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Unbeliebtes Nachbarskind


 
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Ylva




Anmeldungsdatum: 18.08.2010
Beiträge: 199

BeitragVerfasst am: 18.06.2012, 16:20
BeitragTitel: Unbeliebtes Nachbarskind
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Hallo miteinander,

wir haben hier eine nette Kleine-Jungs-Bande (nicht negativ!), die sich aus den Erstklässlern unserer Straße rekrutiert. Ältere und jüngere Kinder - auch Mädels - werden gerne zum Spielen eingeschlossen, es ist ein lustiger Haufen. Nur ein Kind wird von allen gemieden und aktiv weggeschickt. Mit diesem Kind will auch keiner zur Schule laufen. Ich habe meine Knaben dazu verdonnert, es auf dem Schulweg zu akzeptieren und sie auch gelegentlich genötigt, es im Haus oder Garten zum Spielen dazukommen zu lassen.
Das betreffende Kind ist nicht unfreundlich, im Vergleich zu allen anderen sogar sehr höflich. Es hat aber ADHS und nervt alle Beteiligten unsäglich. Es stört das ansonsten sehr harmonische Spielgefüge durch seine laute und aufdringliche Art. Ich muss ehrlich sagen, dass mir das Dauergequassel auch sehr auf den Senkel geht. Meine Knaben sind schon genervt, bevor sie morgens die Haustür aufmachen, weil das Kind dann schon davor steht.

Jetzt kommt er zu mir und will wissen, ob er mit den anderen in unserem Garten mitspielen darf. Wenn die ihn nicht lassen, kommt er wieder zu mir, damit ich den anderen sage, dass er das darf. Bisher habe ich die Rasselbande immer dazu angehalten, dass er mitmachen darf, aber ich kann auch sehr gut verstehen, dass sie nicht wollen.

Wie geht man damit vernünftig um? Das Kind (ohne eigenen Garten) hockt nun vor unserem Gartentor und wartet auf gnädigen Einlass. Die anderen ergreifen die Flucht. Ich bin hochgradig hin und hergerissen zwischen Mitleid und Genervtsein.

Ratlos
Ylva
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grünergeist
Quiz-Gewinnerin



Anmeldungsdatum: 21.05.2005
Beiträge: 2644

BeitragVerfasst am: 18.06.2012, 18:47
BeitragTitel:
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Die Toleranz gegenüber Eigenheiten ist gewöhnlich ziemlich gering. Ich meine schon, daß Kinder andere in Gruppen zu denen alle nunmal gehören (Klasse, Straße) mitmachen lassen sollen, wenn sie sich an Spielregeln halten. Das kann man einfordern.
Wegschicken, weil die "Art" nicht passt ist egozentrisch, entspricht aber natürlich dem individualisierten Leistungsprinzip (Alles so wie es für mich am besten ist, Gemeinschaft ist untergeordnet).
_________________
Falls Freiheit überhaupt irgend etwas bedeutet, dann bedeutet sie das Recht darauf, den Leuten das zu sagen, was sie nicht hören wollen. [George Orwell]
grünergeist
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Syringa



Geschlecht: Geschlecht:weiblich
Anmeldungsdatum: 14.01.2012
Beiträge: 117
Wohnort: Elbflorenz

BeitragVerfasst am: 18.06.2012, 19:04
BeitragTitel:
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In unserer Nachbarschaft gibt es ein ähnliches Kind (gut 2 Jahre älter als meiner). Nur das diese Familie auch einen eigenen Garten hat. Aber deren Sohn hatte auch vor unserer Gartenpforte den Belagerungszustand ausgerufen.

Mein Sohn spielte anfangs ganz gern mit diesem Jungen, mittlerweile ist er vorwiegend genervt von ihm (und ich mit; dieses Kind hat auch keinerlei Regeln vermittelt bekommen, er grüßt z.B. nicht und bedient(e) sich ungefragt an meinem Kühlschrank).

Unser Kompromiß lautet so: ein bis zwei Mal die Woche können die beiden für je eine Stunde gemeinsam bei uns im Haus/Garten spielen, danach ist Schluß. Und zwar ganz konequent. Wenn er bei uns ist, gelten UNSERE Reglen, sonst ist die gemeinsame Spielzeit sofort beendet. Mittlerweile akzeptiert auch der Nachbarsjunge diese Regeln.
_________________
LG, Syringa und Pfiffikus (03/08 )
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ripley



Geschlecht: Geschlecht:weiblich
Anmeldungsdatum: 15.05.2010
Beiträge: 912
Wohnort: RLP

BeitragVerfasst am: 18.06.2012, 21:18
BeitragTitel:
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Ylva, ich finde das Thema schwierig, nicht zuletzt, weil hier ja auch ein zuweilen recht anstrengender (und vorrangig deshalb zeitweise schrecklich einsamer) ADHSler lebt. Und wer aus sozialen Kontexten ausgeschlossen wird - hm, wo und wie soll derjenige zu (mehr) sozialer Sicherheit und mehr sozialem "Feeling" finden?
Das ist dann eben die andere Seite.

