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Lektüre oder "Die Leiden des jungen J."


 
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ripley



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Anmeldungsdatum: 15.05.2010
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BeitragVerfasst am: 27.08.2012, 11:49
BeitragTitel: Lektüre oder "Die Leiden des jungen J."
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Okay, ich gebe es zu: Ich habe auch unter den lehrerverordneten Lektüren gelitten. Besonders in Deutsch.
Junior geht es nicht anders.

Ich sehe ja ein, dass man sich als Schüler auch im Deutschunterricht mit Literatur zu beschäftigen hat, frage mich aber manches Mal, ob die Lehrpläne vielleicht nicht doch mit einem Hauch Sadismus erstellt werden. Ob denn wirklich grundätzlich nur Werke schulrelevant sind, die zutiefst problembeladen bis abgrundtief pessimistisch sind. Und die in einer Sprache verfasst sind, die jugendliche Leser nur abschrecken KANN. Die Abfolge der Junior in den letzten anderthalb Jahren verordneten Schullektüren lässt mich dies vermuten. Von "Damals war es Friedrich" über "Wilhelm Tell" (Herrgott, das mag noch nicht mal ICH lesen!) jetzt zu "Im Westen nichts Neues". Für jetzt 14jährige!
Fehlt eigentlich nur noch Kafka und ich kann Junior demnächst vom Fensterkreuz fummeln.

Boah - muss das sein?! Es gibt doch auch deutschsprachige Schriftsteller (ja auch literarisch hochwertige), die sich mit Themen befassen, die auch Jugendlichen etwas sagen und die dies vielleicht gar in einer Sprache tun bzw. taten, die man auch LESEN kann?
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LG
Ellen
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Ernestine




Anmeldungsdatum: 18.01.2012
Beiträge: 386

BeitragVerfasst am: 27.08.2012, 14:10
BeitragTitel:
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Die Lehrpläne geben oft ja auch wenig Spielraum... rolleys Ich habe den Eindruck, daß es nur die zwei Extreme bitterernster klassischer Stoff in altmodischer Sprache oder pseudojugendliches Denglisch mit Thema Sex oder Drogen. tocktock So in etwa wie in Musik entweder deutsches Liedgut von vor 1933 oder Rap "gesungen" wird. p
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Charlotte (9), Wolf (4), Frieder (2)
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ripley



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Anmeldungsdatum: 15.05.2010
Beiträge: 912
Wohnort: RLP

BeitragVerfasst am: 27.08.2012, 15:25
BeitragTitel:
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Wobei man beides auch überaus lehrreich und unterhaltsam miteinander verbinden kann: http://pfiffi-freundeskreis.bboard.de/board/viewtopic.php?nxu=74582471nx3749&t=103903&start=0&postdays=0&postorder=asc&highlight=goethes+faust

Warum den Faust (ein Stoff, der sich übrigens hervorragend für Teens eignet - Sex & Crime, Forscherdrang, Versuchungen ...) nicht mal SO 'rüberbringen? Und *zack* hat man die Kids doch, oder?
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LG
Ellen
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Ernestine




Anmeldungsdatum: 18.01.2012
Beiträge: 386

BeitragVerfasst am: 27.08.2012, 20:30
BeitragTitel:
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Wahrscheinlich würde sogar normales Theater reichen. ;)
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Charlotte (9), Wolf (4), Frieder (2)
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Ylva




Anmeldungsdatum: 18.08.2010
Beiträge: 199

BeitragVerfasst am: 28.08.2012, 18:46
BeitragTitel:
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In einer der benachbarten Schulen werden "Die Tribute von Panem" gelesen. Da musste ich dann doch mal tief Luft holen, auch wenn es offiziell Jugendliteratur sein soll.
Konsequent gedacht kann man das aber als modernes Pendant zu "Fahrenheit 451" und "1984" sehen, nur eben an die heutigen Fernseh-Gewohnheiten angepasst.

