Freundeskreis netter Leute mit schlauen Kids
Anlaufstelle für Leute mit Hochbegabten Ablegern - Meinungen, Berichte, Ratschläge, Austausch
***


 

Welcome Guest: Registrieren | Login
 
FAQ | Suchen | Mitgliederliste | Benutzergruppen
 

Wie fühlt sich Hochbegabung an? - eine Zitatsammlung


 
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen
Freundeskreis netter Leute mit schlauen Kids Foren-Übersicht -> Stoffsammlung
Vorheriges Thema anzeigen :: Nächstes Thema anzeigen  
Autor Nachricht
sun
Queen of yellowpress, Sponsor



Anmeldungsdatum: 03.03.2005
Beiträge: 2614
Wohnort: Rheinland

BeitragVerfasst am: 23.11.2006, 12:48
BeitragTitel: Wie fühlt sich Hochbegabung an? - eine Zitatsammlung
Antworten mit Zitat

Einfach mal so poste ich jetzt hier was, was auf meiner Festplatte rumgammelt:
Wie fühlt sich Hochbegabung an ???

Dies ist eine Sammlung von Zitaten von jungen hochbegabten Leuten, die versucht haben, auf diese Frage eine Antwort zu geben.
Unter den Antwortenden sind alle Arten von hb-chen: getestet oder nicht, Überflieger oder Underachiever, 13 oder 30 Jahre alt, mit toller familiärer Unterstützung oder ohne, glücklich oder seelische Wracks, ...
Obwohl es schwierig ist, zu erklären, wie sich Hochbegabung „anfühlt“, häuften sich manche Antworten auf die Frage. Diese möchte ich euch hier vorstellen. Vielleicht hilft es dem einen oder anderen, sich das etwas besser vorstellen zu können, wie es ihrem / seinem Kind geht...


1. a) Wissensdurst und Glücksgefühle.

„Die Leidenschaft, an irgendwelchen Sachen rumzuknobeln, und das berauschende Glücksgefühl, wenn man etwas versteht, was einem wichtig ist.“

„Genau das ist es *strahl* so fühlt sich das an. Irgendwie ist das momentan einer der zentralsten Punkte für mich, die ich hier in diesem Thread aufführen würde.“

„Herrlich! So muss es sein, hin und wieder im Leben, so dass man spürt, dass man lebendig ist, nicht wahr ?“

„Uns allen dreien konnte beim Gespräch am Esstisch plötzlich die Frage kommen "Wieso sagt man eigentlich xxx ?" / "Wo liegt eigentlich yyy ?" / "Was ist eigentlich zzz ?" und dann lief einer ins Wohnzimmer um das Etymologische Wörterbuch oder das Lexikon oder sonst was zu holen und wir vertieften uns gemeinsam darin.“

„Ich dachte in letzter Zeit schon, ich sei irgendwie komplett bescheuert, dass ich bei Telefongesprächen mit gewissen Leuten mich stets in Nähe des Bücherregals halte, um schnell mal was nachschlagen zu können (das einfach so, ungefragt und völlig eigenständig, aber von beiden Seiten gewünscht, ins Gespräch eindringt) .... ich liebe diese Gespräche !“

„Diese anfallartigen Phasen wiederholen sich ständig. Entweder bei bestimmten Anforderungen im Job (*grins* gut, dass das überhaupt nicht zu dem Ufo passt, das ich ins Leben gerufen habe *gg*) oder selbstinitiiert, weil da irgendein kleiner Zipfel ist, von dem ich das ganze Laken haben will....
Und wenn man dann Ergebnisse hat, die einen selber überzeugen oder soviel Input gesammelt hat, dass eine Phase des ruhigen Denkens, Sortierens, Vernetzens und Reflektierens angesagt ist, dann ist man zufrieden oder genauer: glücklich.“

„Besonders schlimm war das, als ich mal für mehrere Monate im Krankenhaus war.
Geistig ging's mir total gut - ich wollte lesen, wollte mich mit anderen unterhalten, wollte gefordert sein.
Aber die Krankenschwestern waren der Meinung, ich solle mich "schonen", als sie den Stapel an Uni-Büchern auf dem Nachttisch gesehen haben (ich war 13...)
(Dabei empfand ich die Langeweile am allerschlimmsten - nicht die Schmerzen nach der OP !)“

