil auch mal zum Spielen zu Euch nach Hause eingeladen?
Sohn war in der GS auch mit Jungs befreundet, die als schwierig galten. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass dasselbe Kind, das in der Schule als schlechter Einfluss galt, privat ein wunderbarer Spielgefährte war.
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Sigiruna
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ripley



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BeitragVerfasst am: 22.11.2011, 17:33
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Als Mutter eines langjährigen "Emils" kann ich da natürlich nicht unvoreingenommen schreiben. Aber ich beschränke mich insofern, dass auch ich vorschlage, doch mal den anderen Jungen einzuladen. Dann siehst Du selbst, WIE schräg dieser Junge unter Umständen drauf ist, und Du siehst auch, inwieweit Leo bereit und imstande ist, die Schräge auszugleichen, den anderen auch mal einzunorden.

Ansonsten zwei Begebenheiten aus unserer (Juniors) "Emil-Zeit":
1) Junior hat seit Grundschule genau EINEN Freund, einen Viertelfreund, wenn ihr mich fragt. Einen, der dann mit ihm spielt, wenn er gerade gar nichts besseres zu tun hat. Der Junge ist insgesamt nicht zwingend das, was ich mir als Idealkumpel für Junior vorstelle, aber hey, in der Not frisst der Teufel Fliegen.
Vor einigen Monaten ist dieser Freund, nennen wir ihn L., abends zum Essen bei uns geblieben. Aus welchem Grund auch immer, aber Junior hat sich bei Tisch mal wieder über irgendeinen Kleinkram aufgeregt. Kurzes "Nu komm aber mal runter. Muss man doch nicht so ein Tamtam machen" von L. - und gut war's. L. hat einfach ein Gemüt wie ein Fleischerhund und er weiß Junior zu nehmen: So etwas ist Gold wert und gleicht so manch anderen Schwachpunkt, den er in meinen Augen hat, mehr als aus.

2) Mit einem anderen Jungen, nennen wir ihn P. WÄRE Junior gerne viel öfter zusammen, auch, weil P. sehr ähnlich gestrickt ist wie Junior (auch bisl schräg, auch in Richtung ADHS, dieselbe naturwissenschaftliche Fixierung). Aber P. hat dann vor einigen Jahren den Kontakt sehr eingeschränkt, da er (P.) sonst von seinen (also P.s) Freunden gemobbt würde, wenn und weil er sich mit Junior abgibt...


MIR ist natürlich ein L. lieber als ein P.. Das ist aber nicht die Frage, die DU für DICH beantworten musst. Oder?
_________________
LG
Ellen
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jenny73



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BeitragVerfasst am: 22.11.2011, 21:11
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Sigiruna,

ja, wir waren gemeinsam mit beiden Jungs unterwegs und Emil war auch bei uns zum spielen. Mit Emil hat Leo eigentlich nur Kriegs- und Kampfspiele gespielt, auch bei ihren Unterhaltungen hörte man in jedem Satz ein Knall, Bumm oder Peng. Auf andere Themen lenken ließ sich Emil nicht, weder von Leo noch von uns Eltern. Mit Leos anderen Freunden sind Spiel und Gespräch wesentlich vielseitiger. Das Kampf und Krieg auch dort dazugehört ist für mich kein Problem - ja irgendwie jungstypisch - , aber nur so etwas?

Und Leo hat sich ja geschadet, indem er in dieser Zeit mehrfach zu spät zum Unterricht kam, Unsinn mitgemacht hat, den ich weder vorher noch nachher von ihm kannte, auch die schulische Mitarbeit sackte ab (Zensuren gab's in der 2. zum Glück nur ganz wenig). Genau an der Stelle hatte ich mein Problem und habe es auch jetzt wieder, wenn ich eine ähnliche Tendenz mit einem Emil 2 sehe.