Mit Deutsch-Grundkurs und unmotiviertem Lehrer bin ich an den großen Deutschklassikern vorbeigeschrammt. Unsere Lektüre fand ich immer langweilig. Hängen geblieben sind folgende Erinnerungen:

Tonio Kröger: Aha-Erlebnis wegen der wunderschönen Sprache, aber total langweilige Story
Homo Faber: Fand ich so doof, dass ich ihn nicht zu Ende gelesen habe, obwohl ich eine Klassenarbeit dazu schreiben sollte.
Leben eines Taugenichts: Ich weiss zwar nicht mehr was passiert, aber ich fand ihn immerhin besser als Homo Faber, so dass ich als einzige dieses Ausweichthema bei obiger Klassenarbeit wählte.
Als spannend habe ich nur die gleichzeitige Bearbeitung der beiden Antigones (Sophokles und Anouilh) in Deutsch und Französisch in Erinnerung.
Den Prozess hatten wir auch, allerdings ohne jegliche Hintergrundinformation in der ca. 8. Klasse - in dieser Darreichungsform eine einzige Abschreckung.

Insgesamt also sehr spärlich, was bei mir hängen geblieben ist. Und ich bin eine Leseratte!

Ylva
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ripley



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Anmeldungsdatum: 15.05.2010
Beiträge: 912
Wohnort: RLP

BeitragVerfasst am: 28.08.2012, 20:19
BeitragTitel:
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Warum eigentlich hat es Hermann Hesse nie auf den Lehrplan geschafft? Weiß das jemand? Und ... gibt es etwas in der deutschen Literatur (!), das Jugendliche eher packen könnte?

Ich habe da einen Film vor Augen: Die Lehrplanverantwortlichen sitzen Jahr um Jahr mit sinsitren Gesichtern beieinander und brüten Grausames aus: "WIR mussten uns damals quälen, als quälen wir heute andere!"

aha
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Ellen
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joeymc
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BeitragVerfasst am: 28.08.2012, 23:10
BeitragTitel:
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Um den Reigen der Erinnerungen abzurunden:
Also ich MUSSTE Hesse lesen (Unterm Rad) und Brecht (Kaukasischer Kreidekreis) und Botho Strauß (! in den 80ern zeitgenössisch). Fand ich alles gruselig und freute mich in Englisch an Macbeth und The Loneliness of the Long Distance Runner. Alles andere außer Wilhelm Tell, den ich Klasse 7 (!) sehr cool fand (ich war in den Deutschlehrer verliebt, das erklärt es möglicherweise) habe ich verdrängt (ja, es gab Kafka und Dürrenmatt und Max Frisch...). Obwohl, beim Tell lag es vielleicht doch nicht am Lehrer, vielleicht mag ich einfach Schiller, Kabale und Liebe mochte ich auch, diesen Lehrer aber nicht.
Blick nach heute:
Sohnemann erlitt jetzt den Werther ("Wenn ich noch EINMAL HERZ in diesem Buch lese, reiße ich dem Autor selbiges posthum raus!") und hat als nächstes den Prinzen von Homburg, vielleicht mag er das lieber.
Nr 2 hat gelesen (in 7 und 8 ) Krabat, Die Wolke, Das Tagebuch der Anne Frank, irgendwas mit geklonten Leuten, und noch was klassisches, was weiß ich aber nicht. Für Klasse 9 warte ich noch... Aber er hat eine tolle Lehrerin, die nicht gerne Kinder quält, auch nicht mit Klassikern.
Ich weiß von einer 9. Klasse die "Das Parfum" gelesen hat, das kam ganz gut an.

Warum sind die Lehrpläne so?

Was würdet ihr aussuchen, um einen literarischen Querschnitt zu vermitteln?

Braucht man das überhaupt?