„Als ich mal 3 1/2 Monate bettlägerig krank war, habe ich darum gebeten, mir die 600 Mathe-Klausuren zum Korrigieren vorbeizubringen, die ich als studentische Hilfskraft eigentlich hätte mit bearbeiten sollen. Natürlich wollten alle, dass ich mich schone, und ich sei doch krank, da müsse ich doch nicht ... Das war mein einziger wirklicher Lichtblick in dieser endlos langen Zeit, mich mit Mathe-Lösungswegen von Studis zu beschäftigen ... “

„Hat den Krankenschwestern schon irgendwie nicht in den Kram gepasst, dass ich am 1. Tag nach der OP mir mein Mathebuch geschnappt habe - und über die Buch-Lieferung meiner Eltern (ne ordentliche Kiste voller Uni-Material) waren sie noch mehr entsetzt.
(Zitat Krankenschwester: "Soll ich dir nicht lieber einen Discman bringen, und ein paar Entspannungs-CDs oder CDs von deiner Lieblingsband?!")
Mir war das total unverständlich, warum ich mich nicht mit sowas beschäftigen sollte.
War doch mein Körper krank, und nicht mein Gehirn !“

„Dann wurde ich krank, saß mit Grippe und Fieber zu Hause mit einem Berg von Disketten mit den unformatierten Ergebnissen dieser Auswertung (nur Rohtabellen mit Zahlen), völlig unwissend, was ich damit jetzt machen solle. Habe dann angefangen, die Tabellen zu formatieren...
Das endete dann damit, dass ich ca. 1 Woche von morgens früh um 7 Uhr bis abends um 22 Uhr an dem Rechner gesessen habe und den Bericht geschrieben und dem Dozenten eine 180 Seiten-Auswertung einer Befragung von 37 Leuten gegeben habe und nach "mehr davon" gefragt habe ...“

1. b) Input-Hunger, Unrast.

„Der Hunger nach Input. Kaum irgendwo ein paar Minuten sitzen können ohne ein Buch oder so.“

„Inputsanfälle, Hungergefühl, unglaubliche Unruhe und Unzufriedenheit (davor) und ein Gefühl der Unausgelastetheit. Und alles gleichzeitig machen zu wollen (wie wild aus lauter Energie durch die Wohnung tanzen, 3 verschiedene Bücher gleichzeitig lesen und die 95 Ideen, die unweigerlich dabei kommen, sofort parallel umsetzen wollen und nebenbei im Netz suchen, ob´s da nicht irgendwas gibt....).
Und wie ich das kenne ....“


„Auf einmal nagt der Hunger in Euch. Ihr müsst mehrere Konversationen in ICQ starten, den Chat offen haben, laut (für unsere Verhältnisse laut) Musik anmachen und einige interessante Psychologie- (oder sonstige Themen) Seiten lesen. Ihr seid total unruhig, rutscht auf Eurem Stuhl und zittert. Inputanfälle ? Kennt Ihr sie ?“

„Öhm ... ich bin vorm Rechner eigentlich immer "hyperaktiv". Ich muss mindestens 3 Fenster gleichzeitig offen haben, damit ich in das 3. klicken kann, während im 2. was läd und im 1. das Gespräch im Chat noch nicht weiter gegangen ist oder so. Ich kann es nicht ertragen, wenn ich dabei zugucken muss, wie jemand total langsam und ineffektiv rumsurft *ggg*.“

„Öhm ... ich dachte, das wäre normal ... hab in der Regel auch mehr als 3 Fenster gleichzeitig offen... ich denke dann immer, das liegt an meiner mangelnden Langeweile-Toleranz ... ich kann ein sehr interessantes Gespräch im Chat führen, aber wenn ich nicht die ganze zeit tippseln muss, weil der andere nicht so schnell antwortet, dann beschäftige ich mich mit anderen Dingen ...“

„Diesen Tatendurst kenne ich. Meistens Samstags nachmittags.
Zwei Bücher, die ich lesen will, drei Briefe, die längst geschrieben sein müssten, ein Projekt dass ich für die Schule eigentlich ausführlicher machen müsste...
Nebenbei würde ich eigentlich auch ganz gerne fernsehen.
Den Brief und die Fernsehsendung bekommt man unter einen Hut.
Ein bisschen lesen, dann Schule, wieder lesen...
Am besten alles gleichzeitig...
Immer alles gleichzeitig, zwei Sachen auf einmal schon zu wenig ...
Wenn meine Mutter zum Beispiel mit mir Vokabeln lernen will, drehe ich ab, wenn ich nichts anderes gleichzeitig tun kann ...“

„Und bei mir ist es auch oft so, dass ich zu viel gleichzeitig tun will.
Buch über Kosmologie lesen?
Oder nein, mal wieder ein bisschen 3D-Computergrafik machen - haste ja schon lange nicht mehr gemacht!
Oder nicht wieder mal zum richtigen Pinsel greifen?
Da liegt noch so ein tolles Buch über Fraktale - warum nicht das?
Oder doch lieber das Kosmologie-Buch ?!“

„Nicht Unentschiedenheit - nein, das Gefühl, wenn man eines macht, das andere zu verpassen.“

„Und vor allem dieses Gefühl, was zu verpassen, weil der Tag nur dämliche 24 h hat !“

„Komisch... muss gerade daran denken, dass es einerseits von mir hieß, ich könne mich sehr gut mit mir selbst beschäftigen und andererseits, dass mir dauernd langweilig sei.“


2. a) Zu viele Gedanken.

„Überforderung von den eigenen Gedanken. Ich konnte da sitzen, an etwas denken - und schwupps, ich hatte eine mir riesig erscheinende Anzahl an Perspektiven, aus denen ich meinen Gedanken betrachten konnte. Ich konnte über den Grund seiner Existenz grübeln, seine Existenz an sich. Jedoch auch daran, wie mein Nachbar, mein Hund, mein Bett darüber denken würden. Wie sie ihn denken würden. Wie ihn ein Konservativer mit einem rebellischen Sohn (gemeint ist Punk), eine lesbische Mutter mit einer grüngetupften Ente denken würde. Warum ich ihn dachte und nicht mein Tisch, warum ich ihn in meinem Kopf fühlte und nicht in meinem großen Zeh, warum seine Konsistenz mir so schwer erklärbar schien, warum man kein Haus auf ihn setzen könnte, warum ich ihn infrage stellen konnte.
So viele Möglichkeiten darüber zu denken, so viele Richtungen, die ich einschlagen konnte. Welche durfte ich denken? Durfte ich mich als 10-Jähriger in eine Klassenkameradin mit einer Katze hineinversetzen, obwohl ich doch ein Junge mit einem Hund war? War es mir erlaubt, mir über das Ozonloch traurige Gedanken zu machen, über die Existenz von Gedanken nachzudenken, ohne gleich Alien zu sein? Was durfte ich denken, damit ich der Norm entsprechen konnte und folglich normal und endlich ich sein durfte, denn ich war doch im Grunde meines Herzens normal.
Mich plag(t)en Zweifel, ob ich überhaupt Freude an den Dingen, die mir gefielen, den anderen aber nicht, haben durfte.
Ein riesiges Fragezeichen mit einem starken Hauch von "Nein", von Verbot, aber auch mit einem grauen Nebel der Ungewissheit verbunden, schwebt(e) über meinem Haupt. Hilfe.“

„Das mit dem Denken seh ich manchmal so:
Wenn "normale" Menschen vor einer gedanklichen Mauer stehen, in der eine Tür ist, gehen sie durch die Tür.
Ich guck mir die Mauer an, denke stundenlang über die Tür nach usw.
Und dann geh ich um die Mauer rum. Macht mehr Arbeit, aber ich seh dann auch die Seiten der Mauer ...“

„Na ja ist halt da, meistens dieses Gefühl, dass man an vier Sachen gleichzeitig denkt.“

„Völlig versagen tue ich in mündlichen Prüfungen. Mein Mund ist nicht dafür gemacht, das was im Hirn vor sich geht rauszubringen, und unter Zeitdruck schon gar nicht. Da tanzen dann die Gedanken, und ich kann mir schon gar nicht vorstellen, dass die wirklich nur so eine simple Antwort auf die Frage haben wollen, und denke in 1000 Richtungen. Bisher hat mich jeder mündlicher Prüfer nachher gefragt: Was war denn mit Ihnen los ??? “

„Auf der anderen Seite könnte ich auch manchmal dran verzweifeln, insbesondere dann, wenn ich mal wieder viel zu kompliziert gedacht habe.“

„Manchmal kommen mir Fragen über den Alltag, über die "man" sonst nicht nachdenkt. Aber keiner hat auch wirklich Lust, sich damit zu beschäftigen, wenn man die Frage ausspricht. Mich lässt es aber nicht mehr los.“

2. b) Sich nicht entscheiden können.

„Wenn von mir eine einfache Entscheidung verlangt wird, verzweifle ich. Ich versuche dann, alles abzuwägen, was irgendwie eine Rolle spielen könnte ... Zeit, Preis, Gefühl, Gefühl der anderen, wie verläuft das Leben nach diesen Entscheidung weiter, worüber könnte ich danach vielleicht enttäuscht sein, was könnte es schön machen, was für Entscheidungen werden danach kommen, wann ist der beste Zeitpunkt dafür, welcher Wert, nach dem ich suche, ist schwerer zu gewichten als ein anderer, wie würden andere entscheiden, trifft es wirklich genau meine Stimmung, ist das überhaupt wichtig, was sagen die anderen zu meiner Entscheidung, ist es übertrieben, sich noch etwas Zeit zum Nachdenken auszubitten, wo es doch nur um so was simples geht, darf ich einfach weiß nicht sagen, oder unterdrücke ich damit meine eigentlichen Wünsche, ... und so weiter. Und das alles nur, um z.B. etwas zum Trinken zu bestellen.“

„Ich bin verschrieen dafür, mich nie entscheiden zu können, wenn ich im Restaurant bin.“
„Gerade das Unentschiedensein und mehrere Richtungen gleichzeitig in sich haben kenne ich auch sehr gut...“

„Ich habe selten eine Meinung - ich habe drei gegensätzliche. Welche davon ist richtig ?
Ich bin in der Lage in Frage zu stellen, zu relativieren - doch wenn ich lange genug nachdenke, ist alles nur noch relativ, eine Frage von Grundsätzen, willkürlichen Festlegungen. Was soll mir da Halt geben, als Grundlage für mein Handeln dienen ?“

„So viele Möglichkeiten, so viele Wege einzuschlagen, welche sind die richtigen?“

„Irgendjemand beschrieb seinen hb Bruder vor Jahren mal mit: Ist zwar ein Genie, aber wenn er sich ein Paar neue Socken kaufen will, muss er erst mal ein Programm dazu schreiben.“


3. a) Selbstzweifel.

„Irgendwann, dachte ich, würde jemand kommen, mit dem Finger auf mich zeigen und sagen: "Du hast alle betrogen! Du kannst nichts!", und jeder würde merken, wie dumm ich in Wirklichkeit bin.“

„Und dann dieses Missverhältnis zwischen Innen- und Außenansicht. Das unsichere, zutiefst schüchterne Kind glaubte mir sowieso keiner, der dieses taffe, selbstbewusste, großschnäuzige Mädchen sah. Dafür redete ich zu viel und zu überzeugend. So leicht traute sich auch keiner, mir zu widersprechen. Aber wenn es doch jemand mit guten Argumenten tat, zog ich mich völlig zurück und den Schwanz ein. Ich hatte immer den Eindruck, ich sei eine Hochstaplerin, ich würde so tun, als sei ich unheimlich gut und würde damit lügen.“

„Die Zweifel, sich zu überschätzen. Die Zweifel, ob man das Richtige tut.“

„Besser wurde das, als ich mir bewusst gemacht habe, wie ich im Vergleich zu den anderen stehe, und wie die mich wahrnehmen. Einfach wo der Unterschied ist. Seither ist es weitaus besser geworden, mit anderen Menschen klar zu kommen. Man muss sich immer überlegen, wie das wirkt, wenn man sich selbst für so schlecht hält, und von sich selbst nur den Zweifel und das Hin- und Hergerissensein fühlt, aber bei den anderen ankommt, dass man sehr klar und gut denkt. Die denken dann: ist der verrückt?!?! oder interpretieren das als Arroganz... (*leidensgeschichte andeut*) Ich denke also, dass es immer sehr sinnvoll ist, sich realistisch einzuschätzen und nicht in falscher Bescheidenheit zu verharren. Die wird einem nur negativ ausgelegt.“

3. b) Perfektionismus.


„Wenn man ständig über seine "Intelligenz" definiert wird - ist es dann nicht um so niederschmetternder, einer Aufgabe nicht gewachsen zu sein ?
Manchmal habe ich das Gefühl, mich mit meinen geistigen Fähigkeiten schmerzhaft zwischen zwei Stühle gesetzt zu haben - klug genug, große Gedanken zu denken, aber zu dumm, um dabei zur Erkenntnis zu gelangen.“

„Ein großer Perfektionismus. Erst dann zufrieden sein, wenn man es wirklich 100 % verstanden hat und das auch so umsetzen kann.“

„Ich denke, das ist ein allgemeines Problem, das viele haben, ich auch z.B. , dass man seine eigenen Geisteskräfte weitaus geringer einschätzt, als dies die anderen tun. Schließlich ist man sich selbst seiner Grenzen unglaublich arg bewusst, nicht ? Und wenn die Grenzen dennoch ein bisschen höher liegen als bei den anderen, dann sind sie das nicht für einen selbst.“


4. a) „Normale“ verstehen ist schwierig.

„Das „nicht verstehen“ nicht zu verstehen.“

„Einfache Aufgaben in Klausuren waren mir immer ein Graus... hab dann immer versucht weiterzudenken und nach ner Viertelstunde ist mir dann meist aufgegangen, dass wirklich was so Banales erwartet wird... dieses Abwägen: was ist diese naheliegende Möglichkeit, auf die mein Lehrer hinauswill... verdammt schwer...“

„Ich hatte auch sehr lange das Gefühl, dass ich nicht versteh, was die eigentlich von mir wollen (gerade die, die mich so schnell im denken fanden) - denn ich spürte da ja keine Seltsamkeit, fand mich ja ganz normal, und machte auch den fehler, mich als Maßstab für das Denken der anderen zu nehmen. Das führte dann oft dazu, dass ich ganz schön angeeckt bin (wenn ich es mir zum Beispiel nicht vorstellen konnte, dass jemand nicht weiß, erwachsen und gebildet, wer Cicero war *seufz* oder irgendwie niemand meine Witze gerafft hat *nerv*).“

„Ich hab dann langsam mal eingesehen, dass sich andere wirklich schwer tun mit Mathe, und dass es gewiss bei den meisten nicht an purer Faulheit liegt, dass die Mathe-Zweien eine Seltenheit sind (bei mir waren sie auch eine Seltenheit, aber in die andere Richtung ).“

„Das ständige Relativieren. Meine Schulfreundinnen fanden es unmöglich, dass ich nie einfach sagen konnte: "Der ist ein komplettes Arschloch und man sollte ihn erschießen." oder "Diese Musikgruppe ist sooooooo toll, dass es nichts besseres geben kann." oder so.
Das Unverständnis für die Wichtigkeit, die manche Dinge im Leben der "Normalos" einnehmen.“

„Ich saß früher dann auf irgendwelchen Parties und so in irgendeiner Ecke und hab mich gefragt, warum das so ist.
Ich hab irgendwann beschlossen, ich hinke einfach hinter den anderen her, irgendwann werde auch den Sinn von diesen ganzen mir bis dahin unsinnig erscheinenden Sachen sehen.
Klamotten haben bestimmt eine eigene Philosophie und garantiert macht es genauso viel Sinn, einen Jungen einfach nur mal so anzuhimmeln wie sich Gedanken über irgendwas anderes zu machen.“

„Vielleicht werde ich ja irgendwann die Philosophie von C&A entdecken. Und vielleicht eben auch nicht.“

4. b) Andersartigkeit.


„Manchmal wünschte ich, ich wäre schon mal früher aktiv auf das Thema Hochbegabung gestoßen. Mit dem Wissen, dass ich eigentlich ganz normal bin - was 2-5% der Bevölkerung betrifft -, hätte es mir wahrscheinlich einiges erleichtert... ich hätte in der Schule vielleicht das Spiel auf eine andere Art und Weise mitgespielt... hätte nicht auf Teufel komm raus versucht, darüber nachzudenken, was so wichtig daran ist, die "richtigen" Klamotten zu tragen und was "richtige" Klamotten überhaupt ausmacht ... hätte mich nicht so häufig selbst verwirrt, während ich einen Beitrag zum Unterricht gegeben habe ... wenn andere denken, dass du ziemlich wirr bist, denkst du das irgendwann auch und ein Teufelskreis beginnt ... na ja ... eigentlich hatte ich sehr viel Glück: hatte Freunde, gute Noten etc. ... aber irgendwie hat mich das nie befriedigt... ... hab in der Schule immer wieder schockiert und angeeckt, weil ich mein Handicap heraufschrauben wollte ... das geht von: freiwillig auf eine Nachschreibeklausur verzichten und 0 punkte schriftlich kassieren, weil man eigentlich was anderes machen möchte ... über Fehlstunden ... über notorisch keine Hausaufgaben machen ... über keine ausschließlich schriftliche Hausarbeit beendet zu haben ... über Lehrern widersprechen, Autorität stark in Frage stellen ... zeichnen in jedem Unterricht.... nur einen Tag vor jeder Abiklausur lernen, bis hin zum Gruftie sein... mit Gruftieallüren hat man einfach mehr Narrenfreiheit ... wenn Leute denken: "Die ist doch sowieso total abgedreht", dann überrascht es sie nicht mehr ganz so, wenn man etwas sagt, was sie als nicht besonders naheliegend empfinden ...“

„Ich bin doch nicht hingegangen (zumindest kann ich mich nicht erinnern) und habe gesagt "Hey! Ich hätte gerne diese "Gabe" (Lachanfall sämtlicher Talent-Engel) wo man immer gleichzeitig an vier Sachen denkt, später von den Mitschülern gemieden wird, sich mit Lernen erst so sehr spät abgeben muss und es deswegen nicht kann, wo man sich ununterbrochen Sorgen macht, über Sachen nachdenkt die einen schwer beschäftigen wo andere nur sagen "Ja und?". "
Und weil dann irgend so ein lustiger Vertreter Typ gesagt hat:
"Guuuutee Wahl ! Sie werden ein bisschen Ruhe haben, und auch... äh ja... also. So etwa 3-5 % der Weltbevölkerung wird Sie vielleicht sogar verstehen können, die kommen nämlich auch hier hin." Hab ich dann ja gesagt.“

„Früher nur das Gefühl, anders zu sein, zwar oft akzeptiert (im Grunde Schwein gehabt), aber nur von wenigen verstanden. War das, worüber ich da so lachen musste, wirklich so blöde, dass die anderen nicht mal verstanden, wieso das komisch sein sollte? Wieso gehörte ich zwar dazu, fühlte mich aber meist so Rand-ständig ?“

„Und dann irgendwie immer anders zu sein.“

Aber auch, wenn man andere, ähnlich gestrickte kennen gelernt hat:
“Ihrs, das Leben ist soooooo schön! Dass ich sowas machen kann? Jemand habe, der sowas mit mir macht, von sich aus, nicht komisch guckt, nein, die gleiche Besessenheit aufweist . Ich mag jubeln und hüpfen, was habe ich für ein Glück! Vor allem: was habe ich für ein Glück, dass ich wissen darf, dass das "ganz normal" ist, dass ich meine Leidenschaften teile mit anderen !“

4. c) Schuldgefühle, dass einem alles „zufliegt“.


„Früher in der Schule ist es mir manchmal so gegangen, dass ich mich... wie soll ich sagen... fast ein wenig "schuldig" gefühlt habe.
Die andern büffeln und büffeln und büffeln vor den Abschlussprüfungen und schaffen dann gerade mal eine 3 in Mathe.
Ich hatte vor den Abschlussprüfungen so viel Freizeit wie nie, und hab locker die Einsen abgeräumt.
Irgendwie empfand ich das als ungerecht.“

„Wenn ich in der Schule gute Noten bekam habe ich mich manchmal schuldig gefühlt - ich hatte doch nur ein bisschen dahergeredet, nicht wirklich aufgepasst und meine Hausaufgaben waren, falls überhaupt vorhanden, die Knappsten und Unsaubersten von Allen. Wirklich peinlich war mir eine Notenvergabe in Physik, irgendwann in der 8. Klasse vielleicht. Ich hätte mich mit jeder Note abgefunden (ich hatte mich ja nicht angestrengt !) und habe die vom Lehrer vergebene 2 dankend hingenommen - um erschrocken mit anhören zu müssen, wie meine Klassenkameraden spontan anfingen, eine bessere Note für mich auszuhandeln !“

„Das Gefühl der Scham gegenüber hart lernenden und trotzdem nur 4en schreibenden MitschülerInnen kenne ich auch. Inzwischen sage ich z.B., wenn mich wer fragt "wie fandst du die Klausur ?" - "sehr gut, aber ich bin ja kein Maßstab "“

„Hmm... ja, das mit dem nicht Maßstab sein kommt mir bekannt vor, und in dem Zusammenhang auch, dass man seine Noten nicht gerecht findet. Das konnte bei mir in der Schule sogar dazu führen, dass ich eine Chemie mündlich eins nicht akzeptiert habe, weil ich der Meinung war, im letzten Halbjahr (wo ich mündlich 2 stand) besser gewesen zu sein... irgendwie hat das sowohl den Lehrer als auch meine Mitschüler verwirrt.“


5. a) Spaß daran, leicht verstehen zu können.

„Die Sicherheit, etwas zu können. Dadurch manche Sorgen nicht zu haben.“

„Stimmt, oft fühlt es sich ziemlich gut an, hochbegabt zu sein. Ich möchte jetzt nicht arrogant erscheinen, aber manchmal ist es schon ein ziemlich gutes Gefühl, wenn man weiß, dass man viele, was die geistige Kapazität angeht, am ausgestreckten Arm verhungern lassen könnte, wenn man nur wollte (natürlich mache ich das nicht *G*, es geht nur um die theoretische Möglichkeit). Eine andere Situation ist, wenn ich recht mühelos irgendwelche Zusammenhänge erkenne, die für mich auf der Hand liegen, sie springen mich quasi an und andere müssen sie sich erst mühsam erarbeiten, bzw. sehr hart arbeiten, um sie zu erkennen.“

„Ohne Denken ist man glücklich (weil man nichts mitbekommt), aber auch schneller KO als andere.“

5. b) Sorgen um Vieles machen.

„Ich steh eigentlich voll dahinter, dass ich mir Sorgen um andere mache, und auch mal nachfrage.“

„Ich hab auch einmal gedacht, wenn ich eben nicht Hb wäre, dann würde ich auch bestimmte Entscheidungen nicht treffen.
Und mir eben keine Gedanken machen.
Das hat mich ziemlich fertig gemacht. Denkst du gar nicht so "moralisch" (wobei man darüber auch stundenlang mit sich selbst diskutieren kann...), ist das nur dieses "Hb etwas" an dir?
Na ja, aber das bin ich doch, oder?
Das ist doch ein Teil von mir und ohne "es" wäre ich nicht ich, oder ?“

„Aber ich bin eigentlich ganz froh, dass ich mir Gedanken mache.“

5. c) Unkonventionelles.

„Offen sein für fast alles. Nichts von vorneherein abtun, sondern erst mal überdenken. "Warum nicht ?" Auch unkonventionelle Sachen tun und Spaß daran haben.“

„Gut geht es mir, wenn ich spielen, rumalbern und fantasieren kann oder manchmal, wie in Trance, den Kopf abschalte und die unglaublich intensiven Eindrücke meiner Umwelt auf mich einwirken lasse.
Ich fühle, dass ich noch viel mehr zu sagen habe, aber meine Gedanken sind wie weiche, fliegende Kugeln, die ich mit plumpen, eckigen Wörtern anzunähern versuche, und das funktioniert einfach nicht gut genug, um ein nicht allzu verzerrtes Bild meiner Gefühle abzugeben.“
_________________
LG sun mit Naseweiß (*3/98, Studentin in NL), PeterPan (*6/99, dualer Student) und TigerLily (*6/05, 8. Klasse hb-Zweig)
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
sun
Queen of yellowpress, Sponsor



Anmeldungsdatum: 03.03.2005
Beiträge: 2614
Wohnort: Rheinland

BeitragVerfasst am: 16.11.2010, 12:13
BeitragTitel:
Antworten mit Zitat

*schubs* da schon uralt, aber immer aktuell
_________________
LG sun mit Naseweiß (*3/98, Studentin in NL), PeterPan (*6/99, dualer Student) und TigerLily (*6/05, 8. Klasse hb-Zweig)
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Svea
Sponsor 2010/2011


Geschlecht: Geschlecht:weiblich
Anmeldungsdatum: 12.04.2006
Beiträge: 4746
Wohnort: St. Olaf ;-) (BW)

BeitragVerfasst am: 28.01.2013, 17:03
BeitragTitel:
Antworten mit Zitat

winkie Sun

Konnte ich gerade gut gebrauchen Smile

Danke!
_________________
Wer das Konzept der Unendlichkeit verstehen will, muss nur das Ausmaß menschlicher Dummheit betrachten.
Voltaire
Svea
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
ripley



Geschlecht: Geschlecht:weiblich
Anmeldungsdatum: 15.05.2010
Beiträge: 912
Wohnort: RLP

BeitragVerfasst am: 29.01.2013, 12:24
BeitragTitel:
Antworten mit Zitat

Zitat:
Aber auch, wenn man andere, ähnlich gestrickte kennen gelernt hat:
“Ihrs, das Leben ist soooooo schön! Dass ich sowas machen kann? Jemand habe, der sowas mit mir macht, von sich aus, nicht komisch guckt, nein, die gleiche Besessenheit aufweist . Ich mag jubeln und hüpfen, was habe ich für ein Glück! Vor allem: was habe ich für ein Glück, dass ich wissen darf, dass das "ganz normal" ist, dass ich meine Leidenschaften teile mit anderen !“


Und die anfängliche Verblüffung, die aber bald in kindlich anmutendes Entzücken übergeht, wenn man auf einen Gesprächspartner trifft, der einem intellektuell nicht nur ähnlich bzw. voll gewachsen ist, sondern sogar noch flotter, gedankenspringender. Dessen Brillianz einen wie in einem Sog mitzureißen vermag.

(Klingt schrecklich überheblich, ich weiß. Ich sag's auch so schnell nicht wieder ... rolleys )
_________________
LG
Ellen


Zuletzt bearbeitet von ripley am 29.01.2013, 13:48, insgesamt einmal bearbeitet
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Svea
Sponsor 2010/2011


Geschlecht: Geschlecht:weiblich
Anmeldungsdatum: 12.04.2006
Beiträge: 4746
Wohnort: St. Olaf ;-) (BW)

BeitragVerfasst am: 29.01.2013, 13:03
BeitragTitel:
Antworten mit Zitat

winkie ripley!

Das ist der Grund für die Arbeit bei der Kinder- und Jungendakademie.

Kinder die sonst "schwierig" sind, spinnen dann auf einmal zusammen auf hohem Niveau.

Einzelgänger werden zu Gruppenmenschen und haben eine Saugaudi!

Alles Liebe

Svea
_________________
Wer das Konzept der Unendlichkeit verstehen will, muss nur das Ausmaß menschlicher Dummheit betrachten.
Voltaire
Svea
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Freundeskreis netter Leute mit schlauen Kids Foren-Übersicht -> Stoffsammlung Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen
Seite 1 von 1
Gehe zu:  

 
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.


Ähnliche Beiträge
Thema Autor Forum Antworten Verfasst am
Keine neuen Beiträge Hochbegabung ist teuer! Svea Ernster Plausch 24 18.06.2012, 15:15
Keine neuen Beiträge Sich entschuldigen.... jenny Ernster Plausch 9 24.04.2010, 21:25
Keine neuen Beiträge Schweres Los Hochbegabung Heike Ernster Plausch 5 14.08.2009, 20:01
Keine neuen Beiträge IV Infobörse Hochbegabung in Neckargmünd Svea Ankündigungen, Termine 0 26.02.2009, 22:34
Keine neuen Beiträge leidet still vor sich hin.. jukilmi Der ganz alltägliche Wahnsinn 7 24.07.2008, 17:33



phpBB 2.0.23
Template by BMan1

BBoard.de bietet Ihnen ein Kostenloses Forum mit zahlreichen tollen Features

Impressum | Datenschutz