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Die Thomaner


 
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Pitsidia
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Geschlecht: Geschlecht:weiblich
Anmeldungsdatum: 12.12.2006
Beiträge: 921
Wohnort: Rhein-Main

BeitragVerfasst am: 27.12.2012, 21:18
BeitragTitel: Die Thomaner
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Hallo Ihr Eltern "besonderer" Kinder!
Wir haben zufällig auf Arte einen Teil der Reportage gesehen und ihn dann in der Mediathek ganz angeschaut. Großer Sohn, KEIN Sänger, war jetzt nach den ersten 30 Minuten auch kaum davon wegzukriegen.
Ein sehr schön gemachter und sehr bewegender Film, der einen noch lange beschäftigt. Nehmt Euch die Zeit, ist wirklich erstaunlich (ich war hin- und hergerissen).
http://videos.arte.tv/de/videos/die-thomaner--7141936.html
Viele Grüße
Pitsidia
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Pitsidia
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Bachstelze




Anmeldungsdatum: 27.03.2005
Beiträge: 956

BeitragVerfasst am: 28.12.2012, 16:27
BeitragTitel:
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Wirklich ein beeindruckender Film.
Die Frage ist wie immer bei solchen Entscheidungen: wie früh legt man Kinder auf eine bestimmte Richtung fest? Die Kinder sind 9-10 Jahre alt, wenn sie in dieses Internat kommen. Wieviele andere mögliche Entwicklungswege werden dafür aufgegeben?
Was mich noch interessiert hätte, aber in dem Film nicht zur Sprache kommt: was machen diese jungen Menschen nachher? Es macht nicht den Eindruck, dass noch Raum für andere Interessen bleibt. Werden also alle Berufsmusiker/Kirchenmusiker?

Liebe Grüße
Bachstelze
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Syringa



Geschlecht: Geschlecht:weiblich
Anmeldungsdatum: 14.01.2012
Beiträge: 117
Wohnort: Elbflorenz

BeitragVerfasst am: 28.12.2012, 20:54
BeitragTitel:
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Ich habe den Beitrag über den Thomanerchor gesehen. Ich kann nicht für die Thomaner sprechen, aber doch ein bißchen für den Dresdner Kreuzchor, in dem der Sohn einer engen Freundin zwei Jahre gesungen hat.

Das Eintrittsalter und das Regime sind ähnlich - Internatsunterbrinung auch bei Hauptwohnsitz in der selben Stadt, nach Hause nur zu bestimmten Zeiten in den Ferien und bei Krankheit, strenger Zeitplan zwischen Schule, Proben, Auftritten und verpflichtendem Instrumentalunterricht, gerade in "Familienzeiten" wie Weihnachten besonderer Streß und Trennung von der Familie, internationale Reisen, Jetlag.

Der Sohn meiner Freundin ist daran psychisch zerbrochen. Wenn er denn mal zu Hause war, hat sie ihr eigenes Kind nicht mehr erkannt. Aus einem fröhlichen, aufgeweckten Jungen war ein müdes, ernstes, depressives Kind geworden, das vor Streß und Heimweh fast verging. Ihn aus diesem Chor nach zwei Jahren wieder herauszubekommen, war ein Kampf - meiner Freundin wurden viele Steine in den Weg gelegt, sie mußte sich von den Verantwortlichen viele Vorwürfe anhören, sie würde die Karriere ihres Kindes zerstören usw., usf. Der Junge, der vorher überaus musikalisch und anfangs stolz war, ein Kruzianer zu sein, hat danach über ein Jahr lang Musik in jeglicher Form völlig an den Nagel gehängt. Erst seit kurzem hat er - freiwillig - seinen Klavierunterricht wieder aufgenommen.

Mein Sohn ist trotz seines jungen Alters sehr musikalisch, lernt auf eigenen Wunsch und mit viel Erfolg ein Instrument, hatte bereits Auftritte, mag den Besuch klassicher Konzerte, hat ein ausgezeichnetes Gehör, singt gerne und treffsicher, hat eine schöne Stimme. Dennoch würde ich (s)einer Karriere im Kreuzchor bzw. jeglichem ähnlich gelagertem "Drill" samt Internatsunterbrinung sehr, sehr kritisch gegenüberstehen...
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LG, Syringa und Pfiffikus (03/08 )
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Pitsidia
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Anmeldungsdatum: 12.12.2006
Beiträge: 921
Wohnort: Rhein-Main

BeitragVerfasst am: 28.12.2012, 23:30
BeitragTitel:
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Ich hatte da ähnliche Gefühle und Ahnungen...der eine ältere Schüler hat ja auch gesagt, dass jetzt ein ganz anderes Leben beginnt und er nicht weiß, ob er sich darin zurechtfindet.
Ich weiß, dass ich es für meine Kinder - egal wie gut in einer Sache, es gibt ja auch Sportinternate u.ä. - nicht wollte. Ich finde auch, man setzt zuviel auf eine Karte. Kann mir auch kaum vorstellen, dass die Kinder das ganz von sich aus wollen (mit 10?). Und dann geben sie gleich ein großes Stück Indivdualität auf, die sich noch nichtmal entwickelt hat bis dahin.