Mich hat es dazu gebracht, dass ich sogenannte "Literatur" wenn dann nur aus "Versehen" lese (und ich lese wann immer möglich und was ich erwische) - in der Bibliothek gibt es kein "literatisch wertvoll" - Schildchen, sodass ich manchmal irrtümlich so was ausleihe. Dann aber sehe ich unheimlich gerne Klassiker im Theater. Was würden meine Deutschlehrer und die Lehrplanmacher zu diesem Ergebnis sagen?

Was würdet ihr auf den Lehrplan nehmen?

LG
Joey, die gerade ein bisschen müde und wirr vor sich hin reflektiert hat
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veni, lusi, fugi
(Ich kam, scherzte und floh - mein Sohn Nr 1 (mit damals 13) über die Schule und wech )
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ripley



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Wohnort: RLP

BeitragVerfasst am: 29.08.2012, 09:46
BeitragTitel:
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Zitat:
Was würdet ihr aussuchen, um einen literarischen Querschnitt zu vermitteln?


Darüber habe ich jetzt ein Weile nachgedacht, bekomme aber bzgl. der DEUTSCHsprachigen Literatur schlichtweg nicht allzuviel zusammen.
Vielleicht wirklich den Faust. eventuell auch etwas von Kleist (den mochte ich als Teenager - Michael Kohlhaas bot prima Identifikationspotenzial, Die Marquise von O ... naja, witzg, nicht?).
Hesse, vielleicht angefangen bei Damian.

Aber dann?

Das meiste, was wir in der Schule auf/in Deutsch lasen, war fur*trocken, sprachlich reichlich bis unglaublich sperrig, und inhaltlich deprimierend bis suizidal. Ich erinnere mich an einen Band "Erzählte Zeit - deutsche Kurzgeschichten ..." [irgendwas, jedenfalls ab Kriegsende WKII angesiedelt]. Jessas, nach der Hälfte des Buches war man geneigt, sich Zyankali zu besorgern, bei Dreiviertel wollte man sich die Zyankali-Kapsel quer durch den Kopp schießen.

Im Vergleich dazu englischsprachige Autoren ... welcher deutsche Auto hat so fulminantes Sprachkönnen, solch genialischen Esprit wie Wilde? (Thomas Mann drechselt wunderschöne Sätze, aber LESEN mag man das doch eher nicht ...) Welcher deutsche Autor kann so prickelnd schaurig schreiben wie Poe? Wo im Deutschen findet man die Shakespeare'sche Leichtigkeit etwa von The Tempest oder vom Midsummer Night's Dream ? (Gut, ich habe weder Hamlet noch Macbeth gelesen.) Wo sind packende Beziehungsdramen wie in Wuthering Heights (auch WENN das Buch sprachlich nicht einfach ist aufgrund des Yorkshire-Dialekts)?

(Ach so, ich bin keineswegs zweisprachig aufgewachsen. TROTZDEM liegen mit englischsprachige Autoren - im Original - weit mehr als deutschsprachige.)

Vielleicht gibt es all das in der deutschen Literatur wirklich nicht. Vielleicht bin ich in ihr zu wenig bewandert. Aber sind an dieser meiner Enttäuschung und dem Nicht-weiter-Suchen nicht auch und gerade die Lehrpläne von damals (mit) schuld?
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LG
Ellen
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Ylva




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BeitragVerfasst am: 29.08.2012, 11:36
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Faust etc. sind ja in der Schule an mir vorbeigegangen. Inzwischen bin ich aber Fan der entsprechenden Literaturverfilmungen. Mein erster Kontakt mit Faust war die Verfilmung mit Gustav Gründgens als Mephisto: phantastisch, spannend, unglaublich. Effi Briest ist als Buch angeblich eher zäh und langweilig. Als aktueller Film spannend.
Die modernen Verfilmungen von Shakespeare-Werken bringen die Dramatik und ggf. den Witz wesentlich besser rüber als es jedes zähe Durchlesen in der Schule. Ganz abgesehen davon, dass Shakespeare auch von den unzähligen Wortspielen lebt, die man auf Deutsch schon gar nicht mitbekommt und auf Englisch auch nur, wenn man zu jeder Zeile die Anmerkungen im Anhang liest.