Ripley,

Emils Mama hat die "Freundschaft" mit Leo gern gesehen. Als Emil die Schule gewechselt hat, meinte sie, ihr liege sehr viel daran, dass die Freundschaft erhalten bleibt. Soweit kann ich das sehr gut verstehen. Ich würde mich auch freuen, wenn mein Problem- und Außenseiterkind plötzlich einen Freund hat, dazu noch einen mit "normalem" Verhalten. Allerdings ist dann von Seiten Emils Familie nichts passiert um den Kontakt zu halten. An ihrer Stelle hätte ich mich da mehr ins Zeug gelegt, mit Sicherheit. ;)

Leo hat sich einfach wieder seinen alten Freunden zugewandt und nur noch selten an Emil gedacht. Er schien hauptsächlich erleichtert, diesen Konflikt zwischen den anderen Jungs nicht mehr zu haben. Ein dreiviertel Jahr später haben wir Emil nochmal zu Leos Geburtstag eingeladen. (Schön getrennt von der Feier mit den anderen Freunden, die Emil ausdrücklich nicht dabei haben wollten.) Auch da gab es wieder den ganzen Nachmittag Kriegsspiel. Eine Woche danach war Leo bei Emil zum Geburtstag und Emils Mutter meinte, die beiden hätten sehr schön miteinander gespielt. Nach Leos Angabe war es auch da Kriegsspiel. Seitdem ist nun schon wieder ein dreiviertel Jahr Funkstille.

Wir haben den Kontakt nie aktiv gefördert, weil wir die negativen Auswirkungen der "Freundschaft" auf Leo gesehen haben. Wir haben den Kontakt aber auch nie verboten oder sonst zu verhindern versucht, weil wir es schon auch richtig finden, Außenseiter einzubeziehen.

Wenn man es auf den Punkt bringen will: Wir haben uns als Eltern unentschieden verhalten und das kann nicht wirklich gut sein. Was könnten wir jetzt bei einem Emil 2 besser machen?

Leos Freundeskreis müsste irgendwie dazu gebracht werden, das Emils in ihrem Umkreis willkommen sind. An der Stelle stehe ich am meisten auf dem Schlauch, wie man das anstellen soll. Wie bricht man Vorurteile bei Kindern, die nicht die eigenen sind? Leicht wäre es dann, wenn man ein schönes Interesse von Emil kennen würde, etwas, bei dem man die Kids zusammen bringen könnte. Aber so etwas hat Emil mir nie gezeigt. Er ist immer abgedriftet in dieses Kriegsthema und Leo, der sonst so vielseitig interessiert ist mit. Ich könnte jetzt schauen, ob das bei Emil 2 anders ist.

Leo müsste für sich sinnvolle Grenzen ziehen, wie weit er mitgeht. Unsinn mitmachen, weil er Emil oder Emil 2 nicht davon abhalten kann, geht in meinen Augen nur sehr begrenzt. Zu spät zum Unterricht erscheinen oder den Hort einfach verlassen gar nicht. Daran, ob er das schaffen kann, zweifle ich, vor allem aus der bisherigen Erfahrung heraus. Und genau deshalb habe ich meine Vorbehalte gegen die Freundschaften mit Emils.

Ich glaube, weil eben dieses gleichzeitige sich Öffnen und sich Abgrenzen so schwer ist, entsteht dieses Phänomen, dass Eltern ihren Kindern am ehesten verbieten, sich mit "Rowdies" abzugeben. Die totale Abgrenzung sieht für's eigene Kind erstmal besser aus als die Gefahr, dass es sich beim Gestatten der Freundschaft zu weit mitziehen lässt. Schließlich vertreten alle Eltern die Interessen ihres eigenen Kindes, und da bin ich erstmal nicht für Emil zuständig, sondern für Leo.

Man müsste die Gelassenheit haben, Rückschläge ("Unsinn machen") in Kauf zu nehmen, weil dahinter die Zuversicht steht, Leo wird daraus lernen und in Zukunft immer besser mit den verschiedensten Emils umgehen können. Woher nehme ich die Zuversicht?

Jenny
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Sigiruna
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BeitragVerfasst am: 22.11.2011, 22:15
BeitragTitel:
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@jenny
So hört es sich schon anders an. Dauernd Kriegsspiele und Veranlassung zum Schuleschwänzen würden mir auch nicht gefallen.