Trotz allem finde ich den Film sehr beeindruckend.

Ich denke schon, dass die meisten ihren Weg in der Musik finden.
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Pitsidia
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Syringa



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Beiträge: 117
Wohnort: Elbflorenz

BeitragVerfasst am: 29.12.2012, 11:11
BeitragTitel:
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Ja, beeindruckend ist die Dokumentation.

Aber mit dem von sich aus wollen, bin ich aus eigener Erfahrung heraus sehr vorsichtig geworden:

Mein Sohn äußerte, gerade eben 3 geworden, zum ersten Mal den Wunsch, Geige lernen zu wollen. Bei uns in der Familie und im Bekanntenkreis spielt niemand (mehr) aktiv Geige - er hat es also von Bezugspersonen niemals gehört oder gesehen. (Klassische Musik spielt in unserer Familie allerdings eine große Rolle, wenn auch vorwiegend passiv.)

Zunächst habe ich über diesen Wunsch, in diesem Alter, innerlich gelacht: Viel zu klein, viel zu jung, wie soll das gehen, wie kann ein Kind in diesem Alter so etwas wollen und bewerkstelligen, es weiß doch gar nicht, was das bedeutet und was auf es zukommt. Allein mein Sohn äußerte diesen Wunsch innerhalb eines Jahres immer, immer wieder, immer, immer nachdrücklicher.

Ich selbst hatte immer noch extreme Zweifel und diesen Wunsch nach wie vor als kindliche Flausen im Kopf abgetan. Aber eines Tages nahm ich tatsächlich mit einer Musikpädagogin Kontakt auf, schilderte ihr dieses Verlangen und stellte unzählige Fragen, die mir kompetent beantwortet wurden.

Am Ende lud sie uns, meinen Sohn und mich, zu zwei kostenlosen Schnupperstunden auf der Geige ein. So glücklich und selig habe ich mein Kind noch nie zuvor erlebt. Er blühte in diesen beiden Stunden regelrecht auf, die Lehrerin war überaus verblüfft und meinte, mein Kind wäre äußerst talentiert, ich solle seinem Wunsch auf jeden Fall Beachtung schenken, weil es jammerschade wäre, ihn nicht dahingehend zu fördern.

Ein Jahr nach dem erstmalig geäußerten Wunsch, nämlich zu seinem vierten Geburtstag, habe ich ihm einen Musikschulvertrag geschenkt und ein kleines Leihinstrument vom Geigenbauer auf seinen Gabentisch gelegt.

Er spielt nun seit einem Dreivierteljahr mit gleichbleibender Begeisterung und beachtlichen Erfolgen, hat schon erste Auftritte hinter sich und genießt es tatsächlich (!), auf die Bühne zu gehen.

Ich selbst hätte so etwas NIEMALS auch nur ansatzweise für möglich gehalten, und es ist bestimmt auch keinesfalls die Regel. Aber ich bin seither sehr vorsichtig geworden, einem Kind gleich welchen Alters zu unterstellen, es könnte nicht wissen und einschätzen, was es wirklich will und möchte.
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LG, Syringa und Pfiffikus (03/08 )
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Synkopia
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Beiträge: 1496
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BeitragVerfasst am: 29.12.2012, 17:51
BeitragTitel:
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@Pitsidia

Vielen Dank für den Link! :)

@Bachstelze

Die Jugen verlassen den Chor und die Thomasschule mit dem Abitur, sind also nicht unbedingt mehr festgelegt auf eine bestimmt spätere Berufswahl als andere Abiturienten.
Ich habe eine paar Artikel und Interviews dazu gelesen, in diesem findet sich auch ein kleiner Seitenblick auf die Berufswahl:
http://www.berliner-zeitung.de/magazin/thomanerchor-engelsgleich-ist-nur-der-gesang,10809156,11606134.html

Was ich eher befürchen würde ist, dass sich nach dem Wegfall dieser totalen Vereinnahmung eine innere Leere einstellen könnte, wenn der strukturierte Tagesablauf in einer intensiven Gemeinschaft mit klaren gemeinsamen Zielen plötzlich komplett fehlt.