Mein Vorschlag wäre, für diese sperrigen Klassiker ggf. zu Beginn die Verfilmung anzusehen und dann einzelne Passagen oder Gedanken gezielt zu bearbeiten. Oder auch die Abweichungen vom Original.

Ylva
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Ernestine




Anmeldungsdatum: 18.01.2012
Beiträge: 386

BeitragVerfasst am: 29.08.2012, 13:30
BeitragTitel:
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joeymc hat folgendes geschrieben:

Was würdet ihr auf den Lehrplan nehmen?


So pauschal finde ich das wirklich schwer zu beantworten. Am besten, die Lehrer nehmen einfach ihre Lieblingsbücher, -geschichten und -stücke, dann sind sie wenigstens mit dem Herzen dabei.
Die Klassendynamik könnte auch sinnvolles Kriterium bei der thematischen Auswahl sein.

Ylvas Idee mit den Filmen (oder eben Theater!) finde ich auch gut. Statt vor den Ferien die DVD-Charts rauf und runter zu gucken, könnten es doch Verfilmungen klassischer Stücke sein - oder auch Biografien in anderen Fächern.
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Charlotte (9), Wolf (4), Frieder (2)
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ripley



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Anmeldungsdatum: 15.05.2010
Beiträge: 912
Wohnort: RLP

BeitragVerfasst am: 29.08.2012, 15:05
BeitragTitel:
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Stichwort Theater: Wirklich in Erinnerung geblieben ist mir Kabale und Liebe. OBWOHL es von unsäglichen Schiller stammt. aha
Schüleraufführung in einem gar nicht so unbekannten und defintiv auch nicht kleinen Theater. Prallevoll mit Mittelstufenschülern. Das Rama, nein, Drama! nimmt seinen Lauf, "Luisen" will sich gerade das Gift einverleiben, da schallt es, nein, brüllt es von gaaanz hinten im Zuschauerraum: "NEIN! Tu's NICHT!"
(...)

Leute, ich sehe ja ein, dass das für die Schauspieler kein Zuckerschlecken war, aber der Saal TOBTE. green green green
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Ima



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BeitragVerfasst am: 30.08.2012, 07:32
BeitragTitel:
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Herrje, eine wirklich schwierige Frage...

Ich bin auch gespannt, was mein 9tKlässler zu lesen bekommt - derzeit ist das Betriebspraktikum das Thema, also Bewerbungen schreiben, Lebenslauf erstellen etcpp... "Das Parfum" für meinen 9tKlässler fänd ich hmm interessant - ich finde dieses Buch so unglaublich großartig geschrieben, ich hoffe, dass mein 12jähriger das erfassen kann.

Ich erinnere mich aus dem De-Unterricht nur an "Räuber", "Emilia Galotti" und Konsorten. Ach und "Frühlingserwachen" natürlich, und die "Leiden des jungen W." fand ich äääääätzend, da hätte ich doch wirklich lieber den Faust gehabt! In der 5ten Klasse hatten wir "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl", das hat mein Kind auch durchgenommen, fand ich witzig.
Grundsätzlich hatte ich aber eine solche Abneigung gg diese Pflicht(-Lektüren), dass ich mich wirklich weitestgehend davor gedrückt habe - und das, obwohl ich immer eine Leseratte war. Im Nachhinein ärgere ich mich immer wieder über meine pubertäre sture Weigerung (ja, ich muss zugeben, ich war glaub ich der typische Schulverweigerer), denn ich habe später festgestellt, was für unglaubliche Bücher wir durchgenommen haben - wobei ich das v.a. von französisch sagen kann. Ich hatte in der Oberstufe einen ganz tollen Frz./Philosophie-Lehrer, der hat mit uns so Sachen wie "Maldoror's Gesänge" (ich weiß nicht, ob ihr das kennt - es ist ein unglaublich düsteres, "böses" Buch, gleichzeitig enorm anspruchsvoll und v.a. die literarische Grundlage der Surrealisten!) und so durchgenommen. Auch wn ich mich erinnere, kurz fasziniert gewesen zu sein über die unglaubliche Sprache darin, hab ich mich schnell wieder zurück in meine Verweigerungshaltung verzogen. Jahre nach der Schule habe ich dieses Buch und noch andere neu für mich entdeckt und mich total über mich geärgert denn in meiner Pubi-Haltung hab ich die Sachen oft einfach gar nicht an mich herangelassen - da war es egal, wie toll das Buch, wie toll der Lehrer war... Hoffen wir mal, dass mein kleines äh großes Monster da ein bisschen anders tickt.
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Ima
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jojo