Inklusion um der Inklusion halber fände ich als Mutter aber auch doof. Zumal die "normalen" Kinder, wenn sie denn per orde de Mu(f)t(t)i dazu verdonnert werden, den "Auffälligen" mitspielen zu lassen, eben NICHT "normal" mit ihm spielen werden.

Syringas Lösung ist mir da wesentlich sympathischer. Und ich wünschte, Junior hätte seinerzeit Syringa als Nachbarskind-Mutti erleben dürfen. Es geht ja nicht darum, ein "über Tische und Bänke Gehen" zu akzeptieren. Es geht darum, auch den nicht ganz so einfachen Kids immer mal wieder zu zeigen: "Hey, für 'ne Zeitlang und solange (!) Du Dich an die Regeln hältst, bist Du hier willkommen."
_________________
LG
Ellen
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Ylva




Anmeldungsdatum: 18.08.2010
Beiträge: 199

BeitragVerfasst am: 19.06.2012, 00:38
BeitragTitel:
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Es sind ja nicht so sehr die "Erwachsenen"-Regeln, die nicht befolgt werden. Sondern die nicht verbal kommunizierte Gruppendynamik. Das Kind merkt einfach nicht, mit welchem Verhalten es nervt und die anderen Kinder können das auch nicht in Worte fassen. Sie gehen ihm aber soweit möglich aus dem Weg. Nach einigen Interventionen von unserer Seite aus wird er immerhin nicht mehr blöd angemacht.

Schon mir fällt es schwer, den Punkt festzumachen, aber inzwischen habe ich mit anderen Erwachsenen gesprochen, und diesen geht es genauso. Es redet am Stück und fordert jede Sekunde Aufmerksamkeit für sich allein ein. Sobald ich mich im Garten zeige, hängt es sich an mich an und betreibt regelrechten Small-Talk. Dass ich beim Unkrautrupfen in meinem eigenen Garten ganz unkommunikativ meinen Gedanken nachhängen möchte, nimmt es nicht wahr. Ich spüre ja die Verzweiflung dieses Kindes, aber meine Kinder (und ich) fühlen sich in seiner Gegenwart wirklich unwohl. Ich habe meine Kinder eine Zeitlang dazu verdonnert, es mitspielen zu lassen. Das resultierte oft darin, dass es sich, weil die Klassenkameraden es ignorierten, an den Großen dranhing, den es anscheinend bewundert. Der konnte dann aber z.B. nicht mehr Klavier üben oder seinen Mindstorm programmieren oder einfach lesen, weil sich Kind fast bei ihm auf den Schoß setzte. Und warum darf es nicht einfach zur Terassentür hereinspazieren und am Klavier spielen, wenn unsere Kinder das doch dürfen? Wenn der Große es wegschickt, taucht es bei mir im Büro oder in der Küche auf. Ob ich arbeite oder telefoniere, stört den Redefluss nicht. Man kann es auch nicht einfach reden lassen, weil es ständig Fragen stellt.

Das Kind tut mir leid und ich weiss, dass es einen schweren Stand hat. Aber ich habe auch drei ziemlich anstrengende Kinder mit vielen wilden Ideen und dazu einen Job und mein zeitliches und nervliches Kontingent ist beschränkt, so dass ich meinen eigenen Kindern individuell schon viel zu wenig Zeit widmen kann.

Syringas Ansatz ist insofern nicht anwendbar, da von meinen Kindern ja keiner mit ihm spielen will. Ich müsste es nicht zwei Stunden die Wochen erlauben, sondern anordnen. Der Mittlere macht lieber Hausaufgaben, was einiges heißen will...

Ich weiss, dass die Frage ketzerisch ist, aber wäre dem Kind vielleicht geholfen, wenn es die Medikamente auch nachmittags bekäme?

Immer noch ratlos
Ylva
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ripley



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Anmeldungsdatum: 15.05.2010
Beiträge: 912
Wohnort: RLP

BeitragVerfasst am: 19.06.2012, 07:23
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Ylva hat folgendes geschrieben:
Ich weiss, dass die Frage ketzerisch ist, aber wäre dem Kind vielleicht geholfen, wenn es die Medikamente auch nachmittags bekäme?


Oder ein retardiertes Präparat, dessen Wirkung dann bis in den Nachmittag hinein reicht?

Ich finde die Frage nicht ketzerisch. Aber ich glaube nicht, dass jemandem geholfen ist, wenn Du Dir oder wir uns diese Frage stellen oder zu beantworten suchen. Zu ADHS-Medikamenten müssen vorrangig die Eltern der betroffenen Kinder Stellung beziehen und ihren bzw. ihrer Kinder Weg finden. Dabei brauchen sie eher weniger Druck und Vorurteile, aber zuweilen durchaus Rückmeldungen darüber, wie ihr Kind mit dieser oder jener oder eben gar keiner Medikation zurechtkommt.