@Syringa

Dass die Jungen, die in diese Chöre aufgenommen werden, das selber wollen, glaube ich schon. Allerdings habe ich auch gelesen, wie die Vorselektion und -förderung ab Kindergartenalter bei den Thomanern für Nachwuchs sorgt. Der Lehrplan für zukünftige Kruzianer über 2 Jahre Vorbereitung auf die Aufnahmeprüfung ist auf der Homepage des Dresdner Kreuzchores zu finden. Da findet wohl doch häufig auch schon eine gewisse Beeinflussung im Vorfeld statt. Das Ziel, ausgerechnet in einen bestimmten Chor aufgenommen werden zu wollen, entwickelt sich ja nicht ganz von allein, wenn auch bei entsprechender Ausrichtung des zusätzlichen Förderprogramms vielleicht wie von selbst.

Liebe Grüße winkie
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Synkopia mit Tochter (*7/95), Sohn (*4/97), Tochter (*6/99) und Sohn (*9/04)
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Bachstelze




Anmeldungsdatum: 27.03.2005
Beiträge: 956

BeitragVerfasst am: 29.12.2012, 20:09
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Hallo Synkopia,
Ich hatte schon verstanden, dass die Jungs Abitur machen. Was ich meinte, war, dass sie doch sehr wenig Zeit haben, andere Interessen zu entwickeln, die ihre Berufswahl beeinflussen könnten.
In dem Artikel werden Musik, Theologie und Medizin als häufige Berufswahlen erwähnt - klar begründet durch die Vorteile in Musik und alten Sprachen.
Wenn ich unsere beiden Kleinen anschaue (9 und 10), die durchaus musikalisch begabt sind, könnte ich wirklich noch nicht sagen, welche Richtung sie wählen werden:
Bei E. reicht die Auswahl abgesehen vom Cello von Leiten einer Pferdefarm über irgendeine Arbeit mit Tieren bis zu Chemie (Entwickeln von Medikamenten für bisher unheilbare Krankheiten), sowie Schriftstellerei (Geschichten, in letzter Zeit auch Theaterstücke). Außerdem liest sie alles, was ihr in die Finger kommt. Das Cello ist EINE Option.
Bei S. ist die Situation noch weniger klar.
Wenn ich nun das Kind in so ein Internat stecke, selbst wenn es die eine Richtung noch so mag, so bedeutet das doch, dass all die anderen Aktivitäten zurückstecken müssen. In anderen Worten, ich lege bereits in diesem frühen Alter seine Entwicklungsrichtung fest - und das finde ich sehr gefährlich. Ich finde, in diesem Alter sollte die Entwicklung/Bildung so breit wie möglich sein.

Vom sozialen Aspekt her ist mir klar, dass keines unserer Kinder in so einem Internat klarkommen würde / klar gekommen wäre. Für uns war und ist es immer schon ein Erfolg, wenn die normale Schule einigermaßen reibungslos läuft, und sie kommen immer gern nach Hause, wo sie nur mit sich und ihren Geschwistern zurechtkommen müssen (ist ebenfalls schon genug). devil
Aber wir sind auch ziemliche Individualisten und nur begrenzt gruppenfähig.

Nicht klar ist mir, wie mich eine Schul-/Internatsleitung daran hindern könnte, mein Kind da rauszuholen, wenn es ihm offensichtlich nicht gut geht. Da bin ich Löwin motz

Liebe Grüße,
Bachstelze
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Bachstelze
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Ernestine




Anmeldungsdatum: 18.01.2012
Beiträge: 386

BeitragVerfasst am: 30.12.2012, 23:35
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Jetzt habe ich es endlich geschafft, die Reportage auch ganz anzusehen.

Ich muß sagen, ich bin schon beeindruckt - und auch überrascht, das ganze mutet ja regelrecht Harry-Potteresk an mit dem straffen Stundenplan und der traditionsreichen Gemeinschaft.

Für Charlotte wäre es definitiv nichts, 1. sie ist kein Junge p , Scherz beiseite: erstens hätte sie ein Problem mit dem durchstrukturierten Tagesablauf und natürlich auch sich unterzuordnen und auf ältere Schüler, Chorleiter usw. zu hören. Zweitens würde sie sicher wegen Blasphemie rausgeworfen. "Ein Junge muß nicht gläubig sein, um Thomaner zu werden, aber ein Thomaner wird meistens gläubig." tocktock Uiuiui, vielleicht doch besser zur School of Rock! ;)

Wenn ich an mich als Kind denke, ich glaube, die erzwungene Geselligkeit hätte mir ganz gut getan. Aber die Pubertät hätte ich da sicher auch nicht durchgestanden. sm
_________________
Charlotte (9), Wolf (4), Frieder (2)
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Kinder, TV, Videos



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