An deiner Stelle würde ich mir Emil 2 angucken. Wenn sich Gemeinsamkeiten finden und die Beziehung kein einseitige Geben von Leos Seite ist, ist gut, wenn es wieder zu einer einseitigen Geschichte tendiert, solltest du Leo feste Grenzen setzen und ihm den Rücken stärken, Nein zu sagen, und ihm auch Mut machen, Dir oder anderen Erwachsenen davon zu erzählen, falls er unter Druck gesetzt wird. Du solltest ihm aber nicht sagen, dass er sich schadet, wenn er mit Emil (2) zusammen ist. Überlege lieber mit ihm zusammen, warum er gerne mit Emil zusammen ist und warum ihm das unter Umständen sogar wichtiger ist, als seine anderen Freunde.

Leo muss aber lernen, nein zu sagen zu Spielen und Streichen, die er nicht mag. Er muss begreifen, dass er seine Pflichten hat, die er nicht vernachlässigen darf, um anderen einen Gefallen zu tun. Dafür braucht er feste Maßstäbe, die Du als Mutter ihm geben kannst.

Natürlich ist es auch mal spannend, eine neue Rolle für sich auszuprobieren. Dass er nach Emils Umschulung den Kontakt nicht von sich aus sucht, spricht aber dafür, dass ihm diese Rolle eigentlich nicht gefällt. Daher braucht er Bestätigung, dass er sich nicht von Emils ausnutzen lassen muss und nicht aus sozialen Gründen verpflichtet ist, mitzumachen, was er eigentlich nicht möchte. Denn wenn sich bei Emil keine anderen Interessen wecken ließen und er nicht bereit war, sich auf Dauer auch auf Leo einzustellen, dann war das keine Freundschaft. Und eine nicht vorhandene Freundschaft kann man gar nicht pflegen. Darüber solltest Du mit Leo sprechen.
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jenny73



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BeitragVerfasst am: 23.11.2011, 07:53
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Ich setze jetzt mal fort, wo ich aufgehört habe.

Woher nehme ich die Zuversicht?

Ich habe verschiedene Ängste:

1. Angst, dass Leo wegen einem Emil seine anderen Freunde verliert.
2. Nachdem ich bei Emil gesehen habe, dass Emil mehr Einfluss auf Leo hat, als Leo auf Emil: Angst, dass er irgendwann mit einem Emil zusammen total falsch abbiegt.
3. In der Summe aus 1. und 2., dass Leo selbst irgendwann ein Emil wird.

Daher kann ich keine solche Zuversicht haben. Ich glaube, das ist so eine Art Mutterinstinkt, wo man halt zuallererst für sein eigenes Kind das Beste will. Und das ist ja grundsätzlich gut (auch wenn es - das gebe ich zu - zum Leidwesen der Emils und ihrer Familien ist.)

Besser sind da... nennen wir sie Benny-Freundschaften. Benny ist ein KiGa Freund. Bis Benny in den KiGa kam, hatte Leo nur Spielgefährten, Benny war der erste Freund. Die beiden haben sich von den anderen abgegrenzt. Ich habe sie als die Außenseiter des KiGa, aber gemeinsam glücklich so erlebt. Sie hatten zunächst sehr unterschiedliche Interessen und haben sich gegenseitig in die für den jeweils anderen völlig neuen Spielwelten eingeführt. Ihr Spiel ist danach immer sehr vielfältig geblieben. Mit Benny holt Leo Spielsachen wieder hervor, die er sonst schon seit zwei Jahren nicht mehr angeschaut hat und dann spielen sie sehr schön damit.

Benny war im KiGa auch Integrationskind, aber mit völlig anderen Schwierigkeiten. Sie haben sich gegenseitig geholfen. Benny hat Leo mit großer Geduld gezeigt, wie man auf ein Klettergerüst kommt, wie man die Hose allein anbekommt. Leo hat Benny mit der gleichen Ruhe und Geduld immer wieder in Aussprache und Satzbau berichtigt, mit ihm zählen geübt.