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Anmeldungsdatum: 19.09.2009
Beiträge: 264

BeitragVerfasst am: 30.08.2012, 15:14
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Doch, aus meiner Sicht gibt es schon extrem viel »gute« (auch deutsche) Literatur, so dass ich mich darum eher frage, warum die Deutschlehrer so häufig dieselben 10 Bücher auswählen.

Es könnte z. B. daran liegen, dass es über bestimmte Bücher und Schriftsteller im Germanistikstudium eben noch mehr Sekundärliteratur gibt, als über andere und sich die Lehrer darum dort auch besser orientieren können. Schließlich ist es ja leider nicht ihre Aufgabe, den Kindern ihre persönlichen Leseinteressen nahezubringen, sondern Begriffe wie Erzählperspektive, Erzählweise, Textformen/ Gattungen, Einbettung des Stoffes in historisches Geschehen usw. Diese Kriegsliteratur von Remarque und Hemingway finde ich persönlich auch grauenhaft, aber andererseits sehe ich es recht entspannt, wenn sie das im Unterricht behandeln – schließlich lesen die Schüler ja nur einen Bruchteil ihrer Lektüre dort, den Großteil selbstgewählt zuhause, also finde ich es nicht so ausschlaggebend, an welchem Stoff sie in der Schule exemplarisch Stilmittel, Textformen und -analyse kennenlernen.

Für mich waren die Schullektüren auch nie AHA-Erlebnisse, was aber nicht so sehr an der emotionalen Schwere des Stoffes, sondern eher daran lag, dass es extrem langsam und langweilig durchgekaut wurde. Schwermütige Bücher habe ich selbst zu der Zeit auch mal gerne gelesen und auch Klassiker – dabei genoss ich den Eindruck, den das Buch auf mich machte und nicht dessen Sezierung. Aus heutiger Sicht finde ich es wichtig und richtig, dass die Bücher im Unterricht »seziert« werden, aber damals langweilte es mich endlos. Kafka war bei mir übrigens kein Schulstoff und (darum?) heißgeliebt, auch Klassiker wie Musil, Mann, Hesse, Frisch und Grass habe ich nach ETA Hoffmann und Hauff im Alter von 12-18 zuhause verschlungen .... Gelitten habe ich unter Kleist, Goethe, Hermann Kant. Daraus schließe ich, dass es eher dieses zähe Stoffzerkauen im unlustigen Gruppenverband ist, der einem das Fach verleidet und nicht wirklich der Stoff selbst.

Tribute von Panem soll ja laut meinen Kindern extrem spannend sein (die Story finde ich auch sehr spannend), aber was genau kann ein Lehrer für den Deutschunterricht aus diesen Fantasy-Büchern ziehen? Zumal die Kinder diese Bücher doch eh lesen, d. h. er bringt ihnen auch nichts Neues nahe... Oder ist mein Anspruch da falsch, dass Schule auch die Aufgabe hat, die Augen und Sinne für andere Welten zu öffnen? 1984 oder Fahrenheit haben dagegen einen ganz klaren zeithistorischen Bezug und politischen Hintergrund, der in der Utopie eine Gesellschaftskritik erkennen lässt (und solche Bezüge gilt es eben im Unterricht herzustellen).