Hast Du denn einen Draht zu den Eltern des Jungen? Was, wenn Du Deine und Deiner Kinder Wahrnehmungen und Empfindungen dort mal im Gespräch schildertest und fragtest, welchen Rat SIE Dir geben?
_________________
LG
Ellen
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Svea
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Anmeldungsdatum: 12.04.2006
Beiträge: 4746
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BeitragVerfasst am: 19.06.2012, 08:23
BeitragTitel:
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Wenn du deinem Sohn etwas zum Thema vorlesen möchtest, dann kann ich den "Zapppelhannes" von Regina Rusch empfehlen.

Svea
_________________
Wer das Konzept der Unendlichkeit verstehen will, muss nur das Ausmaß menschlicher Dummheit betrachten.
Voltaire
Svea
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Ylva




Anmeldungsdatum: 18.08.2010
Beiträge: 199

BeitragVerfasst am: 19.06.2012, 08:23
BeitragTitel:
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Mit der Mutter komme ich manchmal etwas ins Gespräch. Sie hat noch ein Baby und der Große wird dann mittags mit Schlüssel um den Hals vor die Tür gesetzt. Ich habe den Eindruck, sie hofft auf die integrierende Wirkung unseres Gartens, in dem sich die Kinder meistens treffen (die einen, weil sie wirklich nicht im Ansatz von einem Garten träumen können, ein anderes, das niemanden in seinen Katalog-Garten hineinlassen darf, der Rest, weil unser Garten halt so zentral liegt und man darin wirklich viel machen darf). Ansonsten habe ich nicht den Eindruck, dass sie weiter weiss. Wüsste ich auch nicht... Dass ihr Kind alle nervt, ist ihr natürlich klar. Wie gesagt, besteht das Problem ja auch nicht darin, dass er andere körperlich belästigt oder Sachen wegnimmt oder andere konkrete Dinge, die man erzieherisch benennen oder verbieten könnte.

Die Medikamentenfrage anzusprechen, halte ich mich nicht für informiert genug. (Deshalb frage ich ja Euch.) Außerdem habe ich den Eindruck, dass das ein ziemliches Fettnäpfchen ist.

Gruß von Ylva
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Ernestine




Anmeldungsdatum: 18.01.2012
Beiträge: 386

BeitragVerfasst am: 19.06.2012, 13:28
BeitragTitel:
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ripley hat folgendes geschrieben:

Hast Du denn einen Draht zu den Eltern des Jungen? Was, wenn Du Deine und Deiner Kinder Wahrnehmungen und Empfindungen dort mal im Gespräch schildertest und fragtest, welchen Rat SIE Dir geben?


Das dachte ich nach einigem Mitlesen auch. Die Kinder können es der "Labertasche" nicht gut vermitteln, was sie nervt aber Dir können sie es ja anscheinend sagen. Wenn Du es nun den Eltern erklärst, damit die auf ihr Kind positiv einwirken?

Ich kenne mehrere AHDSler, die sich ihrer Außenwirkung ziemlich bewußt sind und so schonmal für Verständnis oder um Entshculdigung bitten können oder auch die Situation verlassen, wenn sie zu sehr aufdrehen.
Aber dafür muß man ja erstmal sehen, wie man wo ankommt.
_________________
Charlotte (9), Wolf (4), Frieder (2)
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grünergeist
Quiz-Gewinnerin



Anmeldungsdatum: 21.05.2005
Beiträge: 2644

BeitragVerfasst am: 19.06.2012, 14:03
BeitragTitel:
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Das Problem ist wohl, daß keine Konflikte ausgetragen bzw. artikuliert werden. Dem Kind beim Spiel zu sagen, es soll mal soundsolange die Klappe halten finde ich ok, wegschicken nicht.
Es ist die Forderung, jemand anderes soll meinen Wünschen entsprechen, ohne daß ich mir die Mühe machen muß, diese zu formulieren. Tut der andere das nicht, wird er weggeschickt, dieses Verhalten ist nicht fair und doch genau das, was vielen erst auffällt wenn die eigenen Kinder damit konfrontiert sind und nicht dagegen ankommen, weil ja keiner mit ihnen redet.
Natürlich sind andere Familien nicht die Erzieher anderer Kinder aber totale Ausgrenzung ist nicht in Ordnung und über die Mutter Toleranz unter Kindern zu regeln finde ich auch keine Lösung.
Toleranz fängt da erst an, wo etwas nervt, gegenüber etwas, das mich nicht nervt, brauchen ich keine Toleranz.
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Falls Freiheit überhaupt irgend etwas bedeutet, dann bedeutet sie das Recht darauf, den Leuten das zu sagen, was sie nicht hören wollen. [George Orwell]
grünergeist
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Tags
Garten, Kinder, Laufen, Spiele



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