Weil Benny in einem anderen Stadtteil wohnt, gehen sie in verschiedene Schulen. Der Kontakt wird aber von beiden Kindern und Eltern weiter gepflegt. Während wir bei Leo im Kampf gegen eine Schulrückstellung gewonnen haben, haben Bennys Eltern im Kampf für eine Schulrückstellung verloren. Vor der Einschulung stand die Sprachheilschule im Raum, aber dafür war er zu gut. In der Schule gab es Probleme. Eine ADS-Testung brachte kein eindeutiges Ergebnis. Nach einem Ritalin-Versuch verneint man ADS. Ein von der Lehrerin vermutetes LRS wurde ausgeschlossen. Benny hat die erste Klasse wiederholt. In der 2. Klasse gab es eine Prüfung wegen Lernförderschule, dafür war er zu gut. So quält sich Benny, obwohl er sie offensichtlich bräuchte, ohne wirkliche Hilfe durch die Schule. In der Schule ist Benny ein typischer Außenseiter, wie ihr euch nach der Vorstellung bestimmt denken könnt.

Benny ist gut im Sport. Er schwimmt im Verein, belegt bei Schwimmwettkämpfen vordere Plätze. Während Leo schon seit Jahren an seinen ersten 25 Metern übt. Im Verein hat Benny außerhalb der Schule Freunde - im Gegensatz zu Emil. Benny hat eine künstlerische Ader und Leo lässt sich überhaupt nur mit Benny freiwillig auf malen und basteln ein.

Wäre Benny - oder ein Benny 2 - in Leos Klasse und die beiden wären in einer gemeinsamen Außenseiterrolle glücklich, das wäre auch in Ordnung für mich. Denn bei Benny ist die Freundschaft nicht so einseitig. Bei Benny haben beide etwas von der Freundschaft. Bei Benny müsste ich auch keine Angst haben, dass Leo sein schulisches Niveau auf dessen Level herabkorrigiert, denn die beiden haben sich immer gegenseitig weiter bringen wollen und man konnte immer erahnen, dass ein vermeintliches Zurückstecken sich zu einem Gewinn für beide entwickelt hat, wobei jeder mal zurückgesteckt hat. Die beiden hätten bestimmt sogar - in Fortsetzung des KiGa - so etwas wie eine gegenseitige Lernpatenschaft.

Wenn sich nun Emil 2 als ein Benny 2 entpuppt... dann wäre es in Ordnung für mich, die Freundschaft zu unterstützen. Dann würden sich auch Spiele für einen gemeinsamen Spielenachmittag finden, wo sich Benny 2 und Leos Freunde beschnuppern könnten. Danach gäbe es keinen Grund mehr aus dem Hort abzuhauen. Und wenn Emil 2 eigentlich ein Benny 2 ist, gäbe es auch keinen anderen Unsinn, der den üblichen Rahmen so sprengt, wie damals mit Emil.

Das ist doch so eine Sache mit den Vorurteilen. Auf jeden Fall muss dieser neue Freund bald mal zu uns kommen, damit wir ihn näher kennenlernen.

So klar wie gestern Abend und jetzt beim Aufschreiben habe ich mir das Ganze noch nie gemacht...

Jenny
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Mausi



Geschlecht: Geschlecht:weiblich
Anmeldungsdatum: 28.09.2009
Beiträge: 70

BeitragVerfasst am: 23.11.2011, 11:57
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Hallo,

ich möchte kurz über eine Konstellation aus unserer Klasse berichten, vielleicht findet jemand hier Parallelen oder Anhaltspunnkte für eine Erklärung.
Juniors bester Freund vom letzten Jahr ist auch hochbegabt, gilt als Musterschüler, Sozialverhalten - absolut tadellos, schulische Leistungen - auch. Sportlich, künstlerisch, sprachlich, mathematisch - überall herausragend, sehr höflich Erwachsenen gegenüber, sehr brav zu Hause und, und, und...

Ein Traumkind, welches ich persönlich auch sehr mochte. Junior hat sich von ihm nicht freiwillig distanziert, sondern das wurde von den Eltern des Musterschülers beeinflusst, wahrscheinlich war ihnen Junior nicht brav genug (obwohl er eigentlich in den Augen aller Lehrer ein gutes, für ein jüngeres Springerkind normales Verhalten hat, mit gelegentlichem Hang zur Clownerie). Das haben wir akzeptiert.

Dieses Jahr beobachte ich bei dem Ex-Kumpel ein komplett anderes Verhalten. Die schulischen Leistungen sind immernoch top, aber wie ich von Junior und anderen Eltern höre, hat sich sein Sozialverhalten enorm verändert. Er hat sich zum besten Freund den auffälligsten Schüler der Klasse genommen und hat sich an jedem möglichem Unfug mit sichtbarem Vergnügen beteiligt. Er hat sich auch geprügelt, gegen die Schulregeln merhmals verstoßen und die ersten Verweise bekommen. Seine Eltern sind wieder entsetzt, aber das Kind lässt von seinem neuen Freund nicht. Dieses auffällige Kind hält sich an keine Regeln und Absprachen, ignoriert Abmahnungen und lässt sich nicht belehren. Dadurch hat es sich selbst in die Außenseiterrolle gebracht, weil alle Eltern von Kindern, die ihn mal nach Hause eingeladen hatten, nichts mehr von ihm wissen wollten - er hatte Wohnungen, Keller und Gärten verwüstet, nicht ohne die Beteiligung des Gastgeberkindes, aber das haben die Eltern als schlechten Einfluss betrachtet und den Kontakt eingeschränkt.

Was ich dazu meine, ist:
Offenbar ist selbst das bravste und sozialste Kind irgendwann der Musterkindrolle leid, es bekommt auch mal das Bedürfnis, das Grenzenüberschreiten auszutesten, dazu zu gehören, auch wenn das zu Hause nicht so gut gesehen wird. Vielleicht brauchen die Kinder auch mal die Erfahrung, so wie die anderen zu sein und auszuprobieren, wie das ist, unartig zu sein. Das gehört auch zum Erwachsenwerden, und im Alter von acht Jahren fängt es an, glaube ich.
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grünergeist
Quiz-Gewinnerin



Anmeldungsdatum: 21.05.2005
Beiträge: 2644

BeitragVerfasst am: 23.11.2011, 12:49
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Ich sehe es ähnlich wie Mausi. Für ein immer braves, vernünftiges Kind ist eben verlockend auch Unsinn zu machen und wenn es die "Schuld" oder die Initiative auf andere abwälzen kann, umso bequemer. Dann noch Punkte sammeln indem man "dem anderen helfen" will, ist dann richtig clever.
Das klingt jetzt ein wenig als ob das total berechnend wäre, aber ich halte es für normal für Kinder solche Möglichkeiten auszutesten.
Daß sich Eltern gegenüber Feundschaften eher neutral verhalten, finde ich in Ordnung. Die Freunde müssen sie schon selber finden, die richtigen Kriterien mit unserer verbalen und vorgelebten Unterstützung auch. Das Verhalten ist jedoch ohne Freund zu beurteilen. Ausreden wie "die anderen haben auch" gelten bei mir jedenfalls nicht, wenn geistlein Mist macht, muß sie dafür gerade stehen, egal wer dabei war. Wobei es ja gewöhnlich um Blödsinn geht, nicht um Verbrechen.

Geistlein wurde auf ihrer vorigen Schule gerne von sogenannten "braven" Kindern ausgegrenzt, die wie die von sich selbst überzeugten Eltern der Meinung waren, manches macht "man" nicht und so jemand ist "schlecht". Dieses Verurteilen ist m.E. das richtig Schlimme und diese Kinder werden noch Schwierigkeiten bekommen, wenn sie irgendwann mal die als "schlecht" gelernten Seiten in sich entdecken und damit nicht umgehen können, nicht zufällig ist diese "gebildete" Schule auch durch Drogenvorfälle u.ä. bekannt.

Ich kann nur sagen, bewerte den Mist, den Achtjährige machen,auch vor Leo nicht über, bestärke ihn in seinem vernünftigen Verhalten und laß ihn sich seine Freunde suchen, ohne den "Zwang" Sündenböcke für Blödsinn zu finden.

Nur am Rande: Geistlein hat mir jetzt den Baum gezeigt auf den sie vor einem Jahr geklettert war, als sie die Situation in der Klasse nicht aushielt: Ein richtig großer Straßenbaum mit der ersten Astgabel in etwa 3 m Höhe. Frag mich nicht, wie sie da hoch gekommen ist. Kein Wunder, daß die halbe Schule in heller Aufregung war und der Klassenlehrer mir am Telefon fünfmal dasselbe sagte und wohl meinte ich nähme das nicht ernst genug.
Gut, daß ich das nicht zu dem Zeitpunkt wußte! Ich hatte so einen normalen, dort erlaubten Kletterbaum aus der Grundschule vor Augen und kenne ihre Klettervorliebe und -fähigkeit. So konnte ich ganz objektiv mit ihr über das Verhalten reden, ohne den Blödsinn überzubewerten und ihr nächster Zufluchtsort in einer ähnlichen Situation war die Schulbibliothek.
Die "braven" Kinder fanden dieses Verhalten unmöglich und trotzdem wurde geistleins sportliche Leistung bewundert - dieser Konflikt wäre dann zu diskutieren, nicht nur das "böse" Verhalten bequem zu verurteilen.
_________________
Falls Freiheit überhaupt irgend etwas bedeutet, dann bedeutet sie das Recht darauf, den Leuten das zu sagen, was sie nicht hören wollen. [George Orwell]
grünergeist
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jenny73



Geschlecht: Geschlecht:weiblich
Anmeldungsdatum: 09.03.2011
Beiträge: 83
Wohnort: Sachsen

BeitragVerfasst am: 23.11.2011, 22:33
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Hallo,

dass Leo uns alle austrickst, um ungestraft über die Stränge zu schlagen, ist noch ein ganz neuer Gesichtspunkt. Zuzutrauen wäre ihm so eine Berechnung durchaus. Allerdings ist er ziemlich schlecht darin, zu lügen oder sich zu verstellen, daher hätte er es nicht geschafft, das von mir unbemerkt durchzuziehen. Außerdem haben wir es Leo nie durchgehen lassen, wenn er ein anderes Kind als Sündenbock vorschieben wollte, diese Nummer hat er mit Emil gar nicht erst versucht. Leo wusste da schon, dass er für seine Fehler selbst verantwortlich gemacht wird. Leo hat zwar erklärt, er habe Emil nicht abhalten können und deshalb mitgemacht, seine Strafe hat er aber ohne Klage und Rechtfertigungsversuch akzeptiert.

Ein Musterknabe ist Leo auch ohne Emils nicht, eher ein ganz normaler Junge im GS-Alter, bei dem natürlich auch mancher Blödsinn dazugehört. Wenn es aber zu krassen Grenzüberschreitungen kommt und klar ist, dass das immer nur mit demselben Freund passiert, dann ist es wohl besser, ich sage ihm ganz klar: "Diese Freundschaft ist derzeit unerwünscht, weil ..., ich kann sie aber akzeptieren, wenn sich ... ändert."

Jedenfalls besser, als wenn das Kind von seinen Eltern unklare Signale erhält, weil es ihre unguten Gefühle bemerkt, sie aber trotzdem die Freundschaft tolerieren wollen. So muss es Leo mit uns gegangen sein, als er Emil hatte.

Jenny
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jojo



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Anmeldungsdatum: 19.09.2009
Beiträge: 264

BeitragVerfasst am: 25.11.2011, 10:26
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Hallo Jenny,

ich würde mich als Mutter schon in so eine Helfer-Geschichte einmischen, da dieses Helfen-wollen Kinder auch überfordern kann und dass zu echter Hilfe eben auch gehören würde, dem Freund mal zu sagen. »Das mache ich nicht mit, ist mir zu gefährlich/blöd, lass du das doch auch besser.« Das »Mitmachen« bringt so viele Schwierigkeiten, je älter se werden, dass ich meinen Kinder schon im Kindergarten gesagt habe: Unsinn macht man nicht mit, entweder man ist dabei oder man lässt es. »Mitmachen« ist wirklich von Kindergartenalter bis in die erwachsene Politik hinein ein sehr vages Feld, auf dem es meist um anderes geht (andere Anstiften - dabei selbst in Sicherheit sein, Zuschauen/Wegschauen und nicht eingreifen usw.). Für mich ist Mitmachen, aus welchen Motiven auch immer, stets kein gutes, schon gar kein besseres Verhalten, als Selber-aktiv-etwas-machen.

Unsere Tochter hat übrigens auf schwierige Kinder eine sehr hohe Anziehungskraft, wohl weil sie ohne Vorurteile in jedem Kind etwas aufregendes und gutes sieht. Darum hat sie auch schon einige Freundschaften gehabt, die mir ein wenig Bauchweh machten. Irgendwann (etwa 2. Klasse) habe ich angefangen das direkt zu thematisieren, denn ich machte mir Sorgen und wollte auch, dass sie lernt sich aus unübersichtlichen Situationen heraus zu halten, bzw. nicht erst dort hinein zu kommen. Es gab da z. B. einen Jungen (anfangs auch mehrere Monate ihr Freund, bis er sie zwei mal unvermittelt und brutal gehauen hat), aus äußerst schwierigen Verhältnissen, der damals gerade ganz ohne Eltern in einer Pflegeeinrichtung lebte und sich denkbar schwer tat (mutmaßlich klaute usw) und von dem mir dann meine Tochter eines Tages ganz gelassen und detailiert erzählte, wie der andere Kinder auf dem Schulhof sexuell genötigt hat. Das kam an diesem Tag wohl im Gesprächskreis der Klasse zur Sprache. Betroffen waren vor allem zwei Jungs der Klasse, sowie einer der Parallelklasse. Meine Tochter fand das seltsam, aber nicht wirklich entsetzlich. Iich war aber alarmiert und bin mit ihr ins Gespräch gegangen, dass ich nicht möchte, dass sie sich je von jemanden zu etwas nötigen lässt und dass man auch achtsam sein muss bei der Wahl seiner Freunde, dass sie weiterhin freundlich zu ihm sein soll, sich aber bitte nicht zu irgend solchen Spielen überreden lassen soll usw. Wir bemitleideten beide den Jungen aber ich machte ihr auch klar, das Mitleid überhaupt keine Grundlage für eine Freundschaft sein kann, schon weil diese dann immer unausgeglichen ist. Der Mitleid empfindende erhebt sich über den anderen, so ist die Achtung und der Respekt, die zu einer Freundschaft beidseitig gehören, nicht gegeben. Mitleid ist gut und wichtig, aber wenn man einen Menschen in erster Linie bemitleidet, sollte man sich ihm gegenüber immer freundlich und immer fair verhalten, aber das nicht mit Freundschaft verwechseln, nur weil man auch mal Spaß zusammen haben kann. Zu einer Freundschaft gehört echte Sympathie, Respekt und Vertrauen. Man schadet meiner Ansicht auch auch dem anderen, wenn man ihm, von Mitleid beeinflusst, das Gefühl gibt gut befreundet zu sein, das muss irgendwann zu einer Enttäuschung führen. Wie du an unserem Beispiel siehst, kann so etwas auch ganz schnell die Urteils- und Handlungsmöglichkeiten eines Kindes überschreiten.

Und ich habe durch diese Situation erkannt, dass wir Eltern auch die Pflicht haben, unsere Kinder davor zu schützen in solche Situationen zu gelangen, ihnen den Wert aber auch die Grenzen von Mitleid aufzeigen müssen, sie moralisch prägen (wer sollte das denn auch sonst tun). Wirklich bemitleidenswerten Menschen, auch Kindern, zu helfen ist eine schwere Aufgabe, selbst Sozialarbeiter, die erwachsen sind und einen professionellen Umgang damit gelernt haben, tun sich bekannter Maßen nicht leicht damit, immer die nötige Distanz zu wahren. Kinder aber müssen m. E. in erster Linie lernen, Menschen und Situationen einzuschätzen und im Zweifel immer lieber eine höfliche Distanz zu wahren, um sich und andere zu schützen.

Wenn man sich blind über die Empathiefähigkeit seiner Kinder freut (das ging mit anfangs eben auch so), woher weiß man dann, welche Situationen gefährlich werden, in welchen sie sich (ob absichtlich oder nicht) mit schuldig machen, wo zieht man die Grenze?

Später kam wieder so ein Junge vorübergehend in ihre Klasse und wieder war sie eine der wenigen / die einzige, die ihm gegenüber kein Misstrauen oder Verachtung empfand (alle anderen Kinder schoben jeden Diebstahl sofort auf ihn, ist ja auch leiht, wenn sie wissen, hinter dem Kind stehen keine Eltern, die es schützen), aber diesmal ging sie zum Glück den sehr manifesten Annäherungsversuchen bis zum Schluss aus dem Weg, obwohl er sie wirklich mochte, sie die einzige war, die er nicht verkloppte... meine Tochter hat glaub ich mittler weile gelernt, dass vorurteilsfreie Achtung sehr gut und wichtig ist, einen aber nicht im Gegenzug verpflichtet, sich sofort (oder überhaupt) mit jedem zu befreunden.

Ja, das wollte ich gerne an dieser Stelle mal schreiben, da ich es ein sehr heikles Thema finde, wie weit ein Mensch in seinem »Mitleid« geht. Finden meine Kinder einen Außenseiter, der nicht brutal ist, über lange Zeit nett und interessant, habe ich überhaupt nichts gegen eine Freundschaft, so etwas hat sich bei ihnen auch schon entwickelt. Mitleid haben sie mit dem Freund dann auch nicht so viel, sondern echtes Interesse. Denn gerade der Große hat sich manchmal selbst als Außenseiter empfunden und weiß, dass es nicht immer die anderen sind, die einen dazu machen.
Sie wissen mittlerweile, dass Mitleid in meinen Augen sehr wichtig im Alltag, aber für Freundschaften ein ganz unbrauchbares Kriterium ist und »Mitmachen« von je her eine der blödesten Ausreden für so ziemlich alle Missetaten ist, die im Grunde nur etwas darüber sagt, wie wenig Verantwortung einer für sein Handeln übernimmt. Verantwortungsbereitschaft ist aber eine wirklich wichtige Sache, so wichtig, wie Mitgefühl und daraus erklären sich auch die Grenzen: das Mitgefühl muss da aufhören, wo das eigene Verantwortungsgefühl anfängt. Ganz banal: mit dem mitleidigen Zuschauen muss ein Mensch spätestens dann aufhören, wenn er spürt, dass er für das Gesehene nicht mehr die Verantwortung tragen kann. Dann muss er handeln, eingreifen, dann ist Hilfe nötig, Mitgefühl hin oder her.

liebe Grüße,
jojo
_________________
jojo (00/02)
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grünergeist
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Anmeldungsdatum: 21.05.2005
Beiträge: 2644

BeitragVerfasst am: 25.11.2011, 15:52
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Ich halte so ein Verhalten in diesem Alter nicht für ein bewußtes Austricksen der Eltern ebensowenig wie ich einen direkten Zwang (deswegen in Anführungszeichen) unterstelle. Die Kinder folgen eher den Ansprüchen oder Wünschen der Eltern an ein "vernünftiges " Kind, wollen dem gerecht werden und stoßen an ihre Grenzen oder geraten in Konflikt mit ihren Wünschen und versuchen alles unter einen Hut zu bekommen.

Jojo, du kannst das sehr gut ausdrücken. Natürlich müssen wir Eltern den Kindern in solchen Situationen aktiv beistehen, nur Verbote halte ich für wenig sinnvoll, da sie den Konflikt im Kind unter den Tisch fegen und eine Sache erst interessant machen.

Kinder hätten gerne ein schwarz-weiß Bild, was richtig ist und was falsch, (ich fänd das auch bequemer, aber so ist die Welt nun mal nicht) den Umgang mit Nuancen müssen sie erst lernen.
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Falls Freiheit überhaupt irgend etwas bedeutet, dann bedeutet sie das Recht darauf, den Leuten das zu sagen, was sie nicht hören wollen. [George Orwell]
grünergeist
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