Deutsch ist eben, wie die anderen Fächer auch, ganz offensichtlich kein Unterhaltungsfach, den Anspruch darf man eben nicht haben, auch wenn man, wie die meisten hier, gerne liest und es darum schön fände. So richtig deutlich wurde mir das mal im Gespräch mit einem Deutschlehrer meines Sohnes, der privat wohl skandinavische Krimis und Umberto Eco favorisiert – manche der Schüler auch, aber trotz dieser Leidenschaft andere Stoffe im Unterricht behandelt – das ist eben zweierlei: Leseleidenschaft und Einführung in die Deutsche Literatur.

Manchmal überlege ich, ob es nicht sogar wünschenswert wäre, dass in der Schule keine wirklich gute Literatur behandelt wird, damit niemandem die Lust daran (an den guten Büchern) vergeht.... dann wieder denke ich, es gibt ja auch (gerade heute) Lehrer die es schaffen den Schülern den Spaß daran zu erhalten.
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jojo (00/02)
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joeymc
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Anmeldungsdatum: 17.09.2009
Beiträge: 1539
Wohnort: Hessen

BeitragVerfasst am: 31.08.2012, 18:18
BeitragTitel:
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Also, in Hessen gibt es vom Kultusministerum einen Plan der für das Zentralabitur relevanten Lektüre -
Zitat:
Die Schülerinnen und Schüler sollen im Laufe der Oberstufe verbindlich folgende exemplarische litera-
rische Werke bzw. Autoren im Unterricht behandelt oder selbstständig, bezogen auf die Abiturprüfung
und die Präsentation im 5. Prüfungsfach, gelesen und erarbeitet haben:
• ein episches oder dramatisches Werk aus dem 20. Jahrhundert
• ein Drama oder ein episches Werk, Gedichte zu den Menschenbildern der Epochen Aufklärung,
Sturm und Drang, Klassik und Romantik
• Goethe, Faust I
• ein Werk Büchners
• ein episches oder ein dramatisches Werk aus den Epochen Bürgerlicher Realismus und der
• Jahrhundertwende (i. e. Epochenumbruch); verbindlich: Kafkas Erzählungen
• mindestens ein repräsentatives Werk aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg
• ein episches oder dramatisches Werk aus der unmittelbaren Gegenwart (ab 1989)

Das erklärt zumindest für Hessen die Auswahl, zu jedem Thema in jedem Halbjahr gibt es dann so ein paar Empfehlungen, z.B. für die Q 3 (früher: 13/1):
Zitat:
Goethe: Faust I; Brecht: Lyrik; Grabbe: Don Juan und Faust (i. A.); Hofmannsthal: Chandos-Brief; Kafka: Die Verwandlung und andere Erzählungen; Musil: Törleß; Th. Mann: Buddenbrooks, Zauberberg; Brecht: Furcht und Elend des Dritten Reiches; Hesse: Das Glasperlenspiel, Der Steppenwolf; Müller: Die Hamletmaschine


Alles klar? green
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Joey
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Ernestine




Anmeldungsdatum: 18.01.2012
Beiträge: 386

BeitragVerfasst am: 31.08.2012, 20:19
BeitragTitel:
Antworten mit Zitat

joeymc hat folgendes geschrieben:

• ein episches oder dramatisches Werk aus der unmittelbaren Gegenwart (ab 1989)


Ich glaube nicht, daß die heutigen Schüler das als unmittelbare Gegenwart ansehen... der aktuelle G8-Jahrgang ist 1994 geboren! ;)
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Charlotte (9), Wolf (4), Frieder (2